26.02.13

Studie Deutschland ist ein Stück weit gerechter geworden

Von Tobias Kaiser

Internationales Gerechtigkeitsranking: Deutschland liegt deutlich über dem Durchschnitt

Foto: Infografik Die Welt

Internationales Gerechtigkeitsranking: Deutschland liegt deutlich über dem Durchschnitt Foto: Infografik Die Welt

Allen Unkenrufen zum Trotz: Deutschland hat laut einer Studie in den vergangenen zehn Jahren Fortschritte in puncto Gerechtigkeit gemacht – etwa bei der Chancengleichheit oder der Lohnentwicklung.

Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren im internationalen Vergleich gerechter geworden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Studienleiter Dominik Enste und seine Kollegen kommen zu dem Schluss, dass die deutsche Gesellschaft gerechter ist als diejenigen der meisten anderen Industriestaaten. Im internationalen Vergleich unter 28 wohlhabenden Industrieländern belegt Deutschland zusammen mit den Niederlanden den siebten Platz.

Gerechter geht es nur in den nordischen Ländern Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland sowie Neuseeland und Österreich zu.

Deutschland hat sich in der Rangliste in den vergangenen Jahren weit nach vorne geschoben: Noch im Jahr 2005 belegte Deutschland Platz 19. Der internationale Vergleich wurde in diesem Jahr zum ersten Mal erstellt, das IW hat aber die Ergebnisse bis in das Jahr 2000 zurückgerechnet.

Lohnsteigerungen ab 2011

Verantwortlich für die Verbesserung war eine Reihe von Faktoren. Beispielsweise haben die Lohnsteigerungen ab 2011 zu mehr Gerechtigkeit geführt, weil sie dafür gesorgt haben, dass die Arbeitslöhne eher mit der gestiegenen Produktivität korrespondieren.

Entscheidend waren aber der Aufschwung der vergangenen Jahre und der damit verbundene Rückgang der Arbeitslosigkeit. Vor allem der Rückgang der Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit hat hierzulande mehr gemessene Chancengerechtigkeit geschaffen.

Wenn es darum geht, allen Gesellschaftsmitgliedern gleiche Chancen in Leben und Karriere zu geben, bleibt hierzulande trotz dieser Verbesserungen noch viel zu tun. Deutschland landet insgesamt bei dieser Betrachtung im Vergleich nur auf Platz 14.

"Die Chancengerechtigkeit muss sich verbessern", sagt Studienleiter Enste. Den Menschen in Deutschland gehe es vor allem um diesen Aspekt, wenn sie mangelnde Gerechtigkeit beklagten.

Besonders gut schneidet Deutschland bei der so genannten Bedarfsgerechtigkeit ab, also wenn es darum geht, die Grundbedürfnisse jedes Bürgers zu decken. Dafür haben die Forscher beispielsweise untersucht, wie gut die medizinische Versorgung in den Vergleichsländern ist, welchen Anteil der Gesundheitsausgaben der Staat trägt oder wie verbreitet die Armut unter Kindern, Alten und in der gesamten Bevölkerung ist.

Verteilung von Vermögen bleibt unberücksichtigt

Für den Vergleich haben die Forscher sechs verschiedene Teilaspekte von Gerechtigkeit definiert und untersucht, wie stark diese Dimensionen hierzulande ausgeprägt sind. Beispielsweise fließt in das Ergebnis ein, wie stark die Einkommensschere auseinandergeht. Die Verteilung der Vermögen bleibt allerdings unberücksichtigt. Die entsprechenden Daten seien nicht vorhanden, sagt Studienleiter Enste.

Die Daten für die insgesamt 33 untersuchten Variablen stammen von der Weltbank, der europäischen Statistikbehörde Eurostat und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), einem Klub vorwiegend wohlhabender Staaten.

In diesem Zusammenhang warnte Enste davor, die Ergebnisse der Untersuchung falsch zu interpretieren. Die Studie messe nur die relative Gerechtigkeit, das heißt, wie Deutschland im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften abschneidet.

Eine Verbesserung in den vergangenen Jahren kann deshalb einerseits bedeuten, dass die Grundbedürfnisse der Bürger hierzulande zunehmend besser gedeckt werden. Ein besseres Abschneiden könnte aber auch darauf hindeuten, dass dies in anderen Ländern zunehmend schlechter gelingt.

In einer jüngst von der INSM veröffentlichten Umfrage beklagten 69 Prozent der Befragten eine wachsende Gerechtigkeitslücke. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert.

Mi, 20.02.2013, 14.22 Uhr

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Video: Reuters
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