03.02.13

Hauptstadtflughafen

Bender: Entscheidung über BER-Chefposten offen

Wilhelm Bender gilt als Hoffnungsträger für den Pannen-Flughafen. Doch der Manager überlegt noch, ob er den Job übernehmen soll.

Foto: dpa
Wilhelm Bender
Der frühere Fraport-Chef Wilhelm Bender hat sich nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob er die Geschäftsführung des Berliner Hauptstadtflughafens übernehmen will

Berlin. Der frühere Fraport-Chef Wilhelm Bender hat sich nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob er die Geschäftsführung des Berliner Hauptstadtflughafens übernehmen will. "Ich bin hier noch im Entscheidungsprozess", sagte Bender am Sonntag. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen."

Im Desaster um den künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg ist Bender als möglicher Nachfolger des bisherigen Flughafenchefs Rainer Schwarz im Gespräch. Dieser musste nach massiver Kritik am Management gehen. Die Eröffnung des Airports wurde zu Jahresbeginn bereits zum vierten Mal verschoben. Einen neuen Eröffnungstermin gibt es noch nicht.

Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft tagt das nächste Mal am 13. Februar. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, neuer Vorsitzender des Gremiums, hatte wiederholt betont, dass die Entscheidung über die Nachfolge für Schwarz vom Aufsichtsrat getroffen werde. Personaldebatten in den Medien würden prinzipiell nicht kommentiert, sagte Regierungssprecher Thomas Braune am Sonntag.

Am Freitag hatte sich der frühere Flughafen-Aufsichtsratschef Hans-Olaf Henkel in Berlin für Bender stark gemacht: "Wenn es gelänge, den Herrn Bender dazu zu bewegen, noch mal etwas fürs Vaterland zu tun, dann hätten wir wirklich einen Riesenfortschritt gemacht."

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte, im Interesse des Wirtschaftsstandortes Deutschland brauche die neue Spitzenkraft eine "patriotische Berufung". Der neue Geschäftsführer müsse "hervorragende Management-Fähigkeiten sowie wirtschaftliche, technische und soziale Kompetenz" mitbringen, sagte Ramsauer der "Rheinischen Post" (Montag).

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte am Sonntag zunächst vorab gemeldet, Bender habe am Samstagabend auf dem Ball des Sports in Wiesbaden seine Bereitschaft signalisiert, den Posten übernehmen zu wollen. Wenig später zog das Blatt diese Meldung zurück. Laut "faz.net" sagte der 68-Jährige am Sonntag: "Ich habe auf dem Ball des Sports allen Medien gegenüber jeden Kommentar zu Berlin abgelehnt." In der Vorabmeldung war er dagegen mit den Worten "ich dementiere das nicht" zitiert worden

BER: Die Planungsgeschichte und die Pannen

Für die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld muss schon wieder ein neuer Termin gefunden werden. Es ist bereits das vierte Mal, dass der Termin verschoben wird. Nach dem erneuten Debakel muss der Aufsichtsrat am Mittwoch (16. Januar) in einer vorgezogenen Sitzung die Weichen für einen Neubeginn stellen. Die  wichtigsten Stationen und Pannen bei der Planung des Milliardenprojekts.

1996: Die Länder Berlin und Brandenburg fassen gemeinsam mit dem Bund den "Konsensbeschluss" für einen neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld.

13. August 2004: Das brandenburgische Infrastrukturministerium als zuständige Behörde legt den Planfeststellungsbeschluss vor.

16. März 2006: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig beauftragt die Planfeststeller mit Nachbesserungen. Unter anderem für Nachtflüge sollen neue Regelungen gefunden werden.

5. September 2006: Der erste Spatenstich für den Hauptstadtflughafen wird gesetzt.

20. Oktober 2009: Der Planergänzungsbeschluss für das Lärmschutzkonzept wird festgelegt. Demnach sind unter anderem in der sogenannten Kernzeit zwischen 0.00 und 5.00 Uhr keine regulären Flüge erlaubt.

25. Juni 2010: Der für Ende Oktober 2011 geplante Eröffnungstermin wird auf den 3. Juni 2012 verschoben.

6. September 2010: Erstmals stellt die Deutsche Flugsicherung (DFS) konkrete Planungen für Flugrouten vor.

4. Juli 2011: Die DFS präsentiert überarbeitete Routenpläne.

13. Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weist Klagen der Brandenburger Gemeinden Blankenfelde-Mahlow, Eichwalde, Großbeeren und Schulzendorf sowie von etwa 40 Anwohnern gegen den Planergänzungsbeschluss für den Nachtflugverkehr zurück.

26. Januar 2012: Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung stellt die gültigen Flugrouten vor. Diese sollen ab Eröffnung ein halbes Jahr lang getestet und später eventuell korrigiert werden.

8. Mai 2012: Die für 3. Juni geplante Eröffnung des Flughafens wird wegen Problemen beim Brandschutz überraschend gestoppt.

17. Mai 2012: Der Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), nennt als neuen Eröffnungstermin den 17. März 2013. Chefplaner Manfred Körtgen verliert seinen Job.

15. Juni 2012: Anwohner des Hauptstadtflughafens setzen gerichtlich einen besseren Schallschutz durch. Die Flughafengesellschaft habe mit ihrem bisherigen Lärmschutzprogramm Auflagen aus dem Planfeststellungsbeschluss "systematisch verfehlt", urteilt das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg.

24. Juli 2012: Tests an der Brandschutzanlage im künftigen Hauptstadtflughafen verlaufen nach Angaben der Flughafengesellschaft erfolgreich.

31. Juli 2012: Das Bundesverwaltungsgericht weist Klagen von Bewohnern der Gemeinden Kleinmachnow, Zeuthen und Mahlow ab. Sie wollten eine Neuauflage des Planfeststellungsverfahrens.

7. September 2012: Der Aufsichtsrat verschiebt den Eröffnungstermin auf den 27. Oktober 2013.

27. September 2012: Das Berliner Abgeordnetenhaus setzt einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Flughafenaffäre ein.

6. Januar 2013: Es wird bekannt, dass die Eröffnung des Flughafens erneut verschoben werden muss. Frühestens 2014 sollen nun Flugzeuge abheben.

7. Januar 2013: Wowereit gibt seinen Rückzug als Chef des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft bekannt.

10. Januar 2013: Debatte über einen Misstrauensantrag von Grünen und Piraten gegen Klaus Wowereit (SPD) im Berliner Abgeordnetenhaus.

12. Januar 2013: Abstimmung über den Misstrauensantrag der Opposition; Mit den Stimmen der großen Koalition wird Klaus Wowereit (SPD) im Amt gehalten.

14. Januar 2013: Matthias Platzeck (SPD) übersteht im Brandenburger Landtag erfolgreich eine Vertrauensfrage.

16. Januar 2013: Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft trifft sich zu einer vorgezogenen Sitzung, um über die Konsequenzen aus der erneuten Terminverschiebung zu beraten. (dapd)

(dpa)
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