25.01.13

Ägyptische Revolution

Zweiter Jahrestag: Fünf Tote bei Protesten in Ägypten

Bei Protesten sind fünf Menschen erschossen und rund 200 Demonstranten verletzt worden. Aktivistinnen berichten von sexuellen Übergriffen.

Foto: dpa
Egypt opposition protest on revolt second anniversary
Demonstranten in Ägypten versuchen eine Mauer zu durchbrechen

Kairo. Am zweiten Jahrestag des Aufstandes gegen Präsident Husni Mubarak in Ägypten ist es in einer aufgeheizten Stimmung zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. Bei Ausschreitungen in mehreren Städten wurden fünf Menschen getötet und rund 200 Menschen verletzt, berichteten am Freitagabend ägyptische Medien unter Berufung auf Sanitäter.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den Toten um junge Männer, die vor dem Gouverneursgebäude in Suez von Schüssen getroffen wurden. Gewalt auf den Straßen gab es auch in den Metropolen Kairo und Alexandria. Aktivistinnen berichteten zudem von sexuellen Übergriffen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo die zentrale Kundgebung der Opposition stattfand.

Zu Krawallen kam es unter anderem in Kairo, Alexandria und Suez. In der Stadt Ismailia am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Parteibüro der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude, wie der TV-Sender Al-Arabija berichtete.

Staatschef Mohammed Mursi fuhr durch einen Hintereingang in den von Demonstranten belagerten Präsidentenpalast. Die Opposition wirft Mursi vor, er habe die "Ziele der Revolution" verraten. "Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit" riefen Zehntausende von Demonstranten und "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder". Auch rund um den Präsidentenpalast kam es am Abend zu Straßenschlachten, bei denen Steine flogen. Die Ordnungspolizei setzte Tränengas ein.

Die Muslimbrüder, die Mursi im vergangenen Jahr als ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl nominiert hatten, beteiligten sich nicht an den Protestaktionen. Bei dem ersten "Revolutionsgeburtstag" 2012 waren die Islamisten mit dabei gewesen. Damals war noch der Militärrat an der Macht, der Mubarak ein Jahr zuvor zum Rücktritt gezwungen hatte. Der Aufstand hatte am 25. Januar 2011 begonnen und 17 Tage später zum Rücktritt Mubaraks geführt.

In der Hauptstadt Kairo trafen am Nachmittag mehrere Protestmärsche auf dem zentralen Tahrir-Platz zusammen, auf dem die Proteste gegen Mubarak begonnen hatten. Unter den Demonstranten waren der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sowie Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei und der populäre linke Oppositionelle Hamdien Sabbahi.

Während es auf dem Tahrir-Platz relativ friedlich blieb, kam es in zwei Nebenstraßen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Ordnungspolizei und einigen Demonstranten. Bereits am Vorabend der geplanten Demonstrationen hatte es in der Umgebung des Platzes Gewalt zwischen Polizisten und jungen Regierungsgegnern gegeben, die eine Betonmauer vor dem Regierungsviertel niederreißen wollten. Dabei waren 16 Menschen verletzt worden.

In der Hafenstadt Alexandria setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. Diese bewarfen die Beamten mit Steinen. "Für soziale Gerechtigkeit" und "gegen die Herrschaft der Muslimbrüder" demonstrierten Anhänger von Oppositionsparteien etwa auch in der östlichen Stadt Suez und in der Touristenstadt Luxor. Einige Demonstranten forderten die Todesstrafe für jeden, der Schuld am Tod der Demonstranten bei den Protesten 2011 trage.

Mursi hatte am Donnerstag von einer "Konterrevolution" gesprochen. Er behauptete, die Proteste würden von "Überbleibseln des Mubarak-Regimes" gesteuert.

(dpa)
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