11.11.12

Debatte um Nebeneinkünfte Steinbrück: Mir hat das "Fingerspitzengefühl" gefehlt

Landesparteitag der SPD Niedersachsen

Foto: dapd

Seit Wochen schon steht SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück in der Kritik. Nun zeigt er im Streit um seine Nebeneinkünfte ein wenig Reue.

Hamburg. Der seit Wochen wegen seiner hohen Nebeneinkünfte in der Kritik stehende designierte SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück gibt sich erstmals selbstkritisch. Es sei ein Fehler gewesen, ein Honorar von 25 000 Euro für den Auftritt bei den Bochumer Stadtwerken anzunehmen, sagte er nach Berichten von "Spiegel Online" und "sueddeutsche.de" am Sonntag bei einer Veranstaltung in Hamburg. Ihm habe hier das "Fingerspitzengefühl gefehlt". Ein solches Honorar sei unverhältnismäßig. "Ich dokumentiere diesen Fehler jetzt indirekt dadurch, dass ich das Honorar an drei wohltätige Organisationen spende", sagte er den Berichten zufolge weiter.

Am Wochenende wurde ein neuer Vorwurf laut. Nach einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag" hat der SPD-Politiker einen Nebenverdienst in der Schweiz in Höhe von 1500 Euro nicht deklariert. Schon am Samstag hatte Steinbrück beim Landesparteitag der niedersächsischen SPD in Wolfsburg selbstkritisch eingeräumt: "Der Wind bläst mir im Augenblick ins Gesicht. Ich weiß, dass Teile der Partei etwas davon abkriegen." Zugleich sagte der designierte Kanzlerkandidat vor den Delegierten, er verstehe nicht, warum immer nur die anderen Geld verdienen sollen und kein Sozialdemokrat. In Niedersachsen wird am 20. Januar ein neuer Landtag gewählt.

Unterstützung erhielt Steinbrück vom langjährigen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Er bescheinigte Steinbrück im "Bericht aus Berlin" der ARD am Sonntagabend, er sei "eindeutig" der richtige Kanzlerkandidat der SPD. Mit Blick auf das 25 000-Euro-Honorar sagte Müntefering: "Das war ein Fehler. Das hat Peer Steinbrück ja angesprochen. Das ist auch bereinigt worden in der letzten Woche."

Laut "NZZ am Sonntag" geht es bei dem neuen Vorwurf um ein Honorar von 1500 Euro, das der Politiker vor zwei Jahren für einen Vortrag beim Ringier-Verlag, dem größten privaten Medienunternehmen der Schweiz, erhalten habe.

Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer dementierte dem Bericht zufolge. Der Ringier-Verlag habe für Steinbrücks Auftritt in Zürich kein Honorar gezahlt, sondern eine Spende überwiesen. "Deshalb musste er den Anlass auch nicht deklarieren", wird der Sprecher zitiert. "Ringier hat für Steinbrücks Rede Geld gespendet." Ein Sprecher des Verlags sagte dagegen, das Geld sei an Steinbrück gezahlt worden. "Er hat dafür das in solchen Fällen übliche Honorar von 1500 Euro erhalten."

((dpa))