20.10.12

US-Wahlkampf

"Romnesia" - Obama macht sich über Romney lustig

Rund zweieinhalb Wochen vor der US-Wahl wird die Wortwahl von Präsident Barack Obama härter. Herausforderer Mitt Romney reagierte promt.

Foto: DPA

Präsident Barack Obama (l.) tritt bei der US-Wahl gegen den Republikaner Mitt Romney an

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Fairfax. US-Präsident Barack Obama versucht mit einem neuen Namensspiel, seinen Wahlkampf-Kontrahenten Mitt Romney lächerlich zu machen. Sein Widersacher müsse an einer Krankheit namens "Romnesia" leiden, durch die er seine früheren politischen Aussagen vergesse, scherzte Obama am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Fairfax (Virgina). Der Präsident setzte dabei das Kunstwort aus Romney und Amnesia (deutsch: Amnesie) zusammen. Der medizinische Begriff beschreibt eine Art der Gedächtnisstörung.

Obama zählte mehrere Themen auf, bei denen Romney in den vergangenen Wochen angeblich seine Meinung geändert habe. "Wenn Du einen Fall von "Romnesia" hast, kannst Du anscheinend nicht einmal die Vorschläge erinnern, die immer noch auf Deiner Interseite stehen", sagte der Amtsinhaber. Das sei aber eine "kurierbare Krankheit" – man müsse am 6. November nur Obama wählen.

Bereits im August hatte Obama ein Namenspielchen mit seinem Kontrahenten betrieben. Damals nannte er ihn "Romney Hood", weil der Republikaner mit seinen Steuerplänen das Geld von den Armen nehmen und den Reichen geben wolle. "Das ist wie Robin Hood im Rückwärtsgang." Romneys Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Er bezeichnete Obamas Worte als "kleinkarierte Angriffe und dümmliche Wortspiele".

Derweil macht das Wahlkampfmanagement von US-Präsident Obama dessen milliardenschweres Hilfsprogramm für die Autohersteller General Motors und Chrysler zum Thema. In dem heftig umkämpften Staat Ohio schaltete das Team Obamas am Freitag einen neuen Fernsehspot, der den damaligen Widerstand des republikanischen Herausforderers Romney gegen die Rettungsaktion thematisiert. So tauchen mehrere Arbeiter der Automobilindustrie in dem Clip auf und berichten, dass sie ihre Arbeitsplätze der Entscheidung Obamas verdanken, den beiden Großkonzernen 2009 Bundesdarlehen zu gewähren.

Romney hingegen hatte sich für einen strukturierten Konkurs ohne den Einsatz von Steuergeldern ausgesprochen. Hätte Obama damals nicht interveniert, wäre Ohio zusammengebrochen, sagt ein Arbeiter in dem Wahlwerbespot. Dieser endet mit dem Slogan: "Mitt Romney. Keiner von uns."

Clinton mahnt faire Bewertung von Obamas erster Amtszeit an

Weil "ungeduldige" Amerikaner noch nicht die wirtschaftliche Besserung im Land erkannt hätten, sehe Obama einer schwierigen Wiederwahl entgegen, sagte sein Vorgänger Bill Clinton am Freitagabend (Ortszeit) in Green Bay in Wisconsin, wo er auf Wahlkampftour für seinen Parteifreund Halt machte. Die Wähler sollten Obama anhand der letzten drei Jahre beurteilen, in denen der Arbeitsmarkt im Privatsektor einigen Boden gut gemacht hätte.

Clinton hatte Wisconsin einst bei seinen beiden Präsidentschaftswahlen gewonnen. Nun hoffen die Republikaner auf eine Wende, schließlich kommt ihr Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan von dort. Der Abgeordnete, der gemeinsam mit Mitt Romney als Präsident ins Weiße Haus einziehen möchte, hat dort in den vergangenen Monaten bereits jede Menge Wahlkampfauftritte absolviert.

Am Freitag hatten Obama und Romney nach ihrem erbitterten Schlagabtausch im TV-Duell zu den Waffen des Humors gegriffen. Anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung der katholischen Erdiözese New York lieferten sich die US-Präsidentschaftskandidaten eine Debatte der launigen Art.

"Ich habe gelernt, dass dir an deinem Hochzeitstag Schlimmeres passieren kann, als den Kauf eines Geschenkes zu vergessen", sagte Obama in Anspielung auf seine schwache Leistung in der ersten Runde der insgesamt drei Fernsehdebatten. Der Präsident stellte fest, dass sich Millionen Zuschauer des zweiten Duells, in dem Obama jetzt am Dienstag bei den Wählern wieder punkten konnte, wohl nicht auf die erste Debatte von Anfang Oktober konzentriert hätten – auch er selbst nicht.

Obama ließ es sich nicht entgehen, auf den Reichtum des Multimillionärs Romney anzuspielen. "Ich war heute in Midtown New York in ein paar Geschäften einkaufen....während der Gouverneur ein paar Geschäfte einkaufen war", sagte Obama am Donnerstagabend (Ortszeit). Auch die außenpolitischen Patzer Romneys bei dessen Europatrip ließ der Präsident nicht aus. Er selbst sei ja vor vier Jahren in Europa wie ein Star empfangen worden, meinte Obama. "Ich bin beeindruckt, wie Gouverneur Romney das vermieden hat."

Zuvor hatte bereits Romney bei dem Abendessen zugunsten bedürftiger Kinder seine Rede gehalten. Er sagte mit humorigem Unterton, beide Kandidaten hätten wichtige Persönlichkeiten in ihrem Umfeld, auf die sie sich verlassen könnten: "Ich habe meine wunderschöne Frau Ann, er hat Bill Clinton."

Romney, elegant gekleidet wie alle bei der Galaveranstaltung, nahm sich derweil selbst auf die Schippe. "Es ist schön, endlich zu entspannen und das zu tragen, was Ann und ich zu Hause tragen", feixte er.

Romneys Frau hatte indes zuvor eine durchaus ernsthafte Aussage über ihren Mann getroffen: Im Falle einer Niederlage bei der Wahl am 6. November würde Romney seine politische Karriere beenden, sagte sie dem Fernsehsender ABC. "Er wird nicht wieder antreten, noch würde ich es tun", sagte sie.

Wahlkampfzitate der Kontrahenten

 

Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über Romney)

Romney: "Es gibt 47 Prozent, die auf seiner Seite sind, die abhängig von der Regierung sind, die glauben, dass sie Opfer sind, die glauben, dass die Regierung eine Verantwortung hat, für sie zu sorgen, die glauben, dass sie Anspruch auf Gesundheitsfürsorge, auf Essen, Unterkunft und was sonst noch alles haben. (...) Mein Job ist, mir kein Kopfzerbrechen über diese Leute zu machen. Ich werde sie niemals überzeugen, dass sie persönliche Verantwortung übernehmen und für ihr Leben sorgen sollten." (am 18. September in einem mit versteckter Kamera aufgenommenen Video über Obamas Anhänger)

Romney: "Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau." (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe)

Obama: "Wir werden unsere Mission abschließen und den Krieg in Afghanistan beenden." (am 1. Mai auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan)

Romney: "Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein." (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte)

 

Obama: "Für mich ist es wichtig voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit zur Heirat haben sollten." (am 9. Mai in einem TV-Interview mit ABC zur Homo-Ehe)

Romney: "In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde. (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert." (am 23. Mai vor der US-Handelskammer)

Obama: "Dem privaten Sektor geht es gut. (....) Wenn du erfolgreich bist, hat dir jemand dabei geholfen, hat in Straßen und Brücken investiert." (am 8. Juni auf einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Arbeitsmarkt)

Romney: "Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag eins zurückdrehen." (am 7. Juni in St. Louis, Missouri)

Obama: "Ich werde jeden Morgen aufwachen und hart für euch kämpfen." (am 25. Juli auf einer Kundgebung in New Orleans) "

Romney:  "Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen." (am 11. Juli vor Vertretern der schwarzamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP)

Obama: Ich glaube, es wird eng, aber ich denke, wir werden gewinnen." (am 30. Juli auf einer Veranstaltung in New York)

Romney: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas." (am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW)

Obama: "Das ist das Gegenteil von Robin Hood – Romney Hood!" (am 6. August auf einer Kundgebung in Connecticut zu Romneys Steuerplänen)

Romney: "Präsident Obama hat versprochen, die Anhebung der Meeresspiegel zu verlangsamen und den Planeten zu heilen. Mein Versprechen ist, Ihnen und Ihrer Familie zu helfen." (am 30. August beim Parteitag der Republikaner in Tampa)

Obama: "Wenn man Präsident sein will, muss man für jeden arbeiten. (...) Es gibt nicht viele Menschen, die denken, sie hätten Anspruch auf irgendetwas." (am 18. September in der TV-Sendung "Late Show" von David Letterman als Reaktion auf Romneys abfällige Äußerungen über Obamas Anhänger)

Romney: "Es ist infam, dass es nicht die erste Reaktion der Obama- Administration war, die Attacken auf unsere diplomatischen Vertretungen zu verurteilen, sondern mit denen zu sympathisieren, die die Attacken ausgeführt habe." (Am 12. September in einer Reaktion nach islamistischen Angriffen auf US-Vertretungen in Libyen und Ägypten) (dpa)

dpa/dapd
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TV-Duelle in Amerika
  • Eine lange Tradition

    TV-Rededuelle der Präsidentschaftskandidaten haben in den USA eine lange Tradition. Die Bewerber wollen sich vor Millionen Zuschauern ins rechte Licht setzen und können bei dem Fragen-und-Antworten-Spiel manchmal entscheidende Punkte sammeln.

     

    Der Rückblick – von Kennedy bis Obama:

  • Kennedy – Nixon (1960)

    Bei der ersten im Fernsehen übertragenen Debatte treffen am 26. September der republikanische Vizepräsident Richard Nixon und der demokratische Senator John F. Kennedy aufeinander. Nixon ist schlecht rasiert, sieht abgespannt und nervös aus. Kennedy ist braun gebrannt, wirkt ruhig und gefasst. Kennedy gewinnt das Duell und die Wahl. Nach den schlechten Erfahrungen Nixons gibt es eine lange Debattenpause.

  • Ford – Carter (1976)

    Der amtierende Präsident Gerald Ford setzt sich in drei Auftritten mit seinem demokratischen Herausforderer Jimmy Carter auseinander. Bei der Debatte am 6. Oktober erklärt er dem staunenden Publikum: „Es gibt keine sowjetische Vorherrschaft in Osteuropa“. Ford, der nach Nixons Rücktritt wegen des Watergate-Skandals 1974 Präsident geworden war, versucht vergeblich, seine Einschätzung zu relativieren und verliert die Wahl.

     

     

     

  • Carter – Reagan (1980)

     Der Republikaner Ronald Reagan, früherer Gouverneur von Kalifornien, konfrontiert Präsident Jimmy Carter am 28. Oktober mit der schlechten Wirtschaftslage und fragt die Zuschauer: „Seid Ihr heute besser dran als vor vier Jahren?“ Der locker auftretende Ex-Schauspieler, der zuvor in Umfragen gleichauf mit Carter lag, punktet gegen den bitterernst wirkenden Amtsinhaber und gewinnt die Wahl.

  • Reagan – Mondale (1984)

    Der „große Kommunikator“ Ronald Reagan hat die Lacher auf seiner Seite, als er am 21. Oktober Hinweise auf den Altersunterschied zu seinem Mitbewerber kontert. Er halte dem 17 Jahre jüngeren früheren demokratischen Vizepräsidenten Walter Mondale ja auch nicht dessen „Jugend und Unerfahrenheit“ vor. Reagan siegt haushoch.

  • Bush (sen.) – Dukakis (1988)

    Auf die Frage des Moderators, ob er bei einem Gewaltverbrechen an seiner Frau für die Todesstrafe sei, sagt der demokratische Gouverneur Michael Dukakis am 13. Oktober emotionslos „Nein“. Dukakis’ Antwort beim zweiten Schlagabtausch hilft dem republikanischen Vizepräsidenten George H.W. Bush, die Wahl zu gewinnen.

  • Bush (sen.) – Clinton (1992)

    BUSH SENIOR – CLINTON 1992: In der zweiten Runde am 15. Oktober wirft der demokratische Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, dem Präsidenten George H.W. Bush wirtschaftlichen Niedergang in den USA vor. Während der Sendung schaut Bush offenbar gelangweilt auf seine Uhr, was als Desinteresse an den Problemen gewertet wird. Clinton legt in Umfragen zu und wird Präsident.

  • Clinton – Dole (1996)

    Im Kampf um die Wiederwahl trifft Bill Clinton am 16. Oktober auf den republikanischen Kandidaten Bob Dole, einen früheren Senator. Clinton erklärt, nicht der 73-jährige Konkurrent, sondern seine Ideen seien zu alt für das Präsidentenamt. Auf Doles Kritik an Skandalen und „ethischen Fehlern“ der Regierung geht Clinton nicht ein. Bei der Wahl holt er eine große Mehrheit.

  • Bush (jun.) – Gore (2000)

    Der republikanische Gouverneur von Texas, George W. Bush, und Vizepräsident Al Gore lassen bei ihrem ersten Auftritt am 3. Oktober keine Gelegenheit zur gegenseitigen Kritik aus. Dabei seufzt der Demokrat Al Gore immer wieder hörbar und despektierlich, wenn Bush spricht. Die Wahl geht äußerst knapp aus. Bush gewinnt dank einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes.

  • Bush (jun.) – Kerry (2004)

     In der ersten Debatte am 30. September zeigt sich Präsident George W. Bush immer wieder sichtlich verärgert über seinen Herausforderer, den demokratischen Senator John Kerry. Kerry hat Wissenslücken beim Thema Irak. Bush behauptet sich im Amt.

  • Obama - McCain (2008)

     In ihrem dritten Duell am 15. Oktober streiten die Senatoren Barack Obama (Demokrat) und John McCain (Republikaner) vor allem über die Steuerpolitik. Dabei spielt ein „Joe der Klempner“ eine große Rolle. Der Mann aus Ohio hatte sich bei Obama über dessen Steuerpläne für den Mittelstand beklagt. McCain teilt die Befürchtungen, Obama hält dagegen. Der Deomkrat sammelt Pluspunkte bei den Zuschauern und zieht als erster Schwarzer ins Weiße Haus ein. (dpa)

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