Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über Romney)
Rund zweieinhalb Wochen vor der US-Wahl wird die Wortwahl von Präsident Barack Obama härter. Herausforderer Mitt Romney reagierte promt.
Fairfax. US-Präsident Barack Obama versucht mit einem neuen Namensspiel, seinen Wahlkampf-Kontrahenten Mitt Romney lächerlich zu machen. Sein Widersacher müsse an einer Krankheit namens "Romnesia" leiden, durch die er seine früheren politischen Aussagen vergesse, scherzte Obama am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Fairfax (Virgina). Der Präsident setzte dabei das Kunstwort aus Romney und Amnesia (deutsch: Amnesie) zusammen. Der medizinische Begriff beschreibt eine Art der Gedächtnisstörung.
Obama zählte mehrere Themen auf, bei denen Romney in den vergangenen Wochen angeblich seine Meinung geändert habe. "Wenn Du einen Fall von "Romnesia" hast, kannst Du anscheinend nicht einmal die Vorschläge erinnern, die immer noch auf Deiner Interseite stehen", sagte der Amtsinhaber. Das sei aber eine "kurierbare Krankheit" – man müsse am 6. November nur Obama wählen.
Bereits im August hatte Obama ein Namenspielchen mit seinem Kontrahenten betrieben. Damals nannte er ihn "Romney Hood", weil der Republikaner mit seinen Steuerplänen das Geld von den Armen nehmen und den Reichen geben wolle. "Das ist wie Robin Hood im Rückwärtsgang." Romneys Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Er bezeichnete Obamas Worte als "kleinkarierte Angriffe und dümmliche Wortspiele".
Derweil macht das Wahlkampfmanagement von US-Präsident Obama dessen milliardenschweres Hilfsprogramm für die Autohersteller General Motors und Chrysler zum Thema. In dem heftig umkämpften Staat Ohio schaltete das Team Obamas am Freitag einen neuen Fernsehspot, der den damaligen Widerstand des republikanischen Herausforderers Romney gegen die Rettungsaktion thematisiert. So tauchen mehrere Arbeiter der Automobilindustrie in dem Clip auf und berichten, dass sie ihre Arbeitsplätze der Entscheidung Obamas verdanken, den beiden Großkonzernen 2009 Bundesdarlehen zu gewähren.
Romney hingegen hatte sich für einen strukturierten Konkurs ohne den Einsatz von Steuergeldern ausgesprochen. Hätte Obama damals nicht interveniert, wäre Ohio zusammengebrochen, sagt ein Arbeiter in dem Wahlwerbespot. Dieser endet mit dem Slogan: "Mitt Romney. Keiner von uns."
Clinton mahnt faire Bewertung von Obamas erster Amtszeit an
Weil "ungeduldige" Amerikaner noch nicht die wirtschaftliche Besserung im Land erkannt hätten, sehe Obama einer schwierigen Wiederwahl entgegen, sagte sein Vorgänger Bill Clinton am Freitagabend (Ortszeit) in Green Bay in Wisconsin, wo er auf Wahlkampftour für seinen Parteifreund Halt machte. Die Wähler sollten Obama anhand der letzten drei Jahre beurteilen, in denen der Arbeitsmarkt im Privatsektor einigen Boden gut gemacht hätte.
Clinton hatte Wisconsin einst bei seinen beiden Präsidentschaftswahlen gewonnen. Nun hoffen die Republikaner auf eine Wende, schließlich kommt ihr Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan von dort. Der Abgeordnete, der gemeinsam mit Mitt Romney als Präsident ins Weiße Haus einziehen möchte, hat dort in den vergangenen Monaten bereits jede Menge Wahlkampfauftritte absolviert.
Am Freitag hatten Obama und Romney nach ihrem erbitterten Schlagabtausch im TV-Duell zu den Waffen des Humors gegriffen. Anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung der katholischen Erdiözese New York lieferten sich die US-Präsidentschaftskandidaten eine Debatte der launigen Art.
"Ich habe gelernt, dass dir an deinem Hochzeitstag Schlimmeres passieren kann, als den Kauf eines Geschenkes zu vergessen", sagte Obama in Anspielung auf seine schwache Leistung in der ersten Runde der insgesamt drei Fernsehdebatten. Der Präsident stellte fest, dass sich Millionen Zuschauer des zweiten Duells, in dem Obama jetzt am Dienstag bei den Wählern wieder punkten konnte, wohl nicht auf die erste Debatte von Anfang Oktober konzentriert hätten – auch er selbst nicht.
Obama ließ es sich nicht entgehen, auf den Reichtum des Multimillionärs Romney anzuspielen. "Ich war heute in Midtown New York in ein paar Geschäften einkaufen....während der Gouverneur ein paar Geschäfte einkaufen war", sagte Obama am Donnerstagabend (Ortszeit). Auch die außenpolitischen Patzer Romneys bei dessen Europatrip ließ der Präsident nicht aus. Er selbst sei ja vor vier Jahren in Europa wie ein Star empfangen worden, meinte Obama. "Ich bin beeindruckt, wie Gouverneur Romney das vermieden hat."
Zuvor hatte bereits Romney bei dem Abendessen zugunsten bedürftiger Kinder seine Rede gehalten. Er sagte mit humorigem Unterton, beide Kandidaten hätten wichtige Persönlichkeiten in ihrem Umfeld, auf die sie sich verlassen könnten: "Ich habe meine wunderschöne Frau Ann, er hat Bill Clinton."
Romney, elegant gekleidet wie alle bei der Galaveranstaltung, nahm sich derweil selbst auf die Schippe. "Es ist schön, endlich zu entspannen und das zu tragen, was Ann und ich zu Hause tragen", feixte er.
Romneys Frau hatte indes zuvor eine durchaus ernsthafte Aussage über ihren Mann getroffen: Im Falle einer Niederlage bei der Wahl am 6. November würde Romney seine politische Karriere beenden, sagte sie dem Fernsehsender ABC. "Er wird nicht wieder antreten, noch würde ich es tun", sagte sie.