12.10.12US-Wahlkampf
Obamas Vize holt im TV-Duell mit Ryan zum Gegenschlag aus
Joe Biden gibt sich kämpferisch. Republikaner Paul Ryan schlägt sich wacker. Die Umfragen geben ein gemischtes Bild wieder.
Foto: REUTERS
US-Vizepräsident Joe Biden (l) und der Kandidat der Republikaner, Paul Ryan trafen sich zum TV-Duell
Danville. US-Vizepräsident Joe Biden hat mit einem betont kämpferischen Auftritt im TV-Duell mit seinem republikanischen Gegenspieler Paul Ryan versucht, im Wahlkampf verlorenen Boden gutzumachen. Der Stellvertreter von Präsident Barack Obama schlug einen deutlich aggressiveren Ton an, als der Amtsinhaber vor gut einer Woche gegen Herausforderer Mitt Romney. Im Mittelpunkt des Schlagabtauschs vom Donnerstagabend standen die Steuer-, Gesundheits- und Außenpolitik. Erste Umfragen lieferten ein gemischtes Bild zum Ausgang der einzigen Fernsehdebatte der Vizekandidaten. Bei CNN lag Ryan mit 48 zu 44 Prozent vorne. Bei den zahlreichen, noch unentschiedenen Wählern schnitt indes Biden deutlich besser ab. In der Gruppe, die bei der Wahl in dreieinhalb Wochen eine entscheidende Rolle spielen dürften, kam er in einer Erhebung des Nachrichtenkanals CBS News auf 50 Prozent, Ryan erreichte 31 Prozent.
Obama hatte vergangene Woche gegen Romney eine überraschend enttäuschende Vorstellung geliefert. Seinen Vorsprung in den Umfragen musste er danach an den Ex-Gouverneur von Massachusetts abgeben, der in der jüngsten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos mittlerweile drei Punkte vor dem Präsidenten liegt.
Entsprechend hoch war der Druck auf Biden, die Leistungen der Regierung in gutes Licht zu rücken. Vorwürfe seines 42-jährigen Kontrahenten, die USA in der Welt schwach wirken zu lassen, konterte der 69-Jährige Biden mit den Worten: "Mit allem Respekt, das ist vollkommener Quatsch!" Ryan warf der US-Regierung vor, im vergangenen Monat widersprüchliche Angaben über den tödlichen Anschlag auf den amerikanischen Botschafter in Libyen gemacht zu haben: "Der Präsident hat zwei Wochen gebraucht um einzugestehen, dass dies ein Terroranschlag war." Biden erwiderte, die USA würden die Hintermänner der Tat zur Rechenschaft ziehen.
Biden warf dem für einen radikalen Sparkurs eintretenden Haushaltspolitiker Ryan mehrmals vor, keinen Draht zu arbeitenden Bevölkerung zu haben. Insbesondere kritisierte er die angestrebten Änderungen bei der staatlichen Krankenversicherung für Senioren. Ryan argumentierte, die Demokraten böten keine Lösung für die Finanzierungsprobleme, die für das Programm langfristig entstünden.
An einigen Stellen lachte Biden sarkastisch und gab sich herablassend. Er riskierte damit, einige Zuschauer zu verprellen, doch zugleich zeigte er die Leidenschaft, die Obama gegen Romney vermissen ließ. Der Präsident lobte seine Nummer zwei: "Ich denke, Joe Biden hat das heute Nacht hervorragend gemacht", sagte er nach der Rückkehr von einem Wahlkampfauftritt. "Ich könnte nicht stolzer auf ihn sein."
Obama muss am 16. und 22. Oktober noch einmal vor einem Millionen-Publikum an den Fernsehbildschirmen in den Ring gegen Romney steigen, bevor am 6. November gewählt wird.
Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über Romney)
Romney: "Es gibt 47 Prozent, die auf seiner Seite sind, die abhängig von der Regierung sind, die glauben, dass sie Opfer sind, die glauben, dass die Regierung eine Verantwortung hat, für sie zu sorgen, die glauben, dass sie Anspruch auf Gesundheitsfürsorge, auf Essen, Unterkunft und was sonst noch alles haben. (...) Mein Job ist, mir kein Kopfzerbrechen über diese Leute zu machen. Ich werde sie niemals überzeugen, dass sie persönliche Verantwortung übernehmen und für ihr Leben sorgen sollten." (am 18. September in einem mit versteckter Kamera aufgenommenen Video über Obamas Anhänger)
Romney: "Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau." (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe)
Obama: "Wir werden unsere Mission abschließen und den Krieg in Afghanistan beenden." (am 1. Mai auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan)
Romney: "Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein." (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte)
Obama: "Für mich ist es wichtig voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit zur Heirat haben sollten." (am 9. Mai in einem TV-Interview mit ABC zur Homo-Ehe)
Romney: "In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde. (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert." (am 23. Mai vor der US-Handelskammer)
Obama: "Dem privaten Sektor geht es gut. (....) Wenn du erfolgreich bist, hat dir jemand dabei geholfen, hat in Straßen und Brücken investiert." (am 8. Juni auf einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Arbeitsmarkt)
Romney: "Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag eins zurückdrehen." (am 7. Juni in St. Louis, Missouri)
Obama: "Ich werde jeden Morgen aufwachen und hart für euch kämpfen." (am 25. Juli auf einer Kundgebung in New Orleans) "
Romney: "Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen." (am 11. Juli vor Vertretern der schwarzamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP)
Obama: Ich glaube, es wird eng, aber ich denke, wir werden gewinnen." (am 30. Juli auf einer Veranstaltung in New York)
Romney: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas." (am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW)
Obama: "Das ist das Gegenteil von Robin Hood – Romney Hood!" (am 6. August auf einer Kundgebung in Connecticut zu Romneys Steuerplänen)
Romney: "Präsident Obama hat versprochen, die Anhebung der Meeresspiegel zu verlangsamen und den Planeten zu heilen. Mein Versprechen ist, Ihnen und Ihrer Familie zu helfen." (am 30. August beim Parteitag der Republikaner in Tampa)
Obama: "Wenn man Präsident sein will, muss man für jeden arbeiten. (...) Es gibt nicht viele Menschen, die denken, sie hätten Anspruch auf irgendetwas." (am 18. September in der TV-Sendung "Late Show" von David Letterman als Reaktion auf Romneys abfällige Äußerungen über Obamas Anhänger)
Romney: "Es ist infam, dass es nicht die erste Reaktion der Obama- Administration war, die Attacken auf unsere diplomatischen Vertretungen zu verurteilen, sondern mit denen zu sympathisieren, die die Attacken ausgeführt habe." (Am 12. September in einer Reaktion nach islamistischen Angriffen auf US-Vertretungen in Libyen und Ägypten) (dpa)
(rtr)