OB-Wahl
Wird Stuttgart grün? Fritz Kuhn siegt im ersten Wahlgang
Bei der Wahlparty in der Stuttgarter Bar Schlesinger ist die Stimmung der Grünen euphorisch. Ihr "Fritz" liegt im ersten Wahlgang vorne.
Stuttgart. Fritz Kuhns Sieg im ersten OB-Wahlgang ist keine zwei Stunden her, da bekommt er schon ersten Widerspruch. "Ich fasse zusammen: Guter Tag heute", sagt Kuhn am Ende seiner Siegesrede in der Stuttgarter Bar Schlesinger. Doch aus dem Publikum schallt es ihm entgegen: "Ein sehr guter Tag!" Kuhn schaut den Zwischenrufer an, lacht kurz und korrigiert sich: "Ein sehr guter Tag, lieber Rezzo." Applaus und Gelächter branden auf. Der Zwischenrufer Rezzo Schlauch, der selbst fast mal Stuttgarter OB geworden wäre, klatscht grinsend mit.
Die Rede Kuhns ist der Höhepunkte der grünen Wahlparty, bei der die Stimmung am Sonntagabend erwartungsgemäß ausgelassen ist. Kurz vorher erzählen sich auf rustikalen Bierbänken Anhänger die grünen Prozentwerte ihres Wahlbezirks ("Da hat der Fritz 47 Prozent!"), nebenan liegen sich Wahlkampfhelfer in den Armen. Wieder einen Tisch weiter spekulieren andere zu Hohenloher Weiderind oder Bauernbratwürsten vom schwäbisch-hällischen Landschwein über die Fehler von Kuhns ärgstem Konkurrenten, dem von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützten Sebastian Turner.
Es ist also das Stamm-Milieu der Grünen, zwischen Kapuzenpulli und Sakko, das sich hier trifft und ihn bejubelt, den "Fritz". Mit minutenlangem Applaus empfangen sie ihn, bevor er mit seiner siegessicheren Rede beginnt. "Herr Turner kann von nirgendwoher mehr neue Stimmen bekommen, auch wenn er Geld mit dem Hubschrauber abwirft", sagt er unter johlendem Applaus.
Doch der 57-Jährige nutzt die Stimmung auch, um in seiner Rede die eigenen Leute weiter zu motivieren. "Ich bitte Euch, die nächsten zwei Wochen weiter mitzukämpfen", ruft Kuhn mit Blick auf die Neuwahl am 21. Oktober. "Bei aller Freude – das heute ist nur ein Zwischenergebnis."
Neben den Wählern aus dem ersten Durchgang am Sonntag dürften in zwei Wochen auch die Stimmen der auf Platz drei und vier liegenden Kandidaten entscheidend sein. "Ich werde gerne mit Hannes Rockenbauch und Bettina Wilhelm Gespräche führen, aber keine Verhandlungen", sagt Kuhn dazu kämpferisch. Die OB-Wahl sei eine Personenwahl, "und meine Person ist nicht verhandelbar."
Das Publikum im Schlesinger bejubelt auch diese Feststellung, kurz bevor Kuhn zum Anstoßen in der Menge untertaucht. Zu diesem Zeitpunkt verabschieden sich draußen bereits die ersten Unterstützer voneinander: "Bis spätestens in zwei Wochen!"














