06.10.12

"Vatileaks"

Ex-Kammerdiener des Papstes zu Haft verurteilt

18 Monate muss Paolo Gabriele ins Gefängnis. Zuvor hatte der vatikanische Staatsanwalt, Nicola Picardi, drei Jahre Haft verlangt.

Foto: dpa
Paolo Gabriele
18 Monate muss Paolo Gabriele ins Gefängnis.

Rom. Im Prozess um die "Vatileaks"-Enthüllungen ist der Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das vatikanische Gericht sprach ihn am Sonnabend des Diebstahls schuldig. Das Urteil wurde live ins Pressezentrum des Vatikan übertragen. Zuvor hatte der vatikanische Staatsanwalt, Nicola Picardi, drei Jahre Haft verlangt.

Der Anklagevertreter Picardi schilderte den 46-jährigen Familienvater als leicht beeinflussbaren Menschen. Das bedeute aber nicht, dass er Mittäter gehabt habe. Gabriele sei vollkommen zurechnungsfähig. Er habe gewusst, was er tat. Dennoch gestand ihm der Staatsanwalt mildernde Umstände zu und plädierte auf drei anstatt wie ursprünglich angenommen auf vier Jahre Haft. Das berichteten vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter am Samstag nach der Verhandlung.

Gabrieles Verteidigerin Cristina Arru sagte hingegen, ihr Mandant habe nichts gestohlen, sondern sich die Papiere nur zu Unrecht angeeignet. Falls er aber wegen Diebstahls verurteilt werden solle, dürfe er nur die Minimalstrafe für einfachen Diebstahl bekommen - drei Tage.

"Er hat aus einer moralischen Motivation heraus gehandelt, von der ich hoffe, dass sie eines Tages anerkannt und gewürdigt wird", sagte Arru. Was er getan habe, sei nicht rechtens gewesen, jedoch habe er Missstände gesehen und sei davon zu seinen Taten getrieben worden. Gabriele sagte in seinem Schlusswort, er habe aus tiefer Liebe zur Kirche und zum Papst gehandelt. "Ich fühle mich nicht als Dieb."

Kammerdiener des Papstes

Die "Kammerdiener seiner Heiligkeit" gehören zur päpstlichen Familie (Seguito Papale), dem aus rund 30 Personen bestehenden engsten Kreis um den Pontifex. Sie sind im Vatikanstaat mit protokollarischen Aufgaben betraut.

Die nach katholischer Tradition freiwilligen Laien des päpstlichen Gefolges sind in der Regel Angehörige des Adels oder angesehener römischer Familien.

Unter den Dienern hat der persönliche Kammerherr des Papstes als "Majordomus" eine besondere Vertrauensstellung. Er hilft dem Oberhaupt der katholischen Kirche beim Anziehen, bedient ihn beim Essen und bereitet sein Schlafzimmer vor.

Er hat freien Zugang zu den Privatgemächern des Papstes und verwahrt alle Schlüssel zu Türen, Treppenhäusern und Aufzügen. Der persönliche Kammerdiener folgt dem Heiligen Vater bei Audienzen und begleitet ihn auf Reisen.

(dpa)
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