15.11.12

Schuldenkrise bremst deutsche Wirtschaft

Wiesbaden - Die Schuldenkrise im Euroraum würgt den deutschen Wachstumsmotor langsam ab. Verunsicherte Unternehmer stellen Investitionen zurück, die Exportwirtschaft leidet unter der schwachen Nachfrage aus rezessionsgeplagten Euroländern.

Vorerst haben der Außenhandel und der starke Konsum im Inland die deutsche Wirtschaft aber noch einmal angetrieben. Doch die Dynamik lässt spürbar nach: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal 2012 preis-, saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Damit bleibt Deutschland ein Fels in der Brandung: Der Euroraum rutschte im dritten Quartal in die Rezession.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet aber keine tiefgreifende Wirtschaftskrise. «Ich glaube, wir arbeiten alle daran, dass wir wirtschaftlich sehr schnell wieder auf die Beine kommen», sagte Merkel nach einem Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten Jean-Marc Ayrault in Berlin. Sie äußerte sich «sehr optimistisch», dass «nach diesem kleinen Tal» wieder Wachstum zu erreichen sei. «Darauf arbeiten wir hin.» Nötig seien aber auch die weitere Euro-Stabilisierung und solide Haushalte, um für Investoren nicht angreifbar zu sein. In Europa hingen alle voneinander ab.

Mit seinem attraktiven Arbeitsmarkt zog Deutschland auch mehr Menschen aus den EU-Krisenstaaten in Südeuropa an. Im ersten Halbjahr 2012 kamen aus Spanien, Griechenland und Portugal zusammen rund 32 700 Menschen, 64,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das sind aber im Verhältnis zur Gesamtzahl von 306 000 zugezogenen EU-Ausländern noch immer wenige.

Nach einem überraschend rasanten Jahresstart geht der Konjunktur in Deutschland jedoch allmählich die Puste aus. Die Wirtschaft war im ersten Vierteljahr noch um 0,5 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr um 0,3 Prozent. «Die deutsche Wirtschaft liegt im dritten Quartal bereits etwas tiefer im Wasser, im vierten Quartal taucht sie ganz unter», sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Bisher schlägt sich Deutschland aber immerhin etwas besser als von Ökonomen erwartet. Bankvolkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Aus Sicht des Präsidenten des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, lässt sich das erneut verlangsamte Tempo angesichts des aktuellen konjunkturellen Umfelds in Europa und weltweit verschmerzen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach von einem soliden Wachstum.

Dass es in Deutschland nur noch mit angezogener Handbremse bergauf ging, hat die Konjunktur im Euroraum insgesamt geschwächt: Erstmals seit drei Jahren schlitterte die Eurozone wieder in die Rezession. Im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal das zweite Mal nacheinander. Sie sank um 0,1 Prozent nach zuvor minus 0,2 Prozent, berichtete die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn das Wirtschaftswachstum in mindestens zwei Vierteljahren in Folge negativ ausfällt.

Die Postbank erwartet im Schlussquartal ein Minus der Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent: «Einen deutlich negativen Wachstumsbeitrag dürfte vor allem von den Exporten kommen», sagte Postbank-Ökonom Marco Bargel. Die Staatsschuldenkrise werde die Ausfuhren schwer belasten. Positive Wachstumsimpulse erwarte er erneut vom privaten Konsum.

Konjunkturtreiber im dritten Vierteljahr waren die Exporte sowie der private und staatliche Konsum. Außerdem wurde mehr in Bauten investiert. Hingegen gingen die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge gegenüber dem Vorquartal erneut zurück.

Die deutsche Wirtschaft leide offensichtlich an der Unsicherheit, die von der Staatsschuldenkrise ausgeht, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Lage. «Dafür spricht, dass die Unternehmen ihre Investitionen seit der Jahreswende senken und dies auch im dritten Quartal getan haben, obwohl die Exporte in der Tendenz weiter gestiegen sind.»

Auch die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich wuchs im dritten Quartal leicht - zur Überraschung von Experten. Von Juli bis September erhöhte sich das BIP zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Volkswirte hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Die südeuropäischen Krisenländer stecken unterdessen weiter in der Rezession fest. Die italienische Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal und verharrt seit über einem Jahr im Abschwung. In Spanien betrug das Minus im dritten Vierteljahr 0,3 Prozent, in Portugal 0,8 Prozent. Kräftig bergab ging es auch in den Niederlanden: Die Wirtschaftsleistung schrumpfte von Juli bis September um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Binnen Jahresfrist legte das BIP in Deutschland im dritten Quartal preis- und arbeitstagbereinigt um 0,9 Prozent zu. Ganz anders die Lage in Griechenland. Dort schrumpfte die Wirtschaft nach Eurostat-Zahlen gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent.

Statistisches Bundesamt zum BIP 3. Quartal

BIP preisbereinigt seit 2003

Statistisches Bundesamt zum BIP 2. Quartal

Mitteilung Eurostat

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