Die SPD-Spitze will heute Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten küren. Die offizielle Nominierung wird heute bei der Klausurtagung in Schwielowsee bei Berlin erfolgen. Doch die begann mit Umstimmigkeiten.
Die engste Spitze um Parteichef Kurt Beck, seinen Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier und Bundestagsfraktionschef Peter Struck zog sich zum Auftakt aber überraschend zu separaten Beratungen in der Nähe des Tagungshotels zurück, wie aus Parteikreisen verlautete.
Beck weg, Müntefering Parteichef, Steinmeier Kanzlerkandidat
Bei der Sitzung soll Steinmeier als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2009 nominiert werden. Beck will zugunsten seines Stellvertreters darauf verzichten, gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) anzutreten. Vor Beginn der Klausur zeigten sich Teilnehmer verärgert darüber, dass sie diese Entscheidung aus den Medien erfahren hatten. Dies sei kein besonders guter Einstieg in Steinmeiers Spitzenkandidatur, hieß es.
Die Klausurteilnehmer wollen außer der Frage der Kanzlerkandidatur Eckpunkte für ein Wahlkampfkonzept beschließen. In dem von Beck und Steinmeier vorgelegten Papier werden gezielt auch Wähler der Mitte angesprochen. Die SPD bekennt sich darin zu einer leistungsfähigen Wirtschaft. Nur damit könnten die Voraussetzungen für sozialen Aufstieg und ausreichende Bildungschancen für alle geschaffen werden.
Mit Steinmeiers Kandidatur geht die SPD den Weg, den die Bürger wollen. Einer Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" zufolge sprachen sich 63 Prozent der SPD-Wähler und 54 Prozent aller Deutschen für einen Kanzlerkandidaten Steinmeier dafür aus.
Die Erfolgsaussichten einer Doppelspitze aus Parteichef Beck und einem Kanzlerkandidaten Steinmeier beurteilen die Bürger - trotz der Präferenz für Steinmeier als Kanzlerkandidaten - laut Emnid skeptisch. Nur 33 Prozent sind der Auffassung, eine solches Tandem sei "eher gut für die SPD". Dagegen meinen 44 Prozent, es sei "eher schlecht". Selbst die SPD-Wähler schätzen eine mögliche Doppelspitze nicht viel positiver ein (41 Prozent "eher gut", 40 Prozent "eher schlecht").
Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sagte der "BZ am Sonntag", mit Beck als Kanzlerkandidat habe die SPD keine Chance: "Wenn die SPD nicht bei 20 Prozent bleiben will, muss sie Steinmeier als Kanzlerkandidaten benennen."

