Tornado verwüstet Siedlung in Thüringen
Ein Tornado hat in der Nacht zum Montag in Thüringen Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Der Sturm wütete in dem nahe Jena gelegenen Dorf Quirla. Der Wetterbericht hatte lediglich vor Gewittern gewarnt. Drei Einwohner wurden verletzt.
QUIRLA. "Es war ein Krach wie von einer Flugzeugturbine und ein Luftsog ohne Ende", berichtete Eberhard Schneider. Der Gastronom wohnt etwa 500 Meter entfernt von den gerade erst gebauten Häusern, die direkt von der Windhose getroffen wurden. In seiner Kneipe "Truck Stop Quirla" an der Dorfstraße nahm Schneider die meist im Schlaf überraschten Betroffenen auf. "Die Leute waren ziemlich niedergeschlagen, hatten teils noch den Schlafanzug an", sagte Schneider.
Gegen 2 Uhr nachts hatte die Windhose eine Schneise durch das Dorf und das angrenzende Waldgebiet geschlagen, wo Bäume wie Streichhölzer umknickten. In dem an der Autobahn 4 zwischen dem Hermsdorfer Kreuz und Jena gelegenen Ort zerstörten herabstürzende Äste zahlreiche Autos sowie Strom- und Telefonleitungen. Die Stromversorgung in der Region brach zeitweise völlig zusammen.
"Der Tornado selbst war nach einer Minute vorbei", berichtete eine Anwohnerin. Etwa 88 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sprach ihnen sein Mitgefühl aus. "Am Mittwoch erwarten wir den Bericht über das Ausmaß der Schäden, dann entscheiden wir über eventuell nötige staatliche Hilfen", sagte der Regierungschef.
Wirbelstürme kämen in Deutschland häufiger vor als man denkt, sagte Konrad Döpke vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. "Grob geschätzt gibt es etwa 60 bis 80 derartiger Phänomene pro Jahr." Viele dieser kurzlebigen Wirbelstürme wanderten durch Wiesen und Wälder und würden gar nicht entdeckt, weil sie keinen Schaden anrichteten. "Wir beobachten sie nur, wenn sie in Siedlungen auftreten."
Etwa 70 Feuerwehrleute und 50 Helfer vom Deutschen Roten Kreuz waren die Nacht über im Einsatz. Am Montagmorgen nach dem Tornado kamen dann Dachdecker, um die abgedeckten Häuser provisorisch mit Planen zu schützen. Bis auf drei der Häuser seien alle noch bewohnbar, zumindest in den unteren Etagen, sagte der Kreisbrandinspektor. Die drei Familien aus den am schwersten zerstörten Eigenheimen kämen bei Nachbarn unter.




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