Gesundheit: Massive Hautkrebsrisiken
Bund plant Solarienverbot für Jugendliche
Wer zu schön sein will, wird leiden: Wahnergriffen stürmen Minderjährige deutschlandweit die Sonnenstudios – trotz aller Warnungen von Hautärzten.
Berlin. Die Bundesregierung will Minderjährigen Sonnenstudios wegen massiver Hautkrebsrisiken verbieten. Das Nutzungsverbot von Solarien sei im Referentenentwurf zum Umweltgesetzbuch enthalten, der an Länder und Verbände zur Anhörung geschickt wurde, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin. Versuche zum Strahlenschutz in Sonnenstudios für Jugendliche auf freiwilliger Basis waren weitgehend gescheitert.
Bei regelmäßigem Sonnenbankbesuchen in jungen Jahren steige das Risiko, im weiteren Leben an einem gefährlichen Melanom zu erkranken, um 75 Prozent, erläuterte Hautexperte Eckhard Breitbart. "Das ist eine richtige Zeitbombe", sagte der Leiter des dermatologischen Zentrums in Buxtehude der dpa. "In Deutschland gibt es eine erkleckliche Anzahl von 13-jährigen Mädchen und 14-, 15-jährigen Jungen, die Solarien aufsuchen." Mindestens jeder zehnte Minderjährige - wahrscheinlich mehr - folge entsprechenden Schönheitsidealen.
Das Benutzungsverbot von Sonnenbänken unter 18 ist auch Teil einer im Kabinett beschlossenen ressortübergreifenden Strategie zur Förderung der Kindergesundheit. Ein bisheriges System freiwilliger Zertifikate hatte nur begrenzten Erfolg. Solarien mit Zertifikat verpflichten sich unter anderem, dass Kinder und Jugendliche keinen Zutritt haben. Derzeit verfügten rund 300 von mehreren 1000 Solarien über ein Zertifikat, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz der dpa. "Das ist sehr wenig."
Breitbart, der die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention mitleitet, warnte: "Wer sich mit 18 verbrutzelt, erhält einen Schaden, den man zunächst nicht sieht. Der Krebs kann dann zum Beispiel nach 30 Jahren kommen." Hautkrebs - am gefährlichsten ist der "Schwarze Hautkrebs" - sei die häufigste Krebserkrankung weltweit. Bereits heute gebe es in Deutschland 140 000 Neuerkrankungen bei Hautkrebs jedes Jahr - "Tendenz steigend", wie Breitbart sagte.
"Die Bevölkerung, vornehmlich Kinder und Jugendliche, sollten zum Zweck kosmetischen Wohlbefindens keine Solarien aufsuchen", forderte Breitbart. Ältere Sonnenbänke könnten drei- bis viermal so stark strahlen als die Sonne mittags bei wolkenlosem Himmel am Äquator. Breitbart: "Das ist Körperverletzung." Der Experte geht von einer Zahl von etwa 7000 Sonnenstudios in Deutschland aus. Künstliche UV- Strahlen aus dem Solarium sind ebenso gefährlich wie übermäßige Sonnenstrahlen. Entscheidend sei die UV-Lebenszeitdosis, heißt es in der Strategie zur Förderung der Kindergesundheit.




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