12.02.07

Justiz: Ex-Terrorist hofft auf Freilassung

Klar weiter in Haft

Brigitte Mohnhaupt kommt nach 24 Jahren frei. Ex-Terrorist Christian Klar muss auf seine Freilassung noch warten. Und Deutschland fordert Reue: Zu präsent sind noch die Bilder ermordeter RAF-Opfer. Wie viel Buße braucht das Land?

Foto: AP/DPA
Christian Klar 1983 in Stuttgart und rund 10 Jahre später.

Frankfurt/Main. Über Brigitte Mohnhaupts Freilassung ist schon entschieden. Doch das Votum von Bundespräsident Horst Köhler über das Gnadengesuch des RAF-Terroristen Christian Klar wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Erst am Wochenende war allerdings bekannt geworden, dass er für den Rest seiner Strafverbüßung Hafterleichterung erhält. So muss er künftig keine Fußfesseln mehr tragen, wenn er Besuch seiner Mutter bekommt. Der heute 54-Jährige galt innerhalb der "Roten-Armee-Fraktion" einst als der Aktionist.

Günter Gaus gab den Anstoß: Er brachte Christian Klar dazu, ein Gnadengesuch beim Bundespräsidenten einzureichen. Im TV-Gespräch mit dem Journalisten hatte sich der Ex-Terrorist 2001 erstmals öffentlich zu den Verbrechen der RAF geäußert. Die Fernsehzuschauer erlebten in dem dieser Tage in mehreren dritten Programmen wiederholten Interview einen in sich selbst gefangenen Mann, der sich einer Sprache bediente, die an längst vergangene Zeiten erinnerte. Auf die Frage nach Reue antwortete der wegen neunfachen Mordes Verurteilte: "In dem politischen Raum, vor dem Hintergrund von unserem Kampf, sind das keine Begriffe."

Eine Äußerung, die bis heute viele empört. Darf ein Mensch, der seine Taten offenbar nicht bereut, begnadigt werden? Klar, der frühestens 2009 regulär entlassen werden könnte, schweigt seitdem. Aber nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" schrieb er 2003 in einem Brief an den damaligen Bundespräsident Johannes Rau, den er um Gnade gebeten hatte: "Selbstverständlich muss ich eine Schuld anerkennen. Ich verstehe die Gefühle der Opfer und bedauere das Leid dieser Menschen." Ob das als Schuldeingeständnis ausreicht, muss nun Raus Nachfolger Horst Köhler entscheiden.

Christian Klar war einer der Drahtzieher der "Offensive '77" - den Anschlägen der RAF im Jahr 1977, die den deutschen Staat in eine schwere Krise stürzten. Erst im Jahr zuvor war der im Mai 1952 in Freiburg Geborene in den Untergrund abgetaucht. Klar stammt aus einem gutbürgerlichen Elternhaus - der Vater arbeitete als hochrangiger Beamter im Schulamt, die Mutter als Gymnasiallehrerin - und war selbst zeitweise Mitglied der FDP. Nach dem Abitur ging er 1972 nach Heidelberg, um dort Geschichte und Philosophie zu studieren. Wenig später zog er mit Adelheid Schulz, Günther Sonnenberg und Knut Folkerts - die ebenfalls RAF-Mitglieder werden sollten - in eine Wohngemeinschaft nach Karlsruhe. 1974 beteiligte er sich an der Besetzung des Hamburger Büros von Amnesty International, die sich gegen die Haftbedingungen der einsitzenden RAF-Terroristen richtete.

"Ich habe Illegalität als große Freiheit erlebt" Kaum im Untergrund, wurde der als "Aktionist" beschriebene Klar schnell zu einem der Führungsmitglieder der Rote-Armee-Fraktion. Er war 1977 an den Anschlägen auf Siegfried Buback und Jürgen Ponto sowie an der Entführung und Ermordung von Hanns-Martin Schleyer beteiligt, wenn bisher auch nicht geklärt werden konnte, welche Rolle er im einzelnen spielte. Laut Aussage der Exterroristin Susanne Albrecht gaben er und Brigitte Mohnhaupt die tödlichen Schüsse auf Ponto ab. Im Fall Buback saß er nach Ermittlungen der Polizei im Fluchtauto; wer auf den Generalbundesanwalt schoss, ist unklar. Am 16. November 1982 wurde Klar im Sachsenwald bei Hamburg verhaftet, wo sich ein Waffendepot der RAF befand. "Ich habe Illegalität als große Freiheit erlebt", sagte Klar in dem Interview mit Gaus. "Für uns ist die Illegalität ein Raum gewesen, aus dem man politisch handeln kann. Eine Situation, in der man für alles selber verantwortlich ist."

Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte Klar im April 1985 im selben Prozess wie Brigitte Mohnhaupt zu fünf Mal lebenslang plus 15 Jahren; daraus wurde eine Gesamtstrafe, die auf lebenslang lautet. Festgestellt wurde außerdem eine "besondere Schwere der Schuld", die eine vorzeitige Haftentlassung erschwert. 1992 wurde er nach Kronzeugenaussagen erneut zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht setzte eine Mindesthaftzeit von 26 Jahren fest - also könnte Klar frühestens Anfang 2009 auf Bewährung entlassen werden.

Peymann bot ihm Praktikumsplatz an Klar, der in der Haftanstalt Bruchsal einsitzt, stellte 2005 den Antrag auf Verlegung nach Berlin: Dort hatte ihm der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, ein Theaterpraktikum als Freigänger angeboten. Das Justizministerium in Stuttgart lehnte ab. Wie der "Spiegel" berichtete, arbeitet Klar inzwischen im Bruchsaler Gefängnis in der Wäscherei und spielt in der Basketball-Mannschaft mit. Ob er imstande sei, Pläne für die Zukunft zu machen, fragte ihn 2001 Günter Gaus. "Nicht wirklich", antwortete ein nach Worten ringender Klar. Höchstens, dass er wieder mit Leuten zusammenkomme, mit denen er jahrelang nicht habe sprechen können. Gaus ließ das Gespräch mit dem Exterroristen nicht unbeeindruckt. Er setzte sich danach vehement für Klars Freilassung ein. Noch am Tag seines Todes im Mai 2004, so berichtete seine Tochter Bettina Gaus, habe er sich nach dem Stand des Begnadigungsgesuchs erkundigt.

ap
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