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Nachrichten des Tages

Leidende Ehefrau erstickt - Bewährungsstrafe für 78-Jährigen

Mehr als vier Jahrzehnte lang habe seine Frau gelitten, sagt der Angeklagte. Mehr als vierzig Jahre lang habe sie unergründliche Schmerzen an Zähnen und Kiefer ertragen müssen.

Von Arzt zu Arzt seien sie gegangen, schildert der 78-Jährige am Mittwoch vor dem Hamburger Amtsgericht eine ebenso quälende wie erfolglose Odyssee. Dann verlor seine zwei Jahre jüngere Partnerin den Lebensmut und bat ihren Mann um Hilfe beim Sterben. An einem Abend Mitte Februar gab er ihr drei Schlaftabletten, das Versprechen, sie werde nicht mehr aufwachen, und wartete, bis sie schlief. "Dann habe ich das Kissen genommen, mich über meine Frau gekniet und sie erstickt", sagt der Angeklagte unter Tränen.

Tötung auf Verlangen wirft die Staatsanwaltschaft ihm dafür vor. "Die Tatsachen als solche sind so geschehen", räumt der gepflegt aussehende Mann ein. Und an diese Tatsachen muss sich auch die Richterin halten. Sechs Monate Bewährungsstrafe lautet das Urteil, vier Monate weniger als Anklagevertreterin und Verteidiger gefordert haben. "Es bleibt aktive Sterbehilfe, und die ist in Deutschland verboten", sagt die Richterin. "Aber es war ein Handeln aus Liebe, aus Mitleid und aus Verzweiflung."

Es war aussichtslos, meint der Hausarzt der 76-Jährigen vor Gericht: "In den letzten zwei, drei Monaten hatte ich auch keine Idee mehr, dass sich ihr Zustand bessern könnte." Immer stärkere Schmerzmittel habe er verschrieben, zuletzt Morphium. Auch das habe ihr Leiden nur kurz mindern können. "Sie hat deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht mehr leben möchte", erklärt der Mediziner. "Sie wollte nicht mehr", schildern auch die beiden Nichten den Endpunkt des Verfalls ihrer Tante vom lebensfrohen Mittelpunkt der Familie zu einer von Schmerz und Depressionen gepeinigten Frau.

Im Februar versuchte es das Ehepaar, das 52 Jahre verheiratet war, noch einmal mit einem Krankenhausaufenthalt. Doch nach drei Tagen rief die Frau ihren Mann an. "Sie hat nur noch geweint und gesagt: Hol mich hier raus", erzählt er. Einen Tag später erstickte er sie im Ehebett mit dem Kissen.

"Ich lebe", beschreibt der Mann mit brüchiger Stimme seinen Gemütszustand. Seine Familie, die Nichten und Neffen, hätten ihn aufgefangen. Am Tag nach der Tat stand er auf der Fehmarnsundbrücke und wollte sich in den Tod stürzen. Doch im letzen Moment verließ den früheren Berufsfeuerwehrmann der Mut.

Der tragische Fall sei allen im Saal sehr nahe gegangen, meint die Richterin. Es sei einer der bewegendsten Fälle ihrer Laufbahn, sagt die Staatsanwältin. Ob er noch einmal so handeln würde, fragt sie den Angeklagten. "Ja", sagt der. "Meine Frau wollte das. Ich hatte es ihr versprochen und habe mein Versprechen gehalten."

dpa

 

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