Israel beschließt Ausweitung von Bodenoffensive
Ungeachtet der Waffenstillstands-Bemühungen von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, hat das israelische Sicherheitskabinett eine massive Ausweitung der Bodenoffensive im Libanon beschlossen. Dies erklärte Kabinettsminister Eli Jischai in Jerusalem. Damit sollten der Hisbollah-Miliz vor der Verhängung einer Waffenruhe Rückschläge versetzt werden. Die Raketenangriffe der Hisbollah haben bisher 36 israelischen Zivilisten das Leben gekostet. Außerdem starben 67 israelische Soldaten.
Jerusalem. Dem Beschluss zufolge sollen israelische Truppen bis zum 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss in den Libanon vordringen. Gegenwärtig sind rund 10.000 israelische Soldaten in einem sechs Kilometer breiten Streifen jenseits der Grenze auf libanesischem Gebiet im Einsatz. Bei der Bodenoffensive, die 30 Tage andauern soll, rechnen israelische Militärexperten mit 100 bis 200 Toten in den eigenen Reihen, wie aus Kreisen der Beratungsteilnehmer zur Offensive verlautete.
Die Leitung der Militäroperation wird Generalmajor Mosche Kaplinski übernehmen. Nachdem der bisher zuständige Kommandeur Udi nach Angaben der Tagesschau in der israelischen Öffentlichkeit als "zu langsam und zu vorsichtig" kritisiert worden war, wechselte ihn Generalstabschef Dan Halutz durch seinen Stellvertreter Kaplinski aus.
Bereits vor der Entscheidung für eine Ausweitung der Offensive hat die israelische Luftwaffe in der Nacht vom 8. auf den 9. August unvermindert massive Angriffe auf Libanon geflogen und griff dabei erstmals auch ein palästinensisches Flüchtlingslager an. Als Ziel nannte die Militärführung ein von Hisbollah-Kämpfern genutztes Haus in Ein el Hilweh. Mindestens zwei Bewohner kamen ums Leben.
In der Stadt Maschghara im Bekaa-Tal wurde ein zweistöckiges Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Israelische Kampfflugzeuge bombardierten auch Straßen und Überführungen in der nordlibanesischen Provinz Akkar nahe der syrischen Grenze. Außerdem landeten israelische Soldaten mit einem Hubschrauber südöstlich von Sidon im Dorf Charajeb. Sie durchsuchten nach Angaben des Bürgermeisters drei Häuser, wobei auch Hunde eingesetzt wurden. Die Soldaten verließen den Ort, ohne jemand gefangen zu nehmen.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ließ sich bei seinem Besuch in Jerusalem die israelische Haltung zu der geplanten Resolution erläutern. Dabei sagte Perez nach Angaben von Teilnehmern, Israel werde keiner diplomatische Lösung zustimmen, "die uns nicht für viele Jahre Stabilität und Ruhe verspricht". Unterdessen gerieten die Verhandlungen über eine UN-Resolution zur Einstellung der Gewalt ins Stocken. Grund sind offenbar Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Frankreich. Dabei geht es nach Angaben von Diplomaten in New York darum, wie weit die geplante Entschließung den Forderungen arabischer Staaten nach einer völligen Einstellung der Kampfhandlungen und einem Rückzug der israelischen Truppen aus dem Libanon nachkommen soll. Frankreich hat entsprechende Änderungen des Resolutionsentwurfs vorgeschlagen, die von den USA jedoch abgelehnt werden. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton sagte der Nachrichtenagentur AP: "Wir müssen eine Übereinkunft erzielen, und dabei sind noch viele Fragen in Erwägung zu ziehen." Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne kaum gesagt werden, wann es zu einer Abstimmung im Sicherheitsrat kommen könne.

















