Familienministerin Ursula von der Leyen will gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen Kirche Kindern schon von klein auf Werte vermitteln und auch den Eltern Orientierung und Unterstützung bieten.

Berlin. Begleitet von Protesten und Ausgrenzungsvorwürfen hat die Bundesregierung am Donnerstag mit den Kirchen ein "Bündnis für Erziehung" geschlossen. Gewerkschaft, Verbände und Oppositionspolitiker warfen der CDU-Politikerin vor, sie habe ein "Signal der Ausgrenzung" gegeben.

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Bei der Vorstellung des Bündnisses gemeinsam mit der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann und dem Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky verteidigte die Ministerin ihr Vorgehen. Das Bündnis mit den Kirchen sei erst der Anfang. Andere Religionsgemeinschaften sowie Verbände und möglichst auch die Wirtschaft seien eingeladen, sich im Herbst anzuschließen. "Die Tür ist weit offen", betonte von der Leyen. Immerhin stellten die beiden großen christlichen Kirchen über 74 Prozent der Kindergartenplätze in freier Trägerschaft. Zum anderen gründe die hiesige Kultur auf christlichen Werten.

Es gelte, Kindern schon früh Regeln und Grundsätze wie Respekt, Verläßlichkeit, Vertrauen und Aufrichtigkeit nahe zu bringen. "Aber Werte wachsen nicht von selber", mahnte die Ministerin. Sie müßten auch vorgelebt werden. Die Eltern trügen die Verantwortung, seien aber selbst oft verunsichert und suchten Orientierung.

Die Kirche könne dazu Beispiele aus ihrer Praxis beitragen, erklärte Sterzinsky. Wie er wies auch Käßmann darauf hin, daß die ersten Lebensjahre eines Menschen entscheidend seien für die Formung seiner Weltsicht. Sie sei überzeugt, daß die Basis der Zehn Gebote durchaus eine gute Grundlage für Wertevermittlung sein könne, erklärte die Bischöfin.

Konkret wollen die Bündnispartner der Ministerin zufolge nun erst einmal mit Fachleuten "Bausteine" für die Praxis erarbeiten. Vier Regionalkonferenzen sind im Sommer in Düsseldorf, Hannover, Berlin und München geplant, um das Bündnis in der Fläche zu verbreiten. Im Herbst soll dann der zweite Schritt mit anderen Religionsgemeinschaften, Wohlfahrts- und Trägerverbänden sowie der Wirtschaft folgen.

"Kapitaler Fehlstart"

Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), kritisierte: "Ursula von der Leyens diplomatisches Ungeschick hat einer guten Idee einen kapitalen Fehlstart beschert." Deutschland sei kein Gottes-, sondern ein säkularer Staat, dessen Wertesysteme auf den universellen Menschenrechten aufgebaut sei. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) nannte das Bündnis einen "unausgegorenen Schnellschuss".

Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wilhelm Schmidt (SPD), meinte, bei einem Bündnis gehörten alle an einen Tisch, die kompetent zum Thema etwas beizutragen hätten. "Man muß es düpierend nennen, wenn bei einem Bündnisgipfel zum Thema Erziehung engagierte gesellschaftliche Partner, Lehrer, Familienverbände, Erzieherinnen und Pädagogen, Vertreter der Wissenschaft 'draußen vor der Tür' bleiben", meinte Schmidt.

Die familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ina Lenke, kritisierte: "Es ist intolerant und gefährlich, in einem Staat, in dem viele Andersgläubige leben, mit der Brechstange das Christentum zum Leitwert aller Eltern und an der Erziehung beteiligten zu erheben."AP