Hamburg

Mein Lebenstraum vom eigenen Bauernhof

Lena will mit vielen Tieren leben und arbeiten. Die sollen es auf ihrer Farm sehr gut haben

Hamburg.  Jeder hat doch irgendwann mal einen Wunsch gehabt, was er später werden möchte. Ich zum Beispiel wollte eine Zeit lang Pilzforscher werden. Ich weiß nicht einmal, ob es diesen Beruf wirklich gibt. Jetzt jedoch weiß ich ganz genau, was ich später machen möchte und es ist nicht nur ein Wunsch, es ist eine Gewissheit.

Ich werde später einen Ferien-Bauernhof haben, und ich lasse mich durch nichts und niemanden davon abhalten. Ich weiß nicht mehr, wer oder was mich auf diese Idee gebracht hat, aber ich weiß, warum ich einen Ferien-Bauernhof haben will. Nämlich, weil ich Tiere über alles liebe, auf gar keinen Fall im Büro arbeiten will und dann gleichzeitig etwas mit Tieren und mit Kindern machen kann. Außerdem habe ich selber immer den perfekten Ferien-Bauernhof gesucht, aber leider bis jetzt noch nicht gefunden, also mache ich ihn selber auf. Ich hab schon ganz viel geplant. Ich will Schafe, Ziegen, Kühe, Schweine, Hunde, Katzen, Nymphensittiche, Pferde, Hühner, Kaninchen, Fische und Gänse haben.

Ich werde ein Maislabyrinth, eine Bibliothek, ein Spielzimmer mit Billardtisch und Tischkicker, eine Disco mit Discokugeln und DJ-Pult und eine Chill- Lounge mit Sofas, CDs, CD-Rekorder und Fernseher für Filmabende haben. Man wird bei mir reiten und Quad fahren können. Es wird Nachtwanderungen, Lagerfeuerabende mit Stockbrot, Ausritte, Flutlichtreiten und Waterballs geben. Die Kinder werden Kühe melken, Hühnereier sammeln und beim Füttern der Tiere helfen können. Ich werde einen einmaligen Bauernhof haben, da ich nicht nur Kindern in den Ferien ein tolles Erlebnis und einen Grund zum Wiederkommen geben werde, sondern auch Bücher schreiben und verkaufen und einen YouTube-Kanal eröffnen.

Außerdem wird es leckeres Essen, eigene Eier, hausgemachten Käse und eigene Milch geben. Ich werde meine Tiere auf gar keinen Fall schlachten und in Massentierhaltung halten, sondern in großen Ställen und auf riesigen Koppeln. Die Kinder werden bei mir den richtigen Umgang mit Tieren und die artgerechte Haltung lernen. Der Bauernhof ist sowohl für Kinder, Klassen und Kindergarten-Gruppen als auch für Erwachsene, Weihnachtsfeiern oder Familienurlaube. Er soll entweder im Harz oder in Bayern stehen, weil man da eine schöne Umgebung hat und raus aus der schnellen und lauten Stadt kommt. Man kann bei mir natürlich auch seine Pferde unterstellen und Jungtiere kaufen. Ich mache jetzt schon fleißig Werbung und habe sogar schon ein paar Mitarbeiter gefunden. Meine Mutter hat Feng-Shui gelernt und wird die Inneneinrichtung übernehmen, mein Onkel Matz wird mir beibringen, wie ich besser meinen Käse, meine Milch und meine Bücher verkaufe und eine Klassenkameradin von mir wird vielleicht meine Finanzberaterin.

Was ist, wenn niemand auf meinen Hof kommt?

Aber egal wie viel ich geplant habe und wie entschlossen ich bin, diesen Plan umzusetzen, ich hab trotzdem etwas Angst. Was ist denn, wenn niemand auf meinen Hof kommt? Was ist, wenn ich das ganze Geld für den Hof und für die Tiere umsonst ausgebe und ich dann pleitegehe? Was ist, wenn ich dann, mit dem, was ich studiert habe, nichts anfangen kann? Eigentlich versuche ich immer diese Fragen aus meinem Kopf zu verbannen, aber irgendwann muss ich mich ja damit beschäftigen. Ich sage mir immer, dass alles so kommt, wie es kommen soll, aber meine allergrößte Angst ist, dass mir jemand vorwerfen könnte, dass ich meine Tiere nicht gut behandele.

Doch mit diesen Fragen will ich mich nicht jetzt beschäftigen. Jetzt ist die Zeit des Planens und des Startkapitalsammelns. Ich habe einen kleinen Job, bei dem ich einen Hausflur sauge, aber wenn ich nicht so viel für die Schule machen müsste und ich keine Hobbys hätte, würde ich noch kleine Klavierkonzerte geben oder Zeitungen austragen. Zum Glück gibt es noch andere Sachen, die man tun kann, wofür man keine Zeit braucht. Zum Beispiel sammele ich mein Geburtstagsgeld auf meinem Konto und hebe kein Geld vom Konto ab. Ich kaufe mir keine unnötigen Sachen und gehe nicht allzu oft shoppen. Ich weiß nicht, was das Schicksal mit mir vorhat, aber ich hoffe, dass es das Gleiche ist, was auch ich will. Ich werde es früh und auch ihr werdet es erfahren, denn wenn ich einen Bauernhof bekommen sollte, wird er berühmt.

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