Museen

Sie lockt Blogger ins Museum

infach sei es nicht, die Leute zum "Sprung über die Elbe" zu bewegen, sagt Katrin Schröder. Unermüdlich arbeitet die 37-jährige diplomierte Kulturwirtin daran, für das Archäologische Museum Hamburg neue Besucher zu gewinnen, und zwar nicht auf herkömmlichen Wegen, sondern über die vielen neuen Möglichkeiten, die die sozialen Medien und Netzwerke eröffnen.

Ende 2015 hat Museumsdirektor Rainer-Maria Weiss sie engagiert, weil ihr Bereich immer mehr Zeiteinsatz verlangte, den das feste Team nicht mehr leisten konnte. Katrin Schröder, verheiratet und Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes, ist nun voller Elan bei der Sache, und sie kann auf ihrem Feld schon auf einiges Praxiswissen zurückgreifen.

Nach dem Abschluss ihres Studiums und Auslandsaufenthalten in Italien und den USA arbeitete sie an einem Bremer Privattheater und am Stadttheater Heilbronn. Zehn Jahre lang sammelte sie in der Abteilung Marketing intensive Erfahrungen mit YouTube, Twitter, Facebook und Instagram: "Ich habe damals viele Kontakte und Netzwerke aufgebaut und gestaunt, wie stark das alles wahrgenommen wird. Daraufhin habe ich das Angebot stärker ausgebaut. Bei den Nutzern bin ich auf eine erstaunliche Leidenschaft gestoßen." Zu einer Opernprobe hatte sie damals den ersten Kultur Tweetup an einem städtischen Theater veranstaltet, und 50 Opernfans waren gekommen, im Alter von 20 bis 75.

Nun, am Archäologischen Museum, versucht sie wieder, "das interessante Thema ,hinter den Kulissen' zu finden". Ihre positiven Erfahrungen hat sie bereits einmal in Harburg umgesetzt: "Im Februar haben wir einen Community-Abend veranstaltet und Twitterer, Blogger und Instagrammer ins Museum eingeladen. Wir hatten uns schon vorher ausgetauscht, verlinkt und unsere Beiträge untereinander kommentiert", sagt Katrin Schröder. Es kamen 60 Leute, viele von ihnen waren noch nie zuvor im Archäologischen Museum gewesen. Generell geht es ihr darum, Wissen attraktiver aufzubereiten und so neue Besucher ins Museum zu locken: "Twitter und Instagram sind kürzer und schneller, gleichzeitig gibt es einen Blog, und der gibt dann ausführliche Hintergrundinformationen."

Eine weitere Idee hat Katrin Schröder umgesetzt, indem sie einer Archäologie-Studentin die Möglichkeit gab, ihre Praktikumszeit am Museum in einem Blog zu beschreiben. "EiszeitenHH" ist nachzulesen im Internet: www.blog.amh.de, die Beiträge sind ein guter Einstieg für Leute, die wenig Bezug zur Archäologie haben. Als Nächstes wird sie die Kooperation mit dem Google Art Project ausbauen und die Website überarbeiten. Es ist viel zu tun.

Katja Engler

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