15.09.12

Kommentar

Japans Kehrtwende

Abkehr von der Atomenergie gilt hier als Herausforderung

Die deutsche Energiewende ist - trotz aller Schwierigkeiten - ein leuchtendes Beispiel für das stromhungrige Japan. Dass die Atomkraftwerke sukzessive abgeschaltet, die erneuerbaren Quellen stärker als bislang ausgebaut werden können, ohne dass die Industrie zusammenbricht, hat offensichtlich die Japaner überzeugt. Auch sie nehmen ihre Meiler vom Netz, wenn auch mit einer längeren Karenzzeit.

Mögen viele Japaner die Auswirkungen der Tsunami- und unbeherrschbaren Atomkatastrophe von Fukushima tapfer ertragen haben, so hat sich die anhaltende Rezession noch schärfer ausgewirkt. Auch die politische Krise ist wegen der Nibelungentreue von Regierung, Atombetreibern und Industrie-Giganten unübersehbar. Da kommt die Kehrtwende in der Energiepolitik gerade recht. Noch war die Anti-Atom-Bewegung nicht von der großen Mehrheit der Japaner getragen. Doch in Krisenzeiten wächst der allgemeine Unmut.

Die temporeichen Kabinettswechsel der vergangenen Jahre sowie die tröpfchenweise enthüllten Skandale im Fukushima-Nachklapp taten ihr Übriges. Auch in Fernost scheint sich der Gedanke Bahn zu brechen, dass Umwelttechnik die zeitgemäße Form der Hightech-Industrie ist. Damit lässt sich Geld verdienen.

Nippons Autobauer haben es vorgemacht. Sie bastelten bereits an Hybridantrieben, da wollten europäische Autobauer noch lieber ein bisschen mehr Biosprit in die Tanks. Dennoch werden nun konventionelle (Kohle-)Kraftwerke zur Stromerzeugung herhalten müssen. Doch auch hier sind Technologie und Effizienzgrade auf einem Niveau, dass man nicht automatisch von "Dreckschleudern" sprechen kann.

Japan geht selbstredend ein Risiko ein. Es muss den Zufluss von Gas, Öl und weiteren Energiequellen auf mehrere Zulieferer verteilen, um nicht einseitig abhängig zu werden. Gleichzeitig müssen Quantensprünge in der Effizienz der Erneuerbaren her. Das ist eine gigantische Herausforderung für das Land voller Ideen, aber ohne Rohstoffe. Die Japaner haben aber bewiesen, dass sich der Mangel an Bodenschätzen durch Forschung und Bildung kompensieren lässt.

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