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Rettet den Freihandel!

Europa muss Trumps Vorstoß entgegentreten – in aller Gelassenheit

Für die deutsche Wirtschaft ist es die Hamlet-Frage: Vom freien Handel hängen Sein oder Nichtsein, Wohl und Wehe der Unternehmen ab. Exportfirmen stellen Millionen Arbeitsplätze. 2016 sorgten sie für einen gigantischen Leistungsbilanzüberschuss von 266 Milliarden Euro – um diesen Betrag haben deutsche Betriebe mehr Waren und Dienstleistungen aus- als eingeführt. Kein Wunder, dass dieses riesige Plus immer wieder die Kritiker auf den Plan ruft. Die Bundesregierung müsse mehr für den Binnenkonsum tun und sich für höhere Löhne starkmachen, hatte die frühere französische Finanzministerin Christine Lagarde gefordert, bevor sie 2011 zum Internationalen Währungsfonds wechselte. Als ob der Staat verordnen könnte, dass die Verbraucher japanische, britische oder deutsche Produkte kaufen.

Wohlgemerkt: Bei transatlantischen Handelsfragen wurde schon immer mit harten Bandagen gekämpft. Der Streit zwischen dem US-Luftfahrtriesen Boeing und seinem europäischen Wettbewerber Airbus beschäftigte über viele Jahre die Gerichte. Doch nun fährt der amerikanische Präsident Donald Trump schwere Geschütze auf: Der Handelsbilanzüberschuss von rund 50 Milliarden Euro, den deutsche Unternehmen zuletzt gegenüber der US-Konkurrenz erzielten, sei ein "ernsthaftes Problem", wettern seine Berater. Der Chef des Weißen Hauses schwingt ungeniert die Protektionismus-Keule. Importzölle von bis zu 35 Prozent sollen die heimische Industrie schützen. Zusätzliches Doping: Bei Exporten können amerikanische Firmen mit Steuerleichterungen rechnen. Für deutsche Betriebe wäre dies hart. Die USA sind schließlich ihr größter Exportmarkt.

Man kann es sich einfach machen und der amerikanischen Regierung Blauäugigkeit in Sachen Ökonomie ankreiden. Unternehmen sind in einer global vernetzten Wirtschaft auf Zulieferungen aus vielen Ländern angewiesen. Wer Zölle erhebt, schneidet sich am Ende ins eigene Fleisch, klagen die Experten. Der Frust von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist jedenfalls verständlich. Jahrzehntelang hätten die Amerikaner der Welt den Freihandel gepredigt – und nun kassieren sie ihr eigenes Dogma, sinnierte er. Es ist schwer nachvollziehbar, dass einem international tätigen Geschäftsmann wie Trump diese Zusammenhänge schleierhaft sein sollen.

Der US-Präsident wird offenbar Gefangener seiner eigenen Wahltaktik. Er hat das Duell gegen die Demokratin Hillary Clinton auch deshalb gewonnen, weil er in Bundesstaaten wie Ohio oder Pennsylvania – dem sogenannten "Rostgürtel" – versprochen hatte, die weggefallenen Jobs in der Stahl- und Kohleindustrie zurückzubringen. Besonders dort wurde der Schlachtruf "America first" zur Echokammer. Je mehr die Umfragewerte für Trump bröckeln, desto stärker fühlt er sich seiner Basis verpflichtet.

Trotzdem wäre es falsch, die Protektionismus-Drohungen des US-Präsidenten mit gleicher Münze heimzuzahlen. Das Prinzip der Vergeltung führt zu einer Eskalation. Ohne Freihandel verlieren alle. Deshalb bleibt den Europäern nichts anderes übrig, als Trump die Vorteile einer offenen Weltwirtschaft immer wieder zu ver­klickern. Mehr als 3700 deutsche Betriebe schaffen in Amerika knapp eine Million Stellen. Sie bieten eine weltweit gerühmte Berufsausbildung. Wenn alle Vorteile summiert werden, müsste Trump diese Logik des "Deals" eigentlich verstehen.

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