Briefe an die Redaktion: 4. August 2012
Pakt schließen
3. August: Leitartikel, "Euro am Wendepunkt. Deutschland wird in der Schuldenkrise von der harten Linie abrücken müssen"
Es steht ja leider zu befürchten, dass die Bundesregierung trotz des heroischen und sachkundigen Widerstands von Frau Merkel der "Süd-Schiene" letztlich doch nachgeben wird. Denn immer nur Nein zu sagen ist auf die Dauer schwer durchzuhalten. Deshalb erscheint mir eine offensive deutsche Interessenvertretung ratsamer. Sie liegt in dem Konzept des "Europa der zwei Geschwindigkeiten", das in den 80er-Jahren entwickelt wurde. Daraus würde folgen, dass Deutschland mit zunächst einigen anderen gleich gesinnten EU-Ländern wie Niederlande, Finnland und Österreich einen besonderen politischen und wirtschaftlichen Pakt schließt, der aber offen wäre für weitere Mitglieder, wenn diese denn reif dafür sind. Arbeitstitel dafür könnte sein: "Stabilitätsunion".
Gert Blankenburg
Illusion Schuldenbremse
Gewiss hat Deutschland viel in die Euro-Zonen-Länder exportiert, aber profitiert haben davon bisher nur die Exportfirmen. Schuldenbremse? Eine in der Verfassung verankerte Illusion! Das ist leider nur ein kleiner Teil der großen Misere, in die uns die Gemeinschaftswährung für Staaten unterschiedlicher Wirtschaftskräfte, begleitet von Vertragsbrüchen sowie erheblichen Versäumnissen und Fehlern der Politik, geführt hat. Man ist auf dem besten Weg, die einst kranke Kuh, die jetzt immer mehr Milch geben soll, zu schlachten.
Johann Bures
Euro im Wachkoma
Es wird immer wieder betont, dass Ökonomen auf die großen Vorteile hinweisen, die der Euro der deutschen Wirtschaft gebracht hat. Die Bevölkerung, ohnehin nicht gefragt, ob sie den Euro überhaupt haben wollte, sieht das eben etwas anders. Außer lästigen Devisenwechsel an einigen Grenzen enthoben zu sein, ist die Begeisterung für den Euro nie groß gewesen, Im Gegenteil: D-Mark-Preise gefühlt gleich wie Euro-Preise, dreiste Forderungen von Südländern nach Solidarität, weil es den Deutschen ja so prächtig ginge. Der Euro liegt doch schon im Wachkoma. Fragt sich eben nur, wie lange kann die große "Krankenkasse" in Berlin noch zahlen, bevor sie auch in die Pleite geht?
Hans-Emil Schuster
Substanz erforderlich
Es geht doch nicht darum, dass die Schuldenkrise (nur) noch rechtzeitig abflaut. Sie muss überwunden werden. Das können die Verantwortlichen in Frankfurt und Berlin nicht mal eben leisten. Selbst als stärkster Staat der Währungsunion kann Deutschland nicht die Wettbewerbsfähigkeit von Griechenland und Spanien wiederherstellen. Da gehen Zeiträume von zehn Jahren schnell ins Land. Und es geht überhaupt nicht darum, "Investoren zu beruhigen". Mit viel Geld aus Deutschland als "zusätzliches Opfer" ist es nicht getan. Substanz muss her.
Dieter Brandes
Typisch Politiker!
3. August: "SPD-Politiker befürchtet Raserei auf dem Wasser"
Führerscheinfreie Nutzung von Motor- und Segelbooten bis 15 PS - dieser Vorschlag kann nur von einem Politiker stammen, der sich nicht mit den Verhältnissen auf dem Wasser auskennt. Ich bin seit mehr als 30 Jahren auf dem Wasser und habe schon so manche Situation erlebt, die ich als kritisch einstufen würde. Und das bei der heute geltenden Führerscheinpflicht. Wenn ich mir vorstelle, dass über die bisher geltende Fünf-PS-Führerscheinpflicht Fahrzeugführer mit Booten bis 15 PS Motorleistung keine Kenntnisse über Vorfahrtsregeln, Umweltschutz, Schiffssicherheit, Fahrzeugführung und Motorkunde mehr vorweisen müssen, wäre das ein zusätzliches Risikopotenzial auf dem Wasser. Die heutigen Seeunfälle im Sportbootbereich sprechen für sich. Warum dann nicht auch freie Fahrt für Mofafahrer? Wasser hat keine Balken, und jede zusätzliche Kenntnis über Sicherheit auf See dient der eigenen Überlebenschance.
Thomas Fetzberger
Müllberg voller Probleme
3. August: "Ein Hügel, der aus Müll erstand. Der Energie-Berg in Georgswerder wandelte sich von der Deponie zur grünen Idylle"
Der Senat sorgt für Sanierung? Das stimmt. Aber wenn die Bevölkerung von Wilhelmsburg in den 80er-Jahren nicht auf die Barrikaden gegangen wäre, wäre der Giftmüll und Dreck heute immer noch nicht eingekapselt. Aber trotz der großen Anstrengungen steckt der Müllberg immer noch voller Probleme, die unter den Tisch gekehrt werden.
Johann Groß
Umsteigen
3. August: Kommentar, "Hamburg leidet an Verstopfung. Eine neue Verkehrsstruktur muss zuerst in die Köpfe"
Kaum gibt es Baustellen wie in der Sierichstraße, wird die "altbekannte Sau" durchs Dorf getrieben. Soll der Bürger doch selbst entscheiden, bei Baustellen umzusteigen auf Rad und Bahn oder im Stau zu stehen. Steigende Fahrgastzahlen beim HVV beweisen doch den mündigen Bürger. Nicht zu vergessen: Deutschland ist eine Autofahrernation. Fußgängerzonen in der Innenstadt haben sich bewährt, weil es genügend Parkhäuser und -plätze gibt.
Dietmar Johnen-Kluge
Gegensteuern!
30. Juli: "Wolken geben Wissenschaft Rätsel auf. 500 Forscher aus 37 Ländern tauschen in Leipzig ihre neuesten Erkenntnisse über die Vorgänge in der Atmosphäre aus"
Hat die Wissenschaft auch einmal daran gedacht, dass die vielen heutigen Funkwellen den Himmel belasten und ihn durcheinanderbringen könnten? Klimaextreme wie zum Beispiel heftige Unwetter, Blitzeinschläge, Windhosen, entwurzelte Bäume und Starkregen in meistens kleineren Regionen werden zunehmen, was wir früher nicht kannten! Übermäßiger CO2-Ausstoß und Klimaerwärmung zählen sicherlich auch dazu: das heißt: Gegensteuern - weniger Funkwellen, mehr Festnetznutzung, weniger CO2-Ausstoß - wäre angesagt. Bei einer Dürre besteht eine Gefahr für die Ernährungssituation.
Rolf Roggenbuck
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