Briefe an die Redaktion: 31. Juli 2012
Hoher Rang
30. Juli: "Hamburger KRITiken: Die schönste Stadt der Welt?"
Lange habe ich fern von Hamburg gelebt. Und wenn ich erklärte: "Hamburg ist die schönste Stadt der Welt", erntete ich oft Widerspruch: "Nein, aber ..." Und dann kamen Namen aus der ganzen Welt bis hin zu Posemuckel. Also habe ich umdisponiert: "Hamburg ist die zweitschönste Stadt der Welt!" Auf die übliche Nachfrage: "Und welche Stadt ist dann die schönste?", konnte ich antworten und anbieten: "Kannst du selbst bestimmen." Die Gesprächspartner waren's zufrieden. Und ich war immer noch gut dran. Denn mit einem so hohen Rang kann unsere Stadt sehr glücklich sein.
Albert Schäfer
Nur scheibchenweise
30. Juli: "Doch Mord? Neue Spur im Fall Barschel"
Die Ursachen für die Demontage Uwe Barschels und die Umstände seines Todes sind bis heute verschleiert worden. Nur scheibchenweise kamen die durchtriebenen Machenschaften des Reiner Pfeiffer heraus, der für seine Dienste zum Wohle der SPD in Schleswig-Holstein vom damaligen SPD-Landesvorsitzenden und Sozialminister Günther Jansen fürstlich "entlohnt" worden war. Die jetzt nach fast 25 Jahren gefundene fremde DNA könnte dazu beitragen, Uwe Barschel nachträglich zu rehabilitieren. Dabei wäre die Klärung der Frage "Wem nützte sein Tod?" sicher hilfreich.
Margrit Ruppenstein
Mehr Gelassenheit
28./29. Juli: "VW fordert Rücktritt von Fiat-Chef Marchionne"
Es ist erschreckend, in welcher Gutsherrenart große Teile von Politik, Wirtschaft und Medien in Deutschland über die südeuropäischen EU-Länder reden. Sicherlich ist es auch nicht angemessen, im Zusammenhang mit der Preispolitik eines Konkurrenten von einem Blutbad zu sprechen. Aber in der augenblicklich prekären Lage wird man vor allem von Deutschland mit seiner relativ stabilen Lage erwarten und verlangen dürfen, mehr Gelassenheit in den öffentlichen Dialog zu bringen - im eigenen Interesse. Denn selbst wenn der deutsche Vorschlag zur Bewältigung der Euro-Krise der bessere sein sollte, würde er nicht weiterhelfen, wenn wir die anderen nicht davon überzeugen können. Das ist auch eine Frage des Stils.
Christian Lorentz
Schärfere Kontrollen
28./29. Juli: "Warum Taxis in der City knapp sind"
Als Taxivielfahrer möchte ich darauf hinweisen, dass gerade die freien Taxis oft lange an Taxiständen stehen und in der Zeit keinen Cent verdienen. Dass kurze Touren dann abgelehnt werden, Umwege gefahren werden und die Autos und Fahrer schlechte Qualität aufweisen, ist da nur logisch. Die Karenzminute ist an dieser Situation aber sicherlich nicht schuld. Wenn die Karenzminute entfällt, wird es sicherlich weitere Qualitätseinbußen geben. Ich würde daher eine Lösung durch die Stadt begrüßen: Schärfere Kontrollen der Taxis, insbesondere auch der wirtschaftlichen Rentabilität der freien Taxis und ihrer langen Standzeiten, mit der Konsequenz des Entzuges von Lizenzen, aber auch eine Bezuschussung der Taxifahrten auf Basis der stadtverschuldeten Verkehrssituation würden sicherlich viel bringen. Die Karenzminute sollte aber in jedem Fall beibehalten werden. Den Kunden zuliebe.
Victor-Philipp Busch
Entwicklung aufgreifen
28./29. Juli: "Glasverbot an Rhein und Bodensee gescheitert"
Der Bericht zu dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim macht mich nachdenklich. Die Stadt Konstanz hatte für das öffentlich zugängliche Seeufer zum Schutze der Nutzer vor Verletzungen ein Glasverbot ausgesprochen. Der klagende Student wollte weiterhin mit kühlem Bier in der Flasche abends auf den See schauen und bekam nun vom Verwaltungsgericht recht. Auf dem Fünf-Mark-Stück stand auf dem Rand "Gemeinnutz vor Eigennutz". Mit der Einführung des Euro ist dieser Grundsatz einer Demokratie von der Rechtsprechung immer häufiger nicht gewertet worden. Aber wir leben immer noch in einer Demokratie und nicht in einer Monokratie. Die "öffentliche Meinung" sollte diese Entwicklung aufgreifen.
Uwe Holler
Verrannt
27. Juli: "Wahlrecht: Union will bereits im August verhandeln"
Das Bundesverfassungsgericht hat sich in etwas verrannt, indem es den Parteienproporz zum obersten Grundsatz für ein Wahlgesetz erhebt. Laut Grundgesetz wirken die Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes nur mit. Wir sind aber keine Parteien-, sondern eine Bürger-Demokratie. Deshalb erscheint es mir wichtig, dass in erster Linie die in den Wahlkreisen gewählten Bürger den Ausschlag geben, dazu können die Parteien entsprechend ihrer Landeslisten im Verhältnis Abgeordnete beisteuern. Ein mathematisch fein ausgeklügeltes System, um den Parteien-Proporz herzustellen, führt dazu, dass die Parteien die politische Willensbildung beherrschen.
Bruno Lorenzen
Volle Tonne
25. Juli: "Ein Briefträger klagt an"
In dem Haus, in dem ich wohne, sind 15 Briefkästen vorhanden. Direkt daneben steht eine Tonne. Alle zwei bis drei Tage ist die Tonne mit Werbeprospekten gefüllt, die niemand gelesen, sondern nur direkt aus dem Briefkasten in die Tonne entsorgt hat. Und alles landet wiederum in einem Papiercontainer. Die Briefträgerin unseres Bezirks trägt täglich Hunderte Werbesendungen aus und muss auch die normale Post rechtzeitig zu den Briefkästen bringen. Für jeden Briefkasten, der nicht mit einem kleinen Schild "Bitte keine Werbung" versehen ist, muss sie eine Werbesendung mit auf den Weg nehmen. Sofern dieses kleine Schild vorhanden ist, muss sie für diesen Kunden keine Werbesendung mitnehmen. Wir haben dieses Schild angebracht und einige Nachbarn ebenfalls. Der Vorteil: Die Briefträgerin hat einige Kilo weniger zu transportieren und der Briefkasten läuft nicht über, auch wenn er einige Tage mal nicht geleert wird.
Bodo Kunze
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