Briefe an die Redaktion: 12. Juni 2012
Zu uncool?
11. Juni: "Betreuungsgeld bremst Integration. Wirtschaft lehnt Betreuungsgeld ab"
Wenn der Wirtschaft so sehr die Frauen fehlen, dann wundere ich mich doch sehr, dass der Staat und damit wir Steuerzahler für den Ausbau der Kitaplätze zuständig sein sollen. Von der Wirtschaft hört man zu diesem Thema nur Gejammer und Negativaussagen. Wo bleibt die Werbung um die Frauen oder, besser, um die Eltern? Wo hört man von wahrhaft verlockenden Angeboten der Wirtschaft an Väter und Mütter - insbesondere elternfreundliche Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuung am Arbeitsplatz und vieles mehr? Die Wirtschaft arbeitet doch so gern mit Werbern zusammen, vielleicht mal eine neue Herausforderung für diese kreativen Köpfe. Oder ist das Thema Eltern und Kinder zu uncool?
Dörte Lauerbach
Windelweiche Erklärung
11. Juni: "Staatsanwaltschaft prüft Dirk Niebels Teppich-Affäre"
Jeder Pauschaltourist weiß, dass er dran ist, wenn bei der Kofferkontrolle etwas entdeckt wird, was er zu deklarieren vergaß, oder wenn er von der Pflicht dazu schlicht nichts wusste. Zoll und Strafe werden auch ohne Schmuggelabsicht unabwendbar fällig. Wenn jetzt aber sogar das zuständige Hauptzollamt die nachträgliche windelweiche Erklärung des Denunzierten als strafbefreiende Selbstanzeige werten will, wird deutlich, welche Anweisung es von ganz oben hat: "Unbedingt unter den Teppich kehren."
Wolfgang Ahrens
Daumen drücken
8. Juni: "Im Namen des Volkes, auf Kosten des Kindes. Justizdrama um Pflegekind Dennis"
Zum Wohle des Kindes. In dem Fall Dennis kann davon nicht die Rede sein. Ein verstoßenes Kind, das die Chance bekommt, behütet aufzuwachsen, und dessen Seele nun so geschädigt ist, dass es sich wohl nie wieder erholen wird. Ich wünsche den Pflegeeltern, dass sie dieses Kind zurückbekommen und die Kraft aufbringen, Dennis weiterhin zu begleiten. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass sich Justizminister Bernd Busemann richtig entscheidet und die Pflegeeltern hoffentlich wieder in eine vernünftige finanzielle Lage bringt. Nach diesem Fall werden sich noch weniger Menschen entscheiden, ein Kind in Pflege zu nehmen.
Heidi Quast
Hinter Paragrafen versteckt
Ich bin entsetzt über die richterliche Behandlung des Falles Dennis. Es ist unglaublich, wie sich ein Richter hier hinter den Paragrafen versteckt und die menschliche Seite völlig ausblendet. Ich erwarte, dass dieser Richter von seinem Amt suspendiert wird. Ich hoffe, dass die Vielzahl von Einsendungen bewirkt, dass das Kind wieder seinem vertrauten Umfeld bei seinen Pflegeeltern zugeführt wird.
Karin und Klaus Lühmann
Liebe und Geborgenheit
Zum Wohle des Kindes! Eine Floskel? Ist denjenigen, die über das Schicksal des kleinen Jungen entscheiden, überhaupt bekannt, dass Liebe, Schutz und Geborgenheit für eine gesunde Entwicklung ausschlaggebend sind? Das Kind wird von Amts wegen misshandelt! Ich bin entsetzt und traurig.
Ursula Wöhning
Kämpfen lohnt sich
Auch uns hat man vom Jugendamt ein Kind, das uns zugesprochen war, nach zwei Jahren wieder abgenommen und es der leiblichen Mutter gegeben. Aber mithilfe von Freunden und eigenen Nachforschungen ist es uns gelungen, Nachweis darüber zu erbringen, dass der Aufenthalt bei der Mutter unmöglich war. Nach über einem Jahr Kampf haben wir diesen gewonnen und konnten unsere Tochter adoptieren. Aber auch wir waren mit den Nerven am Ende, deshalb habt die Kraft, nicht aufzugeben. Es lohnt sich, um ein Kind zu kämpfen.
Jürgen Jäger
Zu viel Bürokratie
Es passt nichts zusammen. Auf der einen Seite werden händeringend Pflegeeltern gesucht - und dann so ein Fall! Wir standen selbst einmal vor der Überlegung, ein Pflegekind aufzunehmen. Aber genau die Angst, ein angenommenes Kind wieder zu verlieren, der schwierigen Situation mit den Angehörigen des Kindes nicht gewachsen zu sein, hat uns nachdenklich gemacht, ob das der richtige Weg für uns wäre. Der Fall Dennis zeigt leider, dass Pflegeeltern darüber hinaus auch noch mit den Behörden zu tun bekommen, die ihnen das Kind eigentlich anvertraut haben. Bürokratie geht immer häufiger vor Menschlichkeit. Wir sind so stolz auf unser Grundgesetz. Aber wo bleiben die Grundrechte dieses Kindes, wo die der Menschen, die es aukfgefangen haben beim Sturz durch unser soziales Netz? Wir hoffen, dass die Behörden wachgerüttelt werden und dass richterliche Entscheidungen endlich nicht mehr Maß aller Dinge bleiben, sondern auch zurückgenommen werden können.
Familie Reinecke
Hochachtung für Pflegeeltern
Ich habe mit großer Betroffenheit den Artikel über den kleinen Dennis und die Unfähigkeit und das mangelnde Verantwortungsbewusstsein in den deutschen Amtsstuben gelesen. Als Vater von Drillingen kann und will ich die Menschen nicht verstehen, denen es angeblich - als Eltern, Großeltern, Jugendamt oder Gerichte - nur um das Wohlergehen des kleinen Erdenbürgers geht. Keiner von ihnen hat diesen kleinen Jungen beschützt oder getröstet. Nein, sie alle machen nur ihren "Job" oder verfolgen eigene Interessen. Als betroffener Vater würde ich eher auf mein Recht verzichten, bevor mein Kind unter diesen Umständen leidet.
Horst Jönsson
Emotionale Last
Der Artikel beschäftigt mich sehr. Welche emotionale Last muss diesen und anderen Pflegeltern auf den Schultern liegen. Und dazu noch diese Behördenwillkür. Wo bleibt das Interesse des Kindes? Was kann die Allgemeinheit tun, um solche Situationen im Interesse des Kindes zu lösen? Ich hoffe, dass es sich bei dem geschilderten Fall um einen einzelnen handelt.
Markus Körner
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