Reiterstandbild
Warum der Kaiser wieder vors Rathaus soll
Zu erwarten war die rege Kritik an jenem sinnbefreiten Vorschlag, den Kaiser auf unseren Rathausmarkt zurück zu holen. Trotz allem sollte die Kritik weiter gehen, seit wann hat Hamburg es nötig sich Vorbilder wir den Markusplatz oder die Plaza Major zu suchen? Wohl kaum schaute Madrid bei der Aufstellung Phillips III nach Paris, Venedig oder Rom. Besonders der Markusplatz kann wohl kaum als Vorbild dienen. Die Hauptattribute die ihn auszeichnen sind halsabschneiderische Kaffepreise, fotografierende Touristen und Taubedreck. Kein Einheimischer wagt sich freiwillig auf diesen Platz. Will Hamburg sich wirklich ein solches Ideal suchen, wo erfolgreich ein Platz aus dem Leben der Stadt ausgeschlossen wurden, und somit das Gegenteil einer "urbanen Mitte" geschaffen hat? Sicherlich, schöner könnte er sein, unser Rauthausmarkt, aber annerkennend sollte gesagt werden, hässlich ist er nicht. Besonders in unserer schönen Hansestadt sollten wir uns Gedanken machen, wie wir den Platz für die Bürger zu einem Treffpunkt machen können, wie wir ihn mit Leben füllen, anstatt ihn mit einem toten Kaiser zu verschandeln. Wie wir auf diesem Platz der demokratischen und hanseatischen Tradition der Stadt ein Denkmal setzen können, anstatt dem Kaiser, reitet er nun auch zum Rathaus hin, Tribut zu zollen. Hamburg braucht diesen Kaiser nicht, Hamurg will diesen Kaiser nicht!
Björge Köhler
Gut möglich, daß die Mehrheit der Republik (nämlich die, die von der tausendjährigen deutschen Geschichte nur das eine Prozent des Dritten Reichs gelten lassen wollen) über die Wiederaufstellung des Kaiserdenkmals lachen würde. Das ändert aber nichts daran, daß Wilhelm I. dem Deutschen Reich höchstes Ansehen in der Welt verschafft hat. Ihm verdanken wir Errungenschaften wie die Sozialversicherung, von denen wir, auch wenn sie schleichend abgebaut werden, heute noch zehren. Von den Trauerfeierlichkeiten nach seinem Tod im März 1888 schreibt der damals zwanzigjährige Rudolf G. Binding als Augenzeuge: „Es sprach sich herum, daß Arbeiter aus dem Reich das Spalier vom Schloß bis zum Mausoleum in Charlottenburg bilden würden, die der Unfall- und Kranken-versicherung teilhaftig geworden waren und der Initiative Wilhelms des Ersten diese Fürsorge verdankten. Es waren hundertundachtzigtausend Mann.“ Gerade weil Hamburg auf allen Gebieten versucht, mit Berlin mitzuhalten, sollte es seinen zentralen Platz mit einem solch repräsentativen Denkmal aufwerten.
Hans-Otto Schulze
Wohlgemerkt, auch ich bin gegen die Rückverlegung des Reiterstandbilds vor das Rathaus! Zu den eigegangenen Leserbriefen muss aber gesagt werden, das eine Zeitung solche Ideen auch publizieren können muß. Zu den Geschichtsklitterungen: Wilhelm den Namen Kartätschenprinz bekommen, weil er auf Demokraten mit diesen Granaten schießen w o l l t e, er durfte es nicht und hat es auch nicht gemacht. Von den 3 "Einigungskriegen" hat er den mit Dänemark nicht angefangen. Das haben die Dänen mit der Annexion Schleswigs selbst erledigt, darum hatten sie dann auch keine Verbündeten. Den Deutsch-Französischen Krieg hat die Dummheit Napoleon III den Preussen ermöglicht. Diesen Kriegsausbruch kann man Wilhelm I so auch nicht ans Zeug flicken. Statt die z.Zt. modischen Geschichtsmärchen zu wiederholen, sollte man sich erst einmal in Öffentliche Bibliotheken begeben, da kann man alles prima nachlesen!
Carl-Georg Otto
Wenn auch nicht Wilhelm 1, sondern der Preussenkaiser Wilhelm 2 uns die unrühmliche Afrika-Geschichte mit dem Stamm der Hereros und ein gutes Jahrzehnt später den 1.Weltkrieg bescherte, sollten wir auf eine Zurschaustellung der "Preussen-Sippe" verzichten, auch wennn man in anderen Regionen Deutschlands anderer Ansicht ist. Irgendwo gut versteckt ist die Statue gut aufgehoben.
Hermann Kapczynski
Unverständlich. Die Bronzestatue sollte unverzüglich eingeschmolzen werden, um mit dem Erlös Hamburgs Schulden zu vermindern. Wer war denn dieser Wilhelm? Die Geschichtbücher apostrophieren ihn als "Kartätschenprinz", weil er 1848, im Jahr der Paulskirche, einen Aufstand in Berlin mit Gewalt niederschlagen lassen wollte. Er war es auch, der die Niederschlagung der demokratischen Entwicklung im deutschen Südwesten mit dem preußischen Militär gewaltsam unterdrückte. Ghaddafi läßt grüßen. Auch sonst hielt er als Monarch von den Rechten des Volkes nicht eben viel, die Signale der französischen Revolution und der Freiheitskriege gegen Napoleon waren ihm völlig verborgen geblieben. Und sein Ministerpräsident Bismarck, von dem das Wort von "Blut und Eisen" anstelle von Majoritätsbeschlüssen stammt, ist als Vorbild für die Entwicklung in Europa wohl auch eine Fehlbesetzung. Seine Mittel haben andere versucht, der eine liegt in einem Porphyrsarg in Paris, der andere ließ sich verbrennen. Unnötig zu sagen, daß beiden kein Erfolg beschieden war - allerdings im Gegensatz zu Bismarck, dessen preußische Armee Österreich und Hannover nachhaltig überlegen war. Wenn es auf dem Rathausmarkt ein Denkmal geben nuß, dann von Vätern der Demokratie in Deutschland - vielleicht Repräsentanten der Paulskirche, zu den bekannten zählen Jacob Grimm oder Ernst Moritz Arndt, oder der späteren Weimarer Republik, Friedrich Ebert, Walther Rathenau oder Gustav Stresemann. Aber bitte nie wieder einen Kaiser. Bitte leiten Sie diese Mitteilung gern an Professor Kleinsteuber weiter. Vielleicht hat er seine Ausführungen ja auch als Glosse gemeint, denn die historischen Zusammenhänge kennt er sicher besser als ich.
Dr. Gunter Alfke
Warum nicht gleich das Kaiserreich ausrufen. Wir sind ein Teil einer Republik – der Kaiser wurde weggejagt. Wenn schon ein Denkmal dann eins was paßt. Wie wäre es mit August Bebel oder noch besser Ernst Thälmann (Sohn unserer Stadt), das wäre zugleich auch noch ein Signal gegen rechte Gesinnung. Im Übrigen gilt wer ein Monument auf einen Marktplatz stellt will verhindern, dass sich das Volk hier versammelt – unter einem Kaiserstandbild macht man keine Aufstand.
Hans König
Unter 1,7 Millionen Hamburgern muss man immer mit einigen nicht stilsicheren Einwanderern rechnen. Wer mit einem etwas verbreiterten Fußweg als Boulevard protzen oder Wilhelm I. als Wochenmarktwärter vor dem Rathaus beschäftigen möchte, gehört genauso zurecht gerückt, wie die ewigen „Schönste-Stadt-der-Welt“-Übertreiber. Etwas mehr Understatement täte gut. Größten Respekt verdienen die Senatoren, die 1903 das damals wohl unvermeidliche Kaiserdenkmal mit feiner Ironie so gedreht haben, dass man den hohen Herrn als Gast begrüßt. Seine Kunst ist neben 400 Plagiaten in Altona und anderen Städten nicht besonders originell. Und Herr Wichtig ist er für Hamburg nicht gewesen. Deshalb steht er in den Wallanlagen (seit 1929) recht gut. Respekt verdient auch der Hamburger Kaufmann und Segler Thomas Friese, der in seinen Geschäften an der Mönckebergstraße und am Gänsemarkt die Sockelbleche des in die Wallanlagen ausgerittenen Kaisers für jedermann als Schaufenster-Dekoration bewahrt hat. Und seit oder solange der Kaiser nicht im Wege steht, kann man die mahnende Inschrift am Rathausturm besonders gut lesen: "Die Freiheit, die die Ahnen erwarben, sollte die Nachwelt mit Würde bewahren."
Jürgen Reip
Heute stand in Ihrer Zeitung eine kurze Notiz, in welcher dafür plädiert wurde, dass das alte Kaiserdenkmal von Wilhelm I. wieder zurück auf den Rathausplatz gebracht werden solle. Als alter Mensch (88 Jahre) bin ich auch dafür, denn Kaiser Wilhelm I. repräsentierte den Willen Deutschlands zur Einheit (unter Bismarck), andererseits repräsentierte er auch eine innereuropäische Großmachtstellung Deutschlands in dieser Zeit. Leider entwickelte sich diese aber unter Wilhelm II. bald zu einer arroganten Großmacht-Politik. Deswegen meine ich, dass das Denkmal Wilhelms I. auf den ja großen und in der Mitte leeren Rathausmarkt zurück gebracht werden könnte.
Dr. Joachim Siebert
Die Hamburger finden den Rathausplatz, so wie er jetzt ist, sehr schön. Hamburg sollte vor allem so gestaltet werden bzw. bleiben, daß sich die Menschen in ihren Quartieren wohl fühlen. Dann entsteht dort auch vielgestaltiges urbanes Leben. Das finden dann – eine Nebenerscheinung – auch Touristen schön und kommen da hin. In erster Linie würde ich es allerdings begrüßen, wenn unser drittes Enkelkind nicht genau so wie die beiden älteren seine Grundschuljahre in einem Container-Pavillon verbringen müßte.
Bernd Wenzel
Der Autor liefert selbst in seinem Artikel das entscheidende Gegenargument gegen diese für mich abstruse Idee: "Als Hamburg 1918 Revolution und Kaiser-Abdankung erlebte,... passte (das Denkmal) beim besten Willen nicht mehr zum Geist der neuen demokratischen Stadt." Und so sollte es bleiben! Den Rathausmarkt empfinde ich nicht als "Wunde" ohne Kaiser Wilhelm, und ohne ihn ging auch nicht die "urbane Mitte" verloren." Kaiser Wilhelm gehört ins ehemalig preußische Altona, und er macht sich abseits in den Wallanlagen auch nicht schlecht.
Gisela Beck
Selten solch einen Schwachsinn gelesen! Ausgerechnet der autoritäre „Kartätschenprinz“ mitsamt dem um ihn herum gewirkten Plunder soll wieder auf den Rathausmarkt. Herrn Kleinsteuber ist es dort zu öd, und er möchte, sommers wie winters, auf den hoffentlich propperen Sitzbänken an den steinernen Balustraden verweilen (soweit die Witterung es zulässt). Vorbilder seien die Plaza Mayor in Madrid und der Markusplatz in Venedig. Aber dort gibt es keine Straßen. Nur eine Tiefgarage ließ der frankistische Bürgermeister Arias Navarro in den sechziger Jahren in die Plaza Mayor hauen. Die fehlt natürlich in Venedig. Dafür hat es dort mehr Tauben und natürlich auch Cafés. Aber die ließen sich ja auch gegenüber dem Rathaus einrichten, wo sich heute nur belanglose Geschäfte befinden. Dann könnte man von dort aus pietätvoll an den späteren Kaiser denken, der im März 1848 vor den revolutionären Berlinern nach London fliehen musste.
Prof. Dr. Klaus Meyer-Minnemann
Es ist geradezu grotesk im 21. Jahrhundert, den "Kartätschenprinzen" Wilhelm vor das Hamburger Rathaus stellen zu wollen. Hiermit würde jemand eine Ehrung erfahren, der maßgeblich dafür Verantwortung zeigte, eine frühzeitige - durchaus mögliche! - Demokratisierung Deutschlands zu verhindern. Dass Wilhelm mehrere Denkmäler errichtet worden sind, zeugt keineswegs von einer allseitigen Beliebtheit. Zumindest die Sozialdemokratie und manch ein Linksliberaler und Katholik wird sich zeitgenössisch schwerlich für diese Denkmäler begeistert haben.
Dr. Dirk Mellies
Fragen Sie mal Ihre Leser, wer noch weiß, warum das große Bismarckdenkmal oberhalb der Landungsbrücken der Hamburger Innenstadt, und damit dem Rathaus, den Rücken zukehrt! Ein Reiterstandbild des preußischen Königs und deutschen Kaisers auf dem hanseatischen Rathausmarkt, dem Rathaus zugewandt, ist keine gute Idee! Es weist in eine Vergangenheit mit zunehmender preußischer Hegemonie, die zwangsläufig in die beiden größten Katastrophen der Hamburgischen Geschichte mündet! Es sollte dort bleiben, wo es jetzt ist! Ein zukunftsweisendes, modernes Denkmal, im Kontrast zur Architektur des Rathauses, wäre sicherlich für die meisten Bewohner dieser Stadt eine wünschenswerte Lösung – starten Sie einen Wettbewerb zwischen den besten Bildhauern der Welt jetzt!
Horst Mahl
Es ist mit einfach unerfindlich, weshalb man nicht schon längst die gesamte Gruppe wieder auf dem Rathausmarkt aufgestellt hat. In den 70er Jahren waren zumindest mal für einige Zeit die 4 allgeorischen Figuren dort zu sehen. Und diese waren ständig von neugierigen Betrachtern umlagert. Auch ein modernes Hamburg braucht Tradition - auch bei den Bauten und Kunstwerken. Zuviel Beton und Glas enthamburgt ja schon weite Teile der Stadt zur Allerwelts-City. Ein Platz mit Rathaus und dem wieder aufgestellten Figuren-Ensemble würde für die Hamburger und auch die Touristen eine sehenswerte Besonderheit darstellen. Fast vergleichbar mit Siena oder Florenz. Aber das darf man dann nicht wieder verschandeln mit irgendwelchen Gegendenkmälern. Darauf kann man verzichten. Die würden den harmonischen Eindruck nur wieder schmälern. Wenn Marx und Engels als Denkmal stehen bleiben dürfen, dann gilt das auch für einen deutschen Kaiser und die Figuren, welche die Wirtschaft und den Handel Hamburgs verkörpern.
Dietrich Räsch
was bitte reitet einen Politologen, einen solchen Vorschlag zu machen ? Haben wir nicht genug von Preußens Glanz und Gloria ? Allein das Rathaus erinnert mit seinem klassizistischen Stil ausreichend an dieses untergegangene Kapitel deutscher Geschichte. Wir Hamburger waren immer stolz auf unsere hanseatische Distanz zu den Fürstenthronen. Wer in Anbetung vor den Hohenzollern auf die Knie sinken möchte, kann dies gern vor dem Bismarck am Hafen tun. Als Gegenidee schlage ich ein Denkmal für die Ermordeten des KZ Neuengamme auf dem Rathausmarkt vor.Wir sollten uns heute nicht vor den abgesetzten Herrschern, sondern vor den Opfern verneigen.
Jens Grüttner
Wenn Professor Kleinsteuber Politikwissenschaftler ist, dann müsste es ihm eigentlich klar sein, dass die Ausrufung von des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser, auf dem Boden einer anderen, gerade besiegten Nation, eine unglaubliche Dummheit und eine unnötige zusätzliche Demütigung von Frankreich war. Diese Proklamation war zwar nicht die Ursache, aber doch (für Frankreich) das Symbol der Ursachen, die direkt in die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts führten, den 1. Weltkrieg. Ja, wirtschaftlich war dieses kurzlebige Kaiserreich ein Erfolg und niemand machte sich Sorgen darum welche Folgen diese Politik haben könnte. Deswegen war Wilhelm I. auch populär. Wenn auch die Hauptschuld für den 1. Weltkrieg sicherlich vor allem bei Wilhelm II. , dem deutschen Generalstab und der KuK-Monarchie zu suchen sind. Das Fundament für diesen Irrweg wurde von Bismark und seinem König schon 1871 im Spiegelsaal von Versailles gelegt. Nicht umsonst mussten die Deutschen den Vertrag von Versailles, der schließlich in die nächste Katastrophe führte, dort unterschreiben. Und deswegen hat Kaiser Wilhelm dort auf dem Rathausmarkt nichts zu suchen !
B. Giertz
Es ist mir unverständlich, daß mein Hamburger Abendblatt solchen Ideen fast eine ganze Seite widmet und damit einem Prof. Politologen ein Forum für einen fast unglaublichen Vorschlag bietet. Ich kann nur vermuten, daß der Prof. Politologe die politische Geschichte von der Kaiserzeit bis zum Ende des 2. Weltkriege und den Geburtstagsbesuch der Nazis am "Fluchtort des Kaisers" in Holland nicht kennt? Dann erlaube ich mir allerdings die Frage zu seiner Eignung.
Hans Röhlig
So vorsätzlich unhistorisch und damit fehl am Platze (!) es wäre, die 3.Strophe der Nationalhymne durch die 1. zu ersetzen („Deutschland, D…über alles…“), so fehl auf dem (Rathaus-) platz wäre das Reiterstandbild samt Krimskrams drum herum, denn es zeugt nicht nur von dem fatalen imperialen Weltmachtanspruch, sondern ist auch kolossaler Beleg des Kotaus eines republikanischen Hamburgs vor Preussen - Deutschland nach 1871. Erinnert werden darf noch daran, dass der Kaiser als „Kartätschenprinz“ 1848 die Märzrevolution niederschlagen wollte und ein Jahr später der ersten deutschen Demokratie ein endgültiges blutiges Ende bereitete. Statt so eine angebliche „heutige Wunde“ zu schließen, sollten für den Rathausmarkt Elemente und Nutzungskonzepte entwickelt werden, die seiner urbanen Qualität im 21.Jahrhundert gerecht werden.
Ulrich Reppenhagen
Dieser Antidemokrat gehört nicht vor das Rathaus einer Stadt wie Hamburg. Der Mann war schon in seiner Jugend als der Kartätschenprinz bekannt als er 1848 die Berliner Märzrevolution niederschlug. Anschliessend musste er nach England fliehen. Im Juni/Juli 1849 durfte er dann im Badischen Aufstände demokratischer Kräfte erfolgreich bekämpfen. Das Denkmal soll bleiben wo es ist.
Werner Casper
Darüber nachzudenken, wie der Rathausplatz attraktiver gestaltet werden kann, ist sicher aller Mühen wert. Dass dazu eine Plastik beitragen sollte, die die Weltoffenheit und Liberalität der Stadt sinnfällig zum Ausdruck bringt, versteht sich fast von selbst. Kein Denkmal wäre dafür weniger geeignet, als den aus der Mottenkiste hervorgezauberte Kaiser Wilhelm I., der Kartätschenprinz, der im März 1848 die Freiheitskämpfer in Berlin niederschießen ließ, der Herr der Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich, der das Deutsche Reich gegen die Ideen von Freiheit, Gleichheit und Bürderlichkeit der Französischen Revolution einigen wollte. Nein, danke. Hamburg braucht bessere Ideen!
Prof. Dr. Horst Dippel
Gustav Schiefler – Jurist und Kulturhistoriker - schrieb in seiner „Hamburgischen Kulturgeschichte“: „Wie konnte Hamburg den ersten Kaiser des neuen Reiches besser ehren, als dass er seinen Rathausmarkt so völlig verdarb“ – dieser ironische Satz steht im Einklang mit Fritz Schumachers Bemerkung zum Rathausmarkt: „Es lässt sich schwer sagen, wie man der Grundidee des Platzes einen schwereren Schlag versetzen konnte als durch diese preisgekrönte Anlage“ des Denkmals. Wir sollten das amphibische „Platzkunstwerk“ Rathausmarkt-Kleine Alster heute nicht wieder dadurch zerstören, dass die einst mühsam errungene Umsetzung des Denkmals rückgängig gemacht wird. Nichts spricht jedoch dagegen, dass die beiden großen Fahnen-Reliefs von Johannes Schilling, die zur Zeit die Schaufenster eines Modegeschäfts am Gänsemarkt und in der Mönckebergstraße „schmücken“, wieder ihren ursprünglichen Platz am Sockel des Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal vor dem Ziviljustizgebäude erhalten.
Jörg Beleites
Herr Kleinsteuber ist wohl inzwischen ein wenig vertstaubt!
R. Brüning









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