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Leserbriefe

Höhere Unterrichtsqualität

Hamburgs Schüler sollen Lehrer bewerten

Wann ist es denn endlich mal so weit, dass Lehrer die Arbeit der Schulbehörde beurteilen dürfen? Die Behörde ist es doch, die den Lehrern die Zeit raubt, guten Unterricht vorzubereiten, mit all' dem Müll, mit dem sie die Lehrer zuschüttet. Alle halbe Jahr eine neue "Reform"-Baustelle, für die ein Konzept erarbeitet werden muss, das spätestens nach 2 Jahren wieder in der Schublade verschwunden ist.

G.-S. Schmiedel

Ja! Lehrer bewerten! Grandios. Allerdings zu einer klitzekleinen Bedingung: Zeitgleich führen wir das Bewerten von Politikern ein! Am Ende jeder Bürgerschaftssitzung ist das Volk dran: War die Rede verständlich? Die Entscheidung zum Wohle der Allgemeinheit? Hat Herr Holster Ahnung von seinem Bereich? Daumen rauf oder runter! Qualitätsoffensive zur Verbesserung der Demokratie! Das ist übertrieben? Ich weiß nicht, in welch paradiesischen Zuständen Herr Holster an seiner Stadtteilschule arbeitet – bei mir an der Schule herrscht enormer Zeitdruck und alle Kollegen arbeiten psychisch und fachlich ständig auf Höchstleistungsniveau, damit die Jugendlichen die Prüfungen gut schaffen, die Aggressiven unter ihnen befriedet werden, die Bedürftigen eine Stütze im Leben haben, und ja, damit ihre Schulzeit allen als wertvolle Zeit im Gedächtnis bleibt. Zeit, sich gegenseitig zu hospitieren? Dass ich nicht lache! Die Politik gibt uns ja nicht einmal genug Zeit, um Elterngespräche zu führen oder Förderpläne zu erstellen.

C. Gundlach

Sehr geehrte Damen und Herren, an meiner Schule sind die Kolleginnen und Kollegen angehalten, sich zweimal pro Jahr in jeweils zwei Klassen/Kursen ein Feedback geben zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei die Gelegenheit, sich anonym zu äußern. Meines Erachtens funktioniert das recht gut. Den Vorschlag des Herrn Abgeordneten von der SPD kann ich dennoch nur bedingt nachvollziehen, vor allem wenn tatsächlich die Forderung gestellt sein sollte, am Ende einer jeden Unterrichtsstunde eine Rückmeldung vorzusehen. Dieser Vorschlag scheint mir sowohl vollkommen an der Praxis des Unterrichtsalltags vorbeizugehen als auch den Akzent falsch zu setzen; so würde ich behaupten, dass auch sehr gewissenhaft und sehr häufig durchgeführte Feedbacks keine signifikante Verbesserung von Unterricht erzielen werden, dessen Qualität hängt nämlich von sehr vielen Faktoren ab. Ich bin in diesem Zusammenhang gerne bereit, einen Abgeordneten bis zu einen Monat in meinen (ganz durchschnittlichen) Unterricht und Schulalltag mitzunehmen, vielleicht könnte das helfen, weitere Reformvorschläge praxisnah zu gestalten.

Christian Buzuk

Ihre Schlagzeile des heutigen Abendblattes legt den Schluss nahe, als fordere die SPD mit dem Schüler-Lehrer-Feedback etwas Neues. Das ist so nicht richtig. An vielen berufsbildenden Schulen ist in den letzten Jahren eine Feedback-Kultur entstanden. Ich unterrichte an einer Gewerbeschule und habe dort u.a. die Funktion eines Feedback-Beauftragten. Feedback ist bei uns fester Bestandteil des Qualitätsmanagements und wird erfolgreich als Schüler-Lehrer-Feedback und übrigens auch als Leitungsfeedback (Lehrer-Schulleitung) praktiziert. Kollegiales Feedback ist in den Startlöchern. Die Schaffung einer entsprechenden Kultur war Gegenstand einer Ziel-Leistungsvereinbarung. Auch von anderen berufsbildenden Schulen weiß ich, dass regelmäßiges Einholen von Rückmeldungen keine Zukunftsmusik mehr ist.

Jörg Trabert

Ein "Feedback" nach jeder Unterrichtsstunde ist nicht hilfreich, weil es zu punktuell ist und meistens weder Schüler noch Lehrer im Anschluss an den Unterricht Zeit haben für ein (notwendiges) Gespräch darüber. "Feedback"gespräche sind bereits seit einigen Jahren anhand einer ausführlichen Kriterienliste einmal pro Schulhalbjahr verpflichtend (zumindest am Gymnasium). Diese Gespräche können konstruktiv sein, weil sie auf eine längere Unterrichtsphase bezogen sind. - Hospitationen unter Kollegen sind sinnvoll, aber im Rahmen der derzeitig hohen Stundenverpflichtung (46.57 Stunden Lehrerarbeitszeit pro Woche) zusätzlich nicht möglich. Eine Qualitätsverbesserung des Unterrichts wird bekanntlich in allererster Linie mit kleinen Klassen sowie einer niedrigeren Lehrerarbeitszeit erreicht!

Ellen Pfohl

Beim Lesen der Forderungen von Lars Holster muss man sich als Lehrer etwas wundern, hinken doch die Forderungen der Entwicklung an den Schulen hinterher. An unserer Schule (H9, Berufsschule) wurde im September bereits zum wiederholten Male die "KUR" (Kollegiale Unterrichtsreflexion) durchgeführt: Jeweils drei Lehrer besuchen sich gegenseitig im Unterricht und bekommen anschließend ein Feed-Back der Kollegen; dies muss an den Schulen zukünftig verpflichtend durchgeführt werden. Problem ist aber die Organisation, darf der Unterricht der hospitierenden Kollegen doch nicht ausfallen. Auch ein Feedback für die Lehrer wurde an unserer Berufsschule bereits durchgeführt und findet ab nächstem Jahr auch an unseren anderen Schulzweigen statt (auch verpflichtend in Zukunft), ebenso gibt es schon seit längerer Zeit ein Feedback der Lehrer für die Schulleitung. Auch die Zusammenarbeit der Lehrer wird intensiviert; die Frage ist nur, wie das organisiert wird, ist der Stundenplan der Kolleginnen und Kollegen doch prall gefüllt und die Lehrer-Arbeitszeitverordnung hat diese zahlreichen neuen Aufgaben nicht vorgesehen. Solange viele sinnvollen Neuerungen - wie z.B. auch der individualisierte Unterricht - auf ein weiterhin starres Stunden- und Schulsystem treffen, bei dem die Uhr den Lerntakt vorgibt und nicht der Lernstoff, ist zu befürchten, dass Vieles im Ansatz steckenbleibt. Die Lösungen sind bekannt, kosten aber Geld (Ganztagsschule, Förderunterricht ...).

Dr. Thomas Kraatz

Vorab: Eine Rückmeldung der SchülerInnen an die LehrerInnen ist sinnvoll, denn sie trägt dazu bei, ein gemeinsames Verständnis von 'gutem Unterricht' zu entwickeln und gemeinsam (!) zu realisieren. Im Gegensatz zu dem von Herrn Holster vermittelten Eindruck sind denn auch unterschiedlichste Feedback-Verfahren alltägliche Praxis in den Schulen. Feedback sollte allerdings nicht mit Beurteilung verwechselt werden - diese steht in der Tat nicht den SchülerInnen zu, sondern nur den Vorgesetzten. Und es gibt eine zweite Verwechslung: Der Unterricht, der nach den Kriterien der Schulinspektion als 'von hoher Qualität' eingestuft wird, ist 'selbstbestimmt und selbstgesteuert' - die Jugendlichen unterrichten sich quasi selbst mit Hilfe vorgefertigter Arbeitsblätter und vorgegebener Verfahrensweisen. Welche Rolle spielt da noch der Lehrer? Ein Unterricht, in dem die Lehrerin eine zentrale Funktion innehat, auf deren Erfüllung hin sie dann eine Rückmeldung erhält, ist in dieser Diktion gar nicht mehr gewünscht. Erstaunlich bleibt es, dass die Lehrerausbildung an Universität und im Referendariat anscheinend so schlecht ist, dass nur ein Drittel der täglichen Unterrichtsstunden 'gut' sind. Die Annahme, eine gegenseitige Unterweisung im Alltag könnte hier Abhilfe schaffen, geht gänzlich an den ursächlichen Problemen vorbei, zu denen u.a. gehören: langjähriger Zuwachs an Aufgaben ohne Begleitressourcen, alters-, gruppen-, fachspezifische Besonderheiten in den Lerngruppen und nicht zuletzt fragwürdige Bewertungskriterien.

Kordula Leites

Sehr geehrte Damen und Herren, wer heute noch Lehrerin oder Lehrer wird, muß Masochist sein! Die Schulen werden einfach nicht in Ruhe gelassen. Die Anforderungen wachsen ständig. Jeder glaubt, etwas dazu sagen zu können, auch ohne jegliche Ausbildung. Das gibt es wohl in keinem anderen Beruf. Was zu Haus nicht geleistet wird, sollen die Lehrerinnen und Lehrer richten usw. Gegensetig zu hospitieren und sich auszutauschen ist doch nichts Neues. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß die Kinder keine Möglichkeit haben, sich zum Unterricht zu äußern. Was früher eine Auswertung der Stunde war, ist heute ein "feetback". Das muß ja besser sein!!

Monika Heinecke

Es ist sehr zu begrüßen, dass die Ergebnisse der Enquetekommission nun endlich umgesetzt werden sollen. Zu dieser "Feedback-Kultur" gehören dringend Vorgesetzten-Mitarbeitergespräche, die mindestens einmal im Jahr zwischen Schulleitung und den Lehrern verbindlich stattfinden müssen. Dies schließt selbstverständlich ein, dass der Vorgesetzte eine genaue Kenntnislage über die Qualität der Unterrichts-und Erziehungsarbeit vor Ort-im Unterricht-besitzt. Im weiteren ist diese "Feedback-Kultur" als fester Bestandteil in die Ausbildung für alle Lehrämter zu verankern. Dies schließt ebenfalls ein, dass sich die Professoren, Dozenten und wissenschftliche Mitarbeiter einer solchen "Feedback-Kultur" verbindlich stellen müssen.

Birgit Zeidler

Glaubte ich bislang, ein Holster sei eine lederne am Gürtel getragene Tasche, aus der ein Cowboy seinen Colt zog, weiß ich nun, daß es auch der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hamburger Rathaus ist. Zugegeben, ein billiges Wortspiel, eingedenk der Tatsache, daß nur jede dritte Unterrichtsstunde hohen Ansprüchen genügt. Hat die Schulinspektion festgestellt. In einem aufwendigen Verfahren. Merkwürdig, hier schleichen sich ketzerische Zweifel ein. Nur jede dritte Stunde? Gleichmäßig verteilt auf alle Hamburger Schulen? Muß so sein, denn sonst verstehe ich die Schlußfolgerung nicht, die Leistung der einzelnen Lehrkraft sei entscheidend für guten Unterricht. Und die Notwendigkeit der Feedbackkeule: Schüler bewerten die Lehrer nach jeder Stunde. Wie muß man eigentlich ticken, um die Unsinn zu glauben? Mir fällt dazu nur noch das kleine Gedicht „Die Lösung“ von Bertolt Brecht, in dem es, leicht modifiziert, heißt: Die Lehrer haben das Vertrauen der Behörde verscherzt und können es nur durch das Feedback der Schüler zurückerobern. Wäre es nicht einfacher, die Behörde entließe die Lehrerschaft und holte sich eine andere?

Edwin Streifbier

Glaubte ich bislang, ein Holster sei eine lederne am Gürtel getragene Tasche, aus der ein Cowboy seinen Colt zog, weiß ich nun, daß es auch der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hamburger Rathaus ist. Zugegeben, ein billiges Wortspiel, eingedenk der Tatsache, daß nur jede dritte Unterrichtsstunde hohen Ansprüchen genügt. Hat die Schulinspektion festgestellt. In einem aufwendigen Verfahren. Merkwürdig, hier schleichen sich ketzerische Zweifel ein. Nur jede dritte Stunde? Gleichmäßig verteilt auf alle Hamburger Schulen? Muß so sein, denn sonst verstehe ich die Schlußfolgerung nicht, die Leistung der einzelnen Lehrkraft sei entscheidend für guten Unterricht. Und die Notwendigkeit der Feedbackkeule: Schüler bewerten die Lehrer nach jeder Stunde. Wie muß man eigentlich ticken, um die Unsinn zu glauben? Mir fällt dazu nur noch das kleine Gedicht „Die Lösung“ von Bertolt Brecht, in dem es, leicht modifiziert, heißt: Die Lehrer haben das Vertrauen der Behörde verscherzt und können es nur durch das Feedback der Schüler zurückerobern. Wäre es nicht einfacher, die Behörde entließe die Lehrerschaft und holte sich eine andere?

Edwin Streifbier

Anstatt sich Anregungen in den deutschen Bundesländern zu holen, die bei der Pisa-Studie weit besser abschneiden als Hamburg, werden mal wieder Ideen entwickelt, die sich wunderbar modern anhören und dazu führen, noch mehr Zeit für unterrichtsferne Zwecke zu verschwenden. Diese Vorschläge bringen nur weitere Unruhe in das Schulsystem, was letztlich zu Lasten der Schüler geht. Aber einige Politiker können wenigstens ihre Profilneurosen befriedigen.

Christiane Mielck-Retzdorff

 

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