Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. Januar 2017

Toleranz im Wasser-Streit

28./29. Januar: Was Gastronomen für Wasser verlangen und Wasser kostenlos in Restaurants? Natürlich nicht!

Man kann über die Frage, ob in Restaurants kostenloses Leitungswasser ausgeschenkt werden sollte, sicher unterschiedlicher Meinung sein; ich finde, gerade da es ja auch nicht um etwas geht, das "die Grundfesten unserer Gesellschaft erschüttert", sollte man hier mit etwas Toleranz auf die Ansichten anderer reagieren. Daher fand ich die Aussage von Herrn Iken, allein schon die Frage sei verzapfter Unsinn, sehr befremdlich. Es ist ja schließlich nicht so, dass man sich in ein Restaurant setzt und außer dem kostenlosen Wasser nichts zu sich nimmt, sondern eher so, dass man in einigen Restaurants eben zum (bezahlten) Essen und den sonstigen (bezahlten) Getränken kostenlos Wasser angeboten bekommt. Und wenn allein das Stellen der Frage so absurd sein soll, frage ich mich, wie es sein kann, dass es in manchen Ländern ganz selbstverständlich ist, dass man zum Essen unaufgefordert kostenloses Wasser gereicht bekommt.

Sven Dreyer, per E-Mail

Vorbild Frankreich

Seit Jahrzehnten trinke ich fast nur Leitungswasser. Die Sehnsucht nach Mineralwasser verstand ich nie. Im Restaurant trinke ich während eines mehrgängigen Essens mindestens einen Liter Wasser und bestelle mir deswegen gleich eine Karaffe oder ein (nachzufüllendes) großes Glas. Der Wein kommt hinzu, genügend Umsatz mit mir sollte also gesichert sein. Erst zweimal, hier in Hamburg und in jüngerer Zeit, gab es Schwierigkeiten (ich sollte das Leitungswasser bezahlen: 7 Euro beziehungsweise bekam es verweigert), beide Lokale werde ich nicht mehr besuchen. Wir Kunden haben es in der Hand, ob wir diese Ab­zockerei akzeptieren oder nicht. In meinem bevorzugten Urlaubsland Frankreich ist die "caraffe d'eau" selbstverständlich; sie kommt meist automatisch.

Hinrich Krahnstöver, Hamburg

Am Quellort abgefüllt

Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass dem Gast, der im Restaurant ausdrücklich ein "Mineralwasser" bestellt, das Wasser in der am Quellort abgefüllten Originalflasche serviert werden muss. Stattdessen im Restaurant selbst mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser zu servieren entspricht nicht den gesetzlichen Vorschriften.

Waldemar Behn, Eckernförde

In den Stadtpark ausweichen

30. Januar: Haben Hunde zu wenig Platz in Hamburg?

Der Bezirk Nord hat auf die größte "Hundefreilauf"-Fläche (ca. 80.000 Quadratmeter) in der City Nord eine Disc-Golf-Anlage bauen lassen. Seitdem trauen sich nur noch einige Hundebesitzer dorthin. Unschöne Szenen (wie Frisbees an den Kopf) oder Hundebesitzer, die genötigt werden, führten dazu, dass die Hundebesitzer in den Stadtpark ausweichen. Es gibt viele solche Beispiele, und der Bezirk kontrolliert seine eigenen Auflagen nicht, weil er kein Personal außerhalb der Bürozeiten hat.

Thomas Simoleit, per E-Mail

Kontingent für echte Musikfans

28./29. Januar: Elb­phil­har­mo­nie –
weniger Tickets für Hamburger

Nachdem die Hamburger in unendlichen Warteschleifen auf die Fertigstellung der Elbphilharmonie warten mussten, dann in der Hysterie um Karten als Normalos kaum eine Chance hatten, sollen nun Touristen bevorzugt werden und mit den Hotels zur Ankurbelung der Wirtschaft einen Sonderstatus bekommen. Mindestens 50 Prozent der bisherigen Besucher waren aus Sensationslust und Neugier auf das Gebäude da oder um Angela Merkel eventuell die Hand reichen zu dürfen, nicht aber wegen der Musik und schon gar nicht, um Thomas Hengelbrock auf seinem spannenden Spaziergang durch die Musikgeschichte vom Mittelalter bis heute zu begleiten – und auch nicht, um sich für Jörg Widmanns "Arche" mit Kent Naganos Philharmonikern zu begeistern. Wie wäre es, wenn echte Musikfans und -kenner nun auch mal eine Chance auf ein Hamburger Karten-Sonderkontingent bekämen und nicht bis 2019 warten müssen? Die Sensationstouristen, die teilweise Kit Armstrong nicht von Namensvetter Louis unterscheiden können, werden auch weiter zu den Musicals wie "König der Löwen" kommen und so die Hotels füllen. Dann sehen sie die Elbphilharmonie immerhin schon mal von außen.

Isolde Stabenow, per E-Mail

Ergreifendes Drama

28./29. Januar: KritIKEN Das übersehene Meisterwerk ,Unter dem Sand'

Ich kann Herrn Iken zu seiner Ansicht über diesen Film und seinem Unverständnis für dessen fehlende Adaption hierzulande voll zustimmen. Ein ergreifendes Drama aus einem bis dato nahezu unbekannten Detail der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte. Bei der hervorragenden Besetzung wären Namen wie Elyas M'Barek oder Matthias Schweig­höfer überflüssig bis kontraproduktiv gewesen. Übrigens hatte ich mir die DVD aufgrund Ihrer dreifachen Redaktionsempfehlung schenken lassen.

Joachim Wille, Hamburg

Mit großer Anteilnahme

Matthias Iken besitzt anscheinend das Talent, seinen Finger immer an die richtige Stelle zu setzen, und seine Themen 100 Prozent exakt rüberzukriegen. Solche wie er wünschte ich mir in der Politik. Auch ich habe "Unter dem Sand" gesehen. Manchmal mit einer Decke vor Augen. Ein kleiner bewegender Film, den man mit großer Anteilnahme sieht und sich in beide Lager total reinversetzen kann. Die jungen Kriegsgefangenen (fast noch Kinder), die sich dem Horror des Minenentschärfens aussetzen müssen, und die Aufseher, die allen Grund haben, die Deutschen wegen des Krieges zu hassen und sich dann doch ihren Gefühlen stellen. Ein Film, der zu Recht den Oscar erhalten würde. Dem Autor sei Dank, das er allen interessierten Lesern diesen wichtigen Film nahebringt.

Norbert Aries, Billwerder

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