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Leserbriefe

Deutsche Sprachverwirrungs

Wieviel Englisch verträgt Hamburg?

Manchmal frage ich mich, ob die Deutschen eigentlich wissen, was sie da reden. Oder bin ich schon zu alt mit 59??? Ich habe mich jahrelang mit der deutschen und englischen Sprache "herumgeplagt", um diese richtig zu erlernen (auch grammatikalisch) und nun kommt ein Mischmasch zu tage. Mit anderen Worten: Ich habe nichts gegen Englisch, aber dann doch bitte richtig. Schade, unsere deutsche Sprache war einmal die Sprache der Dichter und Denker. Sehen wir doch einmal nach Frankreich, dort wird die Sprache bis in Detail gepflegt. Mich macht es einfach nur traurig. Leider ist seit Jahren unser Genetiv schon verschwunden, nun auch noch die Sprache generell??? Vielleicht werde ich eines Tages als "außerirdisch" angesehen, da ich noch die "richtige, echte" deutsche Sprache kann. In diesem Sinne Beste Grüße Iris Berck-Carlsen

Iris Berck-Carlsen

Glaubt unser Senat vielleicht, man würde nun in Chicago einen zu Ehren der Partnerstadt Hamburg geschaffenen Platz "Hamburg Platz" nennen? Was soll diese Anglomanie? Ist sie ein Zeichen von Minderwertigkeitskomplex oder von Unterwürfigkeit? Wenn das so weitergeht, wird man wohl bald die Kennedy-Brücke in "Kennedy Bridge" umbenennen.

Prof. Hans Gebhard

Gute Artikel zum Thema Deutsche Sprachverwirrung. Warum besinnt sich Hamburg nicht endlich auf das, was dort einmal stand, wie das Gaswerk. So könnte ein Bahnhof "Altes Gaswerk", ein anderer "Venloer Bahnhof" oder "Lohseplatz" heißen! Das weckt doch Interesse an der Geschichte Hamburgs und beantwortet die Frage: Was war eigentlich vorher hier? Beim Bau der Speicherstadt war Hamburg selbstbewußter und hat alte Bezeichnungen wie Pickhuben, St.-Annen, Kibbeltwiete, Kannengießerort, Dienerreihe fast genau ortsgebunden wieder aufgenommen. (Falls gewünscht, könnten weitere Seefahrer, Ingenieure oder Architekten geehrt werden. Im Übergangsbereich zur Speicherstadt fehlt der Name: Franz Andreas Meyer. Der Oberingenieur der Baudeputation war für den Gesamtkomplex dieses Lagerhausensembles zuständig.) Namen wie Osakaallee klingen oder Chicago-Square klingen falsch und unterwürfig, als müssten wir uns mit Weltoffenheit anbiedern.Wäre schön, wenn Sie meine Zeilen als Leserbrief veröffentlichen könnten. Danke!

Gisela Utesch

„Schikageu Skwähr“ – eine neue Steigerung von „port authority“. Es ist klar, dass man vor 60 Jahren mit schlechtem Gewissen einige Begriffe der attraktiven Sieger und Befreier gern in die deutsche Sprache übernommen hat. Doch die heutige Flut an Anglizismen (Deutsch-Vermeidung) lässt auf ein noch viel schlechteres Gewissen der Kriegsenkel- und -urenkel-Generation schließen. Millionen Kriegsväter kamen traumatisiert in eine „vaterlose Gesellschaft“ zurück. Ihre Schuld und Sprachlosigkeit erzeugt noch in der Enkel-Generation z. B. ein negatives Vaterbild. Die Altlasten eines Diktators.

Johannes Zink

Die zunehmenden fach- und berufsspezifischen englischen Begriffe sind durchaus tolerierbar, wenn sie nicht wichtigtuerisch und unnötig in der Umgangssprache verwendet werden. Es stören auch weniger die unnützen englischen Bezeichnungen wie "standing ovations", "backstage", "performen", "voten" und "buzzern" und dergleichen modernistischer Faselwörter, als vielmehr die unsägliche Aussprache und das Genuschel der Verwender. Ich kenne kaum einen Hamburger, der Port Authority phonetisch korrekt artikulieren kann. Mit Chicago Square wir es nicht anders sein. Überhaupt ist es ein Graus, wie die Anglizismen ausgesprochen werden. Die Scham vor Blamage ist aber bei manchen Angebern recht unterentwickelt. Mir scheint, dass auch viele Akademiker nur meinen, sie könnten Englisch. Man hört so manches Geschwafel mit pseudoenglischen Begriffen, dass mir vom "Feeling her" ein ungutes Gefühl aufsteigt. Zum Trost sei gesagt, dass die englischen Muttersprachler unter der Verhunzung des Englischen bei den "Global Players" mehr leiden als die Deutschen unter der Lawine des Denglish oder Germish. Übrigens: Unter dem Sprachmischmasch leidet auch die Klarheit unserer wunderschönen deutsche Sprache.

Volker Gremler

Alles, was amerikanisch und somit nach "Duft der großen weiten Welt" klingt, saugt der Deutsche auf und plappert es nach. Diagnose: Minderwertigkeitskomplex und gestörtes Verhältnis zur eigenen Kultur. Poor Germany!

Andreas Flohr

Besonders fällt die Sprachverwirrung in der HafenCity auf. Dort gibt es das "Cruise Center" und die "Coffe Plaza". Auch die altehrwürdige Hafenbehörde heisst jetzt ganz offiziell "Port Authority". Die Frage ist, wie man diesen Blödsinn, der nicht von Weltoffenheit, sondern Provinzialität in den Köpfen der Stadtplaner geprägt ist, noch stoppen kann. In diese Kategorie gehört auch die Architektur der HafenCity, die sich angestrengt bemüht, urbanen Maßstäben gerecht zu werden, dabei aber leider nur anonymisierend und beliebig wirkt.

E. Dorothea Ehlers

Schlimm genug, wie Werbung, Wirtschaft und Medien mit unserer Sprache umgehen. Es ist aber völlig unverständlich und skandalös, wie bei uns Staat und Politik die deutsche Sprache, unser höchstes Kulturgut, behandeln. Nicht nur gibt es keine Ansätze dazu, öffentliche Verantwortung für ihre Pflege und Entwicklung zu übernehmen, schlimmer noch: Staat und Politik geben die deutsche Sprache offenbar bewusst preis und tragen aktiv zu ihrem Bedeutungsverlust bei. Das lässt sich nicht nur im Bereich der Wissenschaft (siehe "Bologna-Prozess") erkennen, sondern auch in der Sprachenpolitik in Brüssel (EU-Praxis). Hamburg tut sich offiziell seit einiger Zeit dabei besonders unrühmlich hervor. Hier nennt sich eine deutsche Behörde(!) „Hamburg Port Authority“, hier heißt eine Kulturveranstaltung „Harbourfront Literatur-Festival“, die Hafenstadt „Hafen-City“, die S-Bahn-Station am Flughafen „Hamburg Airport“, und die U4 soll also am „Chicago Square“ enden. Das ist albern und zeugt nicht von Bürgernähe oder hanseatischem Selbstbewusstsein. Und dazu betreibt der Senat jetzt auch noch (zusammen mit NRW) über den Bundesrat eine Gesetzesinitiative, um durch eine Änderung des Gerichtsverfassungsgesetzes Englisch als Gerichtssprache an deutschen Gerichten einzuführen. Nach dem Gesetzentwurf, der inzwischen bereits im Bundestag behandelt wird (vgl. Bundestags-Drucksache 17/2163), soll es internationa len Wirtschaftsunternehmen möglich gemacht werden, Rechtsverfahren vor deutschen Gerichten auf Wunsch in englischer Sprache zu führen. Dadurch hoffen interessierte Kreise, darunter die Hamburgische Notarkammer, die Hanseatische Rechtsanwaltskammer und der Hamburgische Anwaltsverein, lukrative Wirtschaftsprozesse an deutsche Gerichte ziehen zu können. Für fragwürdige finanzielle Gruppeninteressen soll hier also ein wichtiges Stück Deutsch im öffentlichen Bereich im wahrsten Sinne des Wortes „verkauft“ werden. Und unser Senat hilft fleißig dabei mit. Es ist an der Zeit, dass sich die Bürger wehren!

Dr. Hans Kaufmann

Mich würde es nicht wundern, wenn es bald tatsächlich einen Chicago Square in Hamburg gibt. Wir haben ja auch schon einen S-Bahnhof "Hamburg Airport" und man fährt mit dem Auto nicht ins Zentrum, sondern ins Centrum (etwas halbherzig, es müßte eigentlich Centre heißen).

jochen laudan

Für Hamburg, die östlichste Vorstadt Londons, wäre es generell standesgemäß, einen Platz in englischer Sprache zu benennen. Doch könnte man doch auch genauso gut zu seinem Ur-Nord-deutschen Dasein stehen und eine in platt-dütsche Variante wählen. Wie wäre es mit „Hambörger Plats“ als Denkanstoß für die Marketing… oh, Verzeihung…für die Propaganda-Abteilungen? (In Hambörg seggt all) 'Tschüss'.

J.Angermann

Dass einzelne Anglizismen in der deutschen Sprache verwendet werden, das ist nicht schlimm. Schlimm ist die Inflationierung des Denglischen in Deutschland. Dass 85 Prozent von befragten Bürgern hierzulande viele Anglizismen zum Beispiel in der Werbung gar nicht verstehen, sollte zu denken geben; deswegen verwenden selbstbewusste Werber heute Anglizismen zunehmend scherzhaft. Die Muttersprache gehört zum jeweiligen Land. Grundsätzlich sollten Deutsche die deutsche Sprache verwenden – das erhöht auch die nationale Identität.

Dr. Manfred Schwarz

Die Werbung wird sich mit ihrem Denglish irgendwann selber schädigen, wenn aber Politiker nicht mehr wissen, dass die Amtssprache im Lande deutsch ist, dann wird es bedenklich. Entweder wollen sie vertuschen, aus einer überschuldeten Bank machen sie eine Bad Bank, oder sie sind so weit vom Volke entfernt, dass es weh tut. Ein Großteil der Hamburger können die „Port Authority“ auch nach Jahren noch nicht richtig aussprechen, geschweige sie wissen was sich genau dahinter verbirgt; als Zweitname der Hafenbehörde wäre es für alle verständlicher.

Siegfried Meyn

Es ist schon richtig: Manch ein Anglizismus, gerade in der Geschäftswelt, ist wahrlich überflüssig. Das ist jedoch das Ergebnis einer sich immer mehr globalisierenden Welt. Denglisch an sich hat er was komisches: Ich bin mit einer US-Amerikanerin verheiratet: Gespräche finden in einem für Außenstehende unverständlichen Mix aus zwei Sprachen statt.

Stefan Eckner

"Es sind leider zu oft die halbgebildeten und lauten Emporkömmlinge mit geringem Vorbildcharakter, die mit englischsprachigen Überflüssigkeiten die deutsche Sprache zu verfremden trachten ! Sie sollten In der Öffentlichkeit Hamburgs nicht den Ton angeben."

Arnold Rump

Eine Haltestelle namens "Chicago Square" - bitte nicht. Man könnte die Liste der Grausamkeiten natürlich endlos verlängern; ich denke an "Port Authority" mit der Frage: Welcher Beamte, der dort tätig ist, kann dieses Wortungetüm eigentlich fehlerfrei aussprechen?! Ich weiß, warum ich die Klassiker usw. gern habe: da gibt es Deutsch pur zu lesen!

Angelika Engels

Ein Aspekt der Englisch-Begeisterung ist nachzutragen. Denn so, wie eine Opernarie italienisch gesungen werden muß, damit man durch den gräßlichen Text nicht vom Wohlklang der Musik abgelenkt wird, vermitteln umgekehrt nur konsequent durchgehaltene Anglizismen der deutschen Sprache den angenehmen Klang der ihrem Benutzer hörbar eigenen Internationalität. Es ist, kurz gesagt, die Peter-Suyvesant-Sprache: der Duft der großen weiten Welt.

Dr. Uwe J. Petersen

Das Abendblatt sollte sich an die eigene Nase fassen. Einerseits ist es verdienstvoll, dass es hin und wieder die unnötige Verwendung von Anglizismen missbilligt und anprangert. Andererseits gibt es aber dem jeden Donnerstag erscheinenden Veranstaltungsprogramm den nicht besonders deutsch klingenden Namen LIVE. Dies ist nur eines von nicht wenigen Beispielen dafür, dass beim Abendblatt in dieser Frage die Linke nicht weiß, was die Rechte tut.

Gernot Fligge

Es sind leider zu oft die halbgebildeten und lauten Emporkömmlinge mit geringem Vorbildcharakter, die mit englischsprachigen Überflüssigkeiten die deutsche Sprache zu verfremden trachten!Sie sollten In der Öffentlichkeit Hamburgs nicht den Ton angeben."

Arnold Rump

Eine Haltestelle namens "Chicago Square" - bitte nicht. Man könnte die Liste der Grausamkeiten natürlich endlos verlängern; ich denke an "Port Authority" mit der Frage: Welcher Beamte, der dort tätig ist, kann dieses Wortungetüm eigentlich fehlerfrei aussprechen?!Ich weiß, warum ich die Klassiker usw. gern habe: da gibt es Deutsch pur zu lesen!

Angelika Engels

Ein Aspekt der Englisch-Begeisterung ist nachzutragen. Denn so, wie eine Opernarie italienisch gesungen werden muß, damit man durch den gräßlichen Text nicht vom Wohlklang der Musik abgelenkt wird, vermitteln umgekehrt nur konsequent durchgehaltene Anglizismen der deutschen Sprache den angenehmen Klang der ihrem Benutzer hörbar eigenen Internationalität. Es ist, kurz gesagt, die Peter-Suyvesant-Sprache: der Duft der großen weiten Welt.

Uwe J. Petersen

Wenn meine Großmutter eine Eisenbahnfahrt machte, bestand sie darauf, vom Perron in ihr Coupe zu steigen und dem Conducteur ihr Billett zu zeigen, dabei war der französische Anteil an der Entwicklung der Eisenbahn sicher geringer als der englische. Während Bahnsteig und Abteil geblieben sind, wurde aus dem Billett mittlerweile das Ticket mit einem kurzen Umweg über die Fahrkarte. Mit NDR Kultur (ja, NDR Kultur!) habe ich mich über den "slash" bei der Stationsansage unterhalten und lernen müssen, daß dieser englische Schrägstrich aus der Computersprache käme und als Begriff an jener Stelle international gebräuchlich wäre. Das deckt sich mit Ihrer Analyse, daß "Denglisch" weder bei den Ungebildeten zu Hause ist noch bei den Gebildeten, sondern von den Halbgebildeten erzeugt wird, weil diese meinen, mit derartigen Ausdrücken ihre Mängel kaschieren zu können. Vielleicht sollte die Axel Springer AG mit gutem Beispiel vorangehen und aus der "homepage" eine "Hausseite" machen, wie es ja auch den "Haustarif" oder eine "Hauszeitung" gibt, oder aus der "eMail" die "ePost". Doch sollte man nicht übertreiben. Der "Container" etwa müßte bleiben, weil, so habe ich gelernt, der "Behälter" von der Deutschen Bahn für bestimmte Frachtbehälter schon länger etabliert ist. "Flyer" hingegen, wie mir erst gestern wieder einer in die Hand gedrückt wurde, ist dagegen entbehrlich, zumal "Faltblatt" auch nur zwei Silben hat. Ja, man sollte die Werbe- und die Computer- (warum eigentlich nicht "Rechner"?) branche von der Meinung abbringen, "Denglisch" wäre fortschrittlich, zukunftsträchtig, besser verständlich, informativer, kundenfreundlicher, internationaler und was die nicht alles sagen, dann wäre schon viel gewonnen.

Gunter Alfke

Wie lange habe ich darauf gewartet, dass sich mal eine öffentliche Instanz zu diesem Thema äußert. Es wirklich zu bedauern, wie mit unsrer wirklich schönen Sprache umgegangen wird. Ich danke dem HA, dass es sich dieser Sache angenommen hat. Ob es Wirkung zeigt, wage ich zu bezweifeln. Vielen Dank " Hamburger Abendblatt"

Edgar Martini

Zur Denglisch oder dummdeutsche Krankheit ein Zitat von Capt. Jack Bennet`s Buch 40,000 Stunden am Himmel : "Kaum beherrscht ein Durchschnittsdeutscher ein paar englische Sätze, weigert er sich standhaft mit einem Amerikaner oder Englander deutsch zu sprechen". Gnadenlos unterwirft er einem seine mangelhaften englischkenntnisse".

Klaus Lübcke

Gegen einen "Chicago-Platz" hätte ich ja nichts. Dass aber ausgerechnet ein führender Hamburger Politiker den Namen "Chicago Square" für eine Hamburger U-Bahn-Haltestelle vorschlägt, finde ich schlichtweg peinlich. Hat er zuviel Square gedanced? Hat ihn vielleicht sein global Job ausgeburned? Oder hat unser derzeitiger Top-Burgermaster nur einen kleinen, hinterwäldlerischen Minderwertigkeitskomplex? Mein Vorschlag: schenken Sie ihm die Seite in einem großen Bilderrahmen für sein Amtszimmer. Ihr Einsatz für ein einigermaßen deutsches Deutsch findet meine Zustimmung. Weitermachen.

Rolf Tonner

Soviel Dämlichkeit spricht für sich, daß muß man gar nicht weiter kommentieren sondern allenfalls nachsichtig belächeln. Irgendwann werden sich diese „kreativen“ Schöpfer auf die eigene Zunge treten, weil sie ständig dem vermeintlichen Zeitgeist hinterhergehechelt sind.

Andreas Kaluzny

 

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