13.09.12

Theodor-Wolff-Preis

Gauck: Unfreie Presse ist "Gift für die Menschen"

Bundespräsident hebt bei der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises in Berlin die Bedeutung des Qualitätsjournalismus hervor.

Foto: Berliner Morgenpost / Jörg Kraut
Bundespräsident Joachim Gauck war der Ehrengast bei der 50. Verleihung des Theodor-Wolff-Preises der deutschen Zeitungsverleger in Berlin
Bundespräsident Joachim Gauck war der Ehrengast bei der 50. Verleihung des Theodor-Wolff-Preises der deutschen Zeitungsverleger in Berlin

Berlin. Es war kein Geringerer als Bundespräsident Joachim Gauck, der am Mittwoch in Berlin die Laudatio auf die diesjährigen Theodor-Wolff-Preisträger hielt. Ein Mann, der die in Artikel 5 des Grundgesetzes garantierte Pressefreiheit zu schätzen weiß wie keiner seiner Amtsvorgänger, nimmt man den allerersten, Theodor Heuss, einmal aus.

Vor den gut 250 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien in der Ullstein-Halle der Axel Springer AG erinnerte Gauck daran, dass es vor nicht allzu langer Zeit ein Deutschland gab, in dem sich die Presse dazu missbrauchen ließ, Parolen zu verbreiten und die Leser mit Beschwörungen und Beschwichtigungen zu traktieren. "So etwas wirkt ja wie Gift auf die Menschen, auf die ganze Gesellschaft." Guter Journalismus sei das Fundament demokratischer Teilhabe, sagte Gauck.

Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner rief den Journalisten zu, auch im digitalen Zeitalter gebe es keinen Grund zu verzagen. "Eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte." Wenn er die Texte der Preisträger lese, mache er sich um die Zukunft des Journalismus keine Sorgen. "Die Zukunft gehört denen, die daran glauben, dass der Journalismus lebt", sagte Döpfner.

Die fünf Ausgezeichneten standen dann im Mittelpunkt des Abends. Hochbeglückt und hochdekoriert. Den mit 6000 Euro dotierten Preis in der Kategorie "Kommentar/Glosse/Essay" erkannte die Jury Harald Martenstein und seinem Plädoyer gegen den Mainstream zu ("Der Sog der Masse", "Die Zeit"). Die mit je 6000 Euro dotierten Auszeichnungen in der Sparte "Lokales" gingen an Lars Fischer, der sich eine Woche lang als Mülltaucher aus den Abfallcontainern von Supermärkten ernährte ("Ein gefundenes Fressen", "Wümme-Zeitung"), und an Philip Cassier, der beobachtete, wie und warum zwei hochbetagte Freundinnen die beste Hühnerbrühe von Berlin kochen ("Eine Dosis jüdisches Penizillin", "Berliner Morgenpost"). Alexander Gorkow und Volker Zastrow wurden in der Kategorie "Allgemeines" ebenfalls mit je 6000 Euro ausgezeichnet. Gorkow für sein Porträt des Schauspielers Matthias Brandt ("Ein anderes Leben", "Süddeutsche Zeitung"), Zastrow für seine Einordnung des verschleppten Guttenberg-Rücktritts als gesellschaftlich-politisches Phänomen ("Wie Ken den Kopf verlor", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung").

Der Theodor-Wolff-Preis wird seit 1962 vergeben. Er ist damit der älteste und, neben dem Henri-Nannen-Preis, renommierteste deutsche Journalistenpreis. Inzwischen haben sich mehr als 400 Preisträger in die Siegerliste eingeschrieben, die sich wie ein Who's who des deutschen Nachkriegsjournalismus liest.

Sie alle halten heute die Erinnerung an Theodor Wolff wach, der unbestritten der wichtigste Chefredakteur der Weimarer Republik gewesen ist. Wolff hat 27 Jahre lang das berühmte "Berliner Tagblatt" geleitet, für ihn schrieben Alfred Kerr, Kurt Tucholsky und Joseph Roth. Wolff war es, der für sich dekretierte "Ich will mir gern die Finger verbrennen" und der seinen Lesern predigte, man könne eine drohende Diktatur nur bekämpfen, solange sie nicht etabliert sei. Als jüdischer und linksliberaler Journalist gehörte Theodor Wolff zu den Ersten, die von den Nazis mundtot gemacht wurden. Er verließ Deutschland 1933. Seine Irrfahrt führte ihn nach Südfrankreich, wo er im Mai 1943 verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert wurde. Vier Monate später starb Wolff in seiner Heimatstadt Berlin.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Spaziergänger an der Außenalster: Regenschirm und dicke Jacken
Aktualisiert vor 19 MinutenKälte und Regen
Von wegen Sommer: So viel Regen im Mai gab's zuletzt 1990

Es herrscht Schmuddelwetter in Hamburg und Umgebung - und das im vermeintlichen Wonnemonat Mai. Auch für die nächsten Tage ist keine Besserung in Sicht. Es werden sogar Rekord-Niederschläge erwartet. mehr...

Fussball
21.05.13 HAHSV
Arnesen soll noch im Sommer gehen - Rettig der Nachfolger?

Der HSV-Aufsichtsrat hat bereits vor dem Saisonfinale mit drei Nachfolgekandidaten gesprochen. Favorit ist DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig. mehr...

Stasi-Mütze
09:11SED-Erbe
CDU fordert Verbot von DDR-Symbolen

In Uniformen marschieren Ex-Mitglieder eines Stasi-Wachregiments durch Berlin. Solche Provokationen will die Union künftig verhindern – und Symbole des DDR-Saats verbieten. mehr...


Ein israelischer Stützpunkt im Hermongebirge auf den Golanhöhen – zuletzt kam es in dem Grenzbereich wiederholt zu Schusswechseln
07:06Golanhöhen
Israelische Armee erwidert Beschuss aus Syrien

Nachdem israelische Streitkräfte auf den Golanhöhen von Syrien aus unter Beschuss geraten sind, haben sie das Feuer erwidert. Die mit dem Iran verbündete Hisbollah hatte neue Angriffe angekündigt. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Kongress in Hamburg
Scholz und Bayer über Lokaljournalismus

Bürgermeister Olaf Scholz und Axel-Springer-Vorstandsmitglied Jan Bayer referierten beim Lokaljournalismus-Kongress in der Hamburger Handwer…mehr »

Top Bildergalerien mehr
"Tatort"

Wotan Wilke Möhring als "Tatort"-Kommissar Falke

Journalistenpreis

Henri Nannen Preis 2013

Hollywood

Die Oscar-Verleihung 2013

"Wetten,dass..?" in Friedrichshafen

Hamburg Guide mehr
Weitere Dienste alle Dienste
Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr