14.08.12

Umstrittene US-Fernsehshow

"Stars Earn Stripes": Prominenz feuert, Prominenz protestiert

Zum Start der umstrittenen NBC-Show richten Nobelpreisträger wie Desmond Tutu scharfe Kritik an den Sender und fordern die Einstellung.

Foto: Chris Haston/NBC/NBC
Stars Earn Stripes - Season 1
Teile des Casts von "Stars Earn Stripes"

New York City. Der Amerikaner liebt seine Waffen. Und der Amerikaner ist ein Patriot. Soviel zu den Klischees. Soviel zu den plakativen Wahrheiten. Wie gut sich mit diesen Wahrheiten Geld verdienen lässt, probiert gerade der Fernsehsender NBC aus. In seiner neuen Show "Stars Earn Stripes" lässt er Prominente Krieg spielen. Sich ihre "Streifen", also Schulterabzeichen, verdienen. Dschungelcamp 2.0 quasi.

Laila Ali, Tochter des legendären Boxchamps Muhammad Ali, Footballspieler Terry Crews und nicht zuletzt Todd Palin, Ehemann von Tea-Party-Marktschreierin und Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin. NBC hat sich Kandidaten mit unbestrittenem Widererkennungswert vor die Kamera geholt. Angeführt werden sie von US-General Wesley Clark. Sie alle bekommen jeweils einen Partner an die Seite gestellt. Einen Veteranen der Special Forces, also entweder der Green Berets, Navy Seals, Delta Force oder Polizeieinheiten.

Und dann heißt es: Feuer frei. Die Prominenten müssen militärische Aufgaben bewältigen. Sei es aus einem Helikopter zu springen. Gegenstände zu sprengen. Oder eben mit scharfer Munition aus großkalibrigen Waffen zu feuern. Was erst einmal klingt wie ein realität-gewordenes Computerspiel, glorifiziert eigentlich doch das amerikanische Selbstverständnis. Der Sieger spendet seinen Gewinn an einen Veteranenverband. Ordnung muss sein.

Sämtliche Action wird mit Sicherheitsabstand inszeniert. Die Gefahren, die für Soldaten im Feld lauern, kann man nicht simulieren. Die größte Bedrohung für Palin, Ali und Co. ist das Aus, für die Produzenten die Absetzung.

Im Lager der amerikanischen Militärs dürfte man den Start der Show mit größtem Wohlwollen sehen. Wie könnte man eine zunehmend kriegsmüde Nation besser rekrutieren als mit Prime-Time-Unterhaltung vor dem heimischen Fernseher?

Der internationale Aufschrei nach der Ankündigung, die "gefährlichste Show, die je erfunden wurde", auszustrahlen, dürfte eiskaltes Kalkül der Macher gewesen sein. Wer könnte schließlich besser für ein solches Format werben als der südafrikanische Erzbischof und Freiheitskämpfer Desmond Tutu? Der geißelte die Show als "Versuch, Krieg zu säubern und als Sportwettbewerb zu inszenieren." Andere Friedensnobelpreisträger stimmen in die Kritik ein.

Am heutigen Montag geht "Stars Earn Stripes" auf Sendung. Die Show sei ein "ungenierter Liebesbrief an die Frauen und Männer in Uniform". So nennen es die Produzenten. "Krieg ist keine Unterhaltung und sollte auch nicht so dargestellt werden", entgegnen Tutu und Co. in einem offenen Brief an den Senderchef Bob Greenblatt. "Wir rufen NBC auf, die Sendung nicht mehr auszustrahlen."

Südafrikas Erzbischof Desmond Tutu hat scharfe Kritik an der Show geäußert
Foto: picture-alliance/ dpa/DPA Südafrikas Erzbischof Desmond Tutu hat scharfe Kritik an der Show geäußert
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