Medien ARD-Dokus 2016: Platz für Fluchtthemen

MDR-Intendantin Karola Wille und ARD-Programmdirektor Volker Herres.

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MDR-Intendantin Karola Wille und ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Viele Dokumentationen und Reportagen zieren das ARD-Programm auch im Jahr 2016, das Thema Flucht nimmt einen hohen Stellenwert ein. Kritik bleibt den Programmmachern seitens der Autoren jedoch nicht erspart.

Berlin. Rund 870 Dokumentationen und Reportagen wird die ARD im Jahr 2016 in ihrem Ersten bringen. Das teilte der Senderverbund am Mittwoch in Berlin mit - das ist in etwa der Wert des Vorjahres. Das Thema Flucht wird dabei viel Raum einnehmen.

"Es ist unsere Pflicht, in Zeiten digitaler Aufgeregtheit und der damit einhergehenden ungefilterten Informationsflut glaubwürdig und kompetent zu informieren", sagte Programmdirektor Volker Herres. "Wir wollen hinter politische Aussagen und populistische Parolen schauen, um aufzudecken und einzuordnen."

Zum Angebot gehören unter anderem die Dokumentationen "Der Islam-Report" von Peter Gerhardt und Ahmet Senyurt sowie die Langzeitbeobachtung "Flucht nach Deutschland".

"Wesentlich für gute Produktionen ist aus unserer Sicht auch eine vielfältige und starke Produzentenlandschaft", sagte die ARD-Vorsitzende Karola Wille mit Blick auf die gesamte Dokumentarfilmszene. "Gerade im Doku-Bereich ist sie auch geprägt von engagierten Einzelkämpfern, die mit Leidenschaft ihrer Bestimmung folgen. Wir sind mit unseren Partnern im Gespräch und setzen uns für ausgewogene Vertragsbedingungen ein." Zu Beginn dieses Jahres habe die ARD neue Eckpunkte für von ihr beauftragte Produktionen in den Genres Fiktion, Unterhaltung und Dokumentation auf den Weg bringen können, um allen Beteiligten bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Die deutschen Dokumentarfilmer, die zu den schärfsten Kritikern der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten zählen, sehen die ARD zwar "auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel", wie Thomas Frickel, Vorsitzender des Dokumentarfilmer-Interessenverbands ag dok, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch sagte. Im Vergütungsgefüge bildeten seine Mitglieder immer noch das "Schlusslicht", sie bekämen zum Teil nur ein Drittel dessen, was fiktional arbeitende Regisseure erhielten. Vielfach fehle in den TV-Dokumentarbeiträgen die tatsächliche Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Oft handele es sich um simple Ratgeberfilme. Die Dokumentarfilmer stehen Frickel zufolge außerdem unter starkem Zeitdruck.

Zum Doku-Programm im Ersten gehört unter anderem im Umfeld der Olympischen Spiele "Der Traum von Olympia - Die Nazi-Spiele von 1936". Im Beitrag "Inside Nordkorea" geht es um die Frage, wie man dokumentarisch arbeiten kann in einem Land, das genau das zu verhindern versucht. Der russische Regisseur Vitaly Mansky bekam die Drehgenehmigung für einen Drehzyklus von drei mal zwei Wochen.

Der Film "Die Nacht als Jenny Böken starb" befasst sich mit dem Tod einer Marinesoldatin an Bord des Segelschulschiffs Gorch Fock. Ex-"Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust steuert fürs Erste den Beitrag "Hitlers erster Feind" über den Journalisten Konrad Heiden (1901-1966) bei. Und trotz seines Vox-Comebacks ist weiter TV-Koch Tim Mälzer an Bord der ARD: Er präsentiert vier Mal seinen "Lebensmittelcheck".