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Medienmacher

Beim "Handelsblatt" schrieb nicht nur Online-Chef Sven Scheffler ab

Ein Artikel über den Getränkehersteller Red Bull im "Handelsblatt" ähnelt auffallend einer zuvor erschienenen Geschichte im "Manager Magazin".

Medienautor Kai-Hinrich Renner
Foto: HA / A.Laible

Seltsam bekannt kam Redakteuren des in Hamburg erscheinenden "Manager Magazins (MM)" vergangenen November eine Geschichte des "Handelsblatts" über den Getränkehersteller Red Bull vor. In dem Stück hieß es: "Sport war dabei immer das große Werbemedium für die Marke und hat sie in Rekordzeit populär und groß gemacht. Bald eine halbe Milliarde Euro Marketinggelder fließen mittlerweile in die Taschen von Vereinen und Veranstaltern. Mit fast 600 Sportlern hat Red Bull individuelle Werbeverträge - von Extrembergsteiger Stefan Glowacz bis zum Fußballstar Mario Gomez".

Die MM-Redakteure Simon Hage und Wolfgang Hirn hatten keine drei Monate zuvor in ihrem Artikel "Der Bull-Doser" formuliert: "Sport ist das große Werbemedium für Red Bull. Bald eine halbe Milliarde Euro fließt aus dem Marketingetat in die Taschen von Sportlern, Vereinen und Veranstaltern. Mit fast 600 Sportlern hat Red Bull individuelle Werbeverträge - vom Extrembergsteiger Stefan Glowacz bis zum Extremabsteiger Mario Gomez."

Der stellvertretende MM-Chefredakteur Martin Noé wurde wegen dieser seltsamen Übereinstimmung bei "Handelsblatt"-Chef Gabor Steingart vorstellig, der umgehend handelte: Die Redakteurin, die sich bei den Kollegen aus Hamburg ungefragt bedient hatte, musste umgehend das Blatt verlassen. Die noch relativ junge Journalistin, die direkt von der Journalistenschule zum "Handelsblatt" gekommen war, hatte zuvor schon wegen einer anderen Sache eine Abmahnung erhalten. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass auch der ehemalige Online-Chefredakteur des "Handelsblatts" Sven Scheffler abgeschrieben hatte.

Diesen Sonntag sollte um 18 Uhr im ZDF die Reportage "Retro statt Ramsch" über das Versandhaus Manufactum der Hamburger Dokumentarfilmerin Rita Knobel-Ulrich laufen. Aus Aktualitätsgründen bringt das Zweite aber einen Beitrag über EHEC. Dabei wäre es interessant gewesen zu sehen, wie sich Knobel-Ulrich dem Thema nähert. Manufactum gehört zur Hamburger Otto Gruppe. Für das Unternehmen hat die TV-Journalistin, die zu den renommiertesten deutschen Dokumentarfilmern zählt, laut eigener Website zwischen 1987 und 2003 mehrere PR-Filme gedreht. Ob Beiträge für ein "Video-Mitarbeiter-Journal" (1987-1989), Porträts der "weltweit tätigen Unternehmen" der Gruppe (1989), die "filmische Begleitung eines neuen Einkaufscenters von der Planung bis zur Fertigstellung" des Otto-Schwesterunternehmens ECE (1992), "einen Film über die Umgestaltung des Bahnhofs in Leipzig" für die ECE-Tochter BME (1996-1997), Porträts neuer Otto-Töchter "in Korea, China und Taiwan" (1999) oder "persönlich gestaltete Geburtstagsfilme" für Firmenpatriarch Werner Otto (1989) und Sohn Michael (2003) - Knobel-Ulrich war bei Otto bestens im Geschäft.

War sie angesichts dieser Nähe zu Otto nicht zu befangen, um für das ZDF ein Stück über eine Otto-Tochter zu drehen? Knobel-Ulrich sagt, nicht sie habe das Thema vorgeschlagen. Das ZDF habe bei ihr einen Film über Manufactum bestellt. Sie habe zu Beginn des Drehs auch nicht gewusst, dass Manufactum zu Otto gehört. Dies habe sie erst später erfahren. Doch auch als sie über die Besitzverhältnisse im Bilde war, informierte sie das ZDF nicht über ihre einstigen Otto-Engagements: "Ich sah da keine Interessenskollision", sagt sie. Das ZDF bestätigt dies. Der Sender zweifle nicht an ihrer Unabhängigkeit.

Am Mittwoch werden in den Deichtorhallen die Lead Awards verliehen. Erstmals verzichtet der Zeitschriftenpreis auf ein begleitendes Symposium. "Wir planen dafür zum 20. Jubiläum der Lead Awards im kommenden Jahr ein größeres Symposium", sagt der Vorsitzende der Lead Academy Markus Peichl. Ob der Preis dann noch in Hamburg verliehen wird, ist ungewiss. Zuletzt hatte die Stadt den Etat für die Veranstaltung um 5000 auf 70 000 Euro gekürzt. Am Freitag will die Lead Academy mit dem Senat über die Zukunft der Lead Awards in Hamburg sprechen.

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