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Theater

Fegefeuer der Läuterungen

Purgatory kommentiert auch den Irak-Konflikt. Premiere ist am 8. 2. in den Kammerspielen

Eigentlich sollte die Uraufführung von "Purgatory" ja in London stattfinden. Ein glücklicher Zufall bescherte das Ereignis nun jedoch den Hamburger Kammerspielen. Autor Ariel Dorfman ("Der Tod und das Mädchen") kam mit seiner geplanten Inszenierung in der britischen Hauptstadt nicht in die Puschen. Jetzt präsentiert Peter Löscher mit Charlotte Schwab und Herbert Knaup Dorfmans rätselhaft fiktionale Variante des Medea-Mythos in Hamburg: Die Kindermörderin und ihr verräterischer Gatte Jason hadern im Fegefeuer (Purgatory) mit den Fragen von Rache, Schuld und Vergebung. Wie schon in seinem Kammerspiele-Erfolg "Blue Room" hat sich Löscher wieder ein starkes Darsteller-Duo gesichert: "Der etwas konstruiert intellektuelle Text läuft nur über die Schauspieler", behauptet der Regisseur. "Von ihrer Kraft und Courage, miteinander in spannnungsvollen Clinch zu gehen, hängt das Stück ab. Unsere eigentliche Arbeit besteht darin, es mit Leben, Situation und eigener Erfahrung zu füllen." "Purgatory" scheint zwar an einem konkreten Ort zu spielen. Dennoch ist die Zelle, angesiedelt in einem Knast oder einer Klinik, eher ein geistiger Raum der Erinnerungen. "Filmartig wechseln Rollen und Dialogspiel zwischen realer und metaphysischer Ebene. Wir befinden uns in der Antike, in der Vorhölle oder 2003 bei einem bürgerlichen Paar." Im Fegefeuer des Läuterungsprozesses kreisen die beiden Menschen aus einander fremden Welten letztlich ausweglos um die Widersprüche zwischen archaischem Vergeltungswillen und aufgeklärt humanem Verzeihen. Ein Zwiespalt, der den im amerikanischen Exil lebenden Chilenen Ariel Dorfman offenbar auch persönlich bewegt. Er zieht sich thematisch durch sein Werk, klingt in seiner Autobiografie ebenso an wie in seinem Erfolgsstück "Der Tod und das Mädchen". Als Mitglied der Allende-Regierung überlebte Dorfman nur durch Zufall die Nacht des Pinochet-Massakers, während ein Freund an seiner Stelle starb. In "Purgatory" versteht er den Gewissenskampf der Figuren aus westlicher und östlicher Welt aber auch als Kommentar zum aktuellen Irak-Konfikt, was der Autor in einer E-Mail an die Kammerspiele bestätigte. Darin bedankt er sich beim gesamten Team dafür, dass es in diesen Zeiten der Krise und Blindheit sein Drama dem Publikum vorstellt, "das es wirklich nötig haben könnte, über diese Fragen nachzudenken. Und über eine seltsame allgemeine Menschlichkeit, die uns an unsere schlimmsten Feinde bindet". Purgatory Premiere Sa 8. 2., 20.00, Hamburger Kammerspiele (U Hallerstraße), Hartungstr. 9-11, Voraufführungen 6. und 7. 2., 20.00, Karten zu 14,- bis 25,- unter T. 41 33 44 44

 

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