Konzert im Stadtpark
Social Distortion: Jazz ist anders, Punk aber auch
Die vier altgedienten California-Punker von Social Distortion hatten im fast ausverkauften Stadtpark ihre Mühe beim Bespaßen von 3800 Fans.
Hamburg. An mein erstes Tattoo denke ich nicht so gern zurück. Das liegt nicht daran, dass damals 1997 im Stecher-Studio in der Erichstraße Social Distortion aus den Boxen grölte, sondern weil wenige Monate später ein Schulfreund mit dem gleichen Motiv um die Ecke kam. Merke, lieber Tattoo-Freund: Nie! Nie! Niemals Katalogware unter die Haut jagen lassen! Gut, dass Social Distortion beim Konzert am Dienstag im gut gefüllten Stadtpark von den zahlreichen Körperschmuckwerken im Publikum ablenkt. Man wäre sonst versucht, aus reiner Nostalgie nach weiteren Motiv-Doppelgängern zu schauen.
Frontbrocken Mike "Mommy's Little Monster" Ness ist erwartungsgemäß der Chef im grünen Ring. Mit seinem 30er-Mafioso-Look und weißem Hemd sticht er aus der Masse von schwarzen Shirts und karierten Hemden auf und vor der Bühne heraus. Nach "I Was Wrong" geht aber schon beim zweitem Song "So Far Away" der Borsalino-Hut hoch, weggepustet von klassischem, seit 1979 kultivierten California-Punk.
Und doch ist die Stimmung im Vergleich zu den vier ausverkauften Docks-Shows im Vorjahr eher entspannt als erhitzt. Ness marschiert mit den guten weißen Schuhen über den Rasen und startet so einen Vier-Mann-Pogo in der ersten Reihe, die übrigen 3800 Fans beschränken sich aber an diesem "Sommertag in Hamburg" auf gemütliches Mitwippen. "Vielleicht ist es noch etwas zu früh für Rock 'n' Roll", vermutet Ness. Langsam wird er wütend. Vielleicht hat er mitbekommen, dass bei den Social-Distortion-Epigonen The Offspring im Mai an gleicher Stelle Alarm in Bechern herrschte. "Machine Gun Blues" wird abgefeuert. Der Pogo-Pit verdoppelt sich. Ein hartes Stück Arbeit.
Was soll's, die Band ist ja flexibel, schlichtes Runterrattern der Setlist ist nicht ihr Ding. "Sick Boys" sorgt für erste Mitsing-Chöre, stetes Rocken höhlt "Cold Feelings" mit "Story Of My Life": Der erste - und einzige - Crowdsurfer schwappt in den Graben, versucht die Bühne zu entern und bekommt von den aus dem Halbschlaf aufgeschreckten Ordnern einen saftigen Ringkampf verpasst. Vier gegen Einen. Eins-zwo-drei-vier. Zeit für Punkrock, es wird dunkel.
Aber kaum ist die Sonne nach einer Stunde Spielzeit verschwunden, geht es mit "Dear Lover" und "Reach For The Sky" schon in den Zugabeblock. Noch ein wenig Carl Perkins ("Let The Jukebox Keep On Playing"), noch ein wenig mehr Johnny Cash ("Folsom Prison Blues" und "Ring Of Fire"), und ein insgesamt lauer Auftritt erreicht nach 90 Minuten sein Ende. Kein Abend, an den man gern zurück denkt.
















