Konzert im Stadtpark
Satriani, Vai, Morse: Griffbrett hoch, Griffbrett runter
Die Gitarren-Stars Joe Satriani, Steve Vai und Steve Morse zeigten im Stadtpark, was an sechs Saiten so alles möglich und unmöglich ist.
Hamburg. "Wie viele Gitarristen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Drei: Einen, der sie austauscht, einen, der erzählt, wie Jimi Hendrix es gemacht hätte und einen, der einen Song über die viel schönere alte Glühbirne schreibt." Die Stimmung ist gut vor dem Konzert der US-Gitarren-Virtuosen Joe Satriani, Steve Vai und Steve Morse am Dienstag im Stadtpark. Die Sonne scheint auf 2000 Musiker(-Fans), man erzählt sich Musikerwitze, stemmt Musikerbrause und genießt Musikersalat aus Thüringen und Krakau. Es sind ja auch große Namen, die auch vielen geläufig sind, die kein "Gitarre & Bass"-Abo haben. Joe Satriani, der Mentor von Kirk Hammett (Metallica) und Ideen-Tauscher mit Tom Morello (Rage Against The Machine) und 1993 bis 1994 Saitenbieger bei Deep Purple. Sein Purple-Nachfolger Steve Morse. Und Frank Zappas Schützling Steve Vai, der Mann mit den markanten Tragegriffen an seinen Ibanez-Gitarren.
Zusammen sind sie die "G3", ein 1996 von Satriani initiiertes Live-Projekt mit wechselnden Gästen, zuletzt 2007 mit Paul Gilbert (Mr. Big) und John Petrucci (Dream Theater). Den Beginn im Stadtpark übernimmt Steve Morse. 45 Minuten "Rising Power" auf Blues-, Hard-, Progressive- und Southern-Rock. Bassmann und Trommler sorgen für die Schlagzahl und Morse lässt vor dem Ventilator Haare wehen und Saiten stöhnen. Ein "StressFest" für das Material, ohne "Cruise Control".
Schrubben, Picken, Tappen, Tremolieren, Wah-Wah-Jaulen. Griffbrett hoch, Griffbrett runter. So geht es mit Steve Vai und neuer Begleitband weiter. "The Audience Is Listening": Lautstärke, Tempo und Verzerrung ziehen deutlich an, Vai spielt seine vier Jungs weitere 45 Minuten gegen die Wand seiner Tonwerke, bis das Verstärkerkabel aufgibt und klagendes Brummen und Knuspern verursacht. Ohren und Gerät pfeifen um die Wette bei diesem von wenigen ruhigen Läufen unterbrochenen Exzess der überdrehten Übersteuerung.
Dann Joe Satriani. Nur echt mit Sonnenbrille. Noch mal 45 Minuten. Der spielt sich weniger in den Phon-Vordergrund als Steve Vai, aber auch seinen Flitzfingern ist schwer zu folgen. Acht Arme, acht Hände, acht Töne, ach, Akkorde, in einem Takt. Gefühlt minutenlange Feedback-Luftlöcher, die einem den Atem nehmen. Und doch zeigt Satriani ein sehr ausgewogenes, sensibles Spiel und erweist sich als erster Künstler des Abends, bei dem man keinen Sänger vermisst. Er ist in der Tat das historische Bindeglied zwischen Jimi Hendrix und Tom Morello. Männer, bei denen die Gitarre singt und Geschichten erzählt.
Die Historie der Stromgitarre wird im Finale gemeinsam aufgerollt. "You Really Got Me" von den Kinks (Vai singt), "White Room" und "Sunshine Of Your Love" von Cream, "Rockin' In The Free World" (Satriani "singt") von Neil Young sowie eine wilde Solo-Mischung von Sabbath bis Zeppelin schließen das 160 Minuten lange Gipfeltreffen ab. Und dafür, dass sich Gitarristen einem alten Musiker-Jux nach nie auf der Bühne hören, haben sich die "G3" auch kaum verspielt. Außer beim kurzen Zitat von "Smoke On The Water". Aber das ist ja auch irre schwer.
















