Das Berliner Label Asphalt Tango Records bringt neue CDs der rumänischen Brass-Formationen Fanfare Ciocărlia und Mahala Rai Banda in die Läden.


Foto: Asphalt Tango

Die Berliner Plattenfirma Asphalt Tango Records kümmert sich schon seit Jahren liebevoll um die Pflege neuer und traditioneller Klänge aus dem osteuropäischen Raum. Hinter dem, was international als Balkan-Sound oder Gypsy-Brass betitelt wird, verbirgt sich in der Regel rumänische Blasmusik, die jedoch keineswegs mit den altbackenen Klischees des Genres behaftet ist.

Die Musiker der Fanfare Ciocărlia, in der Regel etwa ein Dutzend, zählen zu den Hauptprotagonisten dieses Stils. Und die Formation ist jetzt auf gleich zwei neuen Veröffentlichungen zu erleben.

Zum einen ist jetzt das Album  "Best of Gypsy Brass" als 180-Gramm-Vinyl-Edition auf den Markt gekommen. Zu hören ist darauf unter anderem eine Fanfare-Version des Steppenwolf-Klassikers „Born To Be Wild“, der auch schon in der Kino-Satire „Borat“ zum Einsatz kam.

Zum anderen erschien die CD „Fanfare Ciocărlia Live“. Die 16 Aufnahmen transportieren viel von der wahnwitzigen, schweißtreibenden Energie, die die Kombo bei ihren Auftritten erzeugt. Denn ihr Sound liefert, dem Techno nicht ganz unähnlich, eine extrem hohes Tempo. Die Band brilliert mit Coverversionen wie einem schön-schräg groovenden „Summertime“ inklusive rauer Scat-Einlage. Aber auch zahlreiche Eigenkomposition brettern und scheppern höchst mitreißend und melodisch dahin, immer auf dem schmalen Grat zwischen schmachtender Sehnsucht und purer Euphorie. Ergänzt wird die CD von einer DVD, die die Geschichte der Fanfare Ciocărlia erzählt. Die Roma-Kapelle wurde 1996 von dem Berliner Toningenieur Henry Ernst entdeckt und startete fortan von ihrem ostrumänischen Heimatdorf Zece Prăjini aus eine internationale Karriere.

Die Herkunft verbindet die Fanfare Ciocărlia auch mit der nächsten Neuveröffentlichung aus dem Hause Asphalt Tango Records. Denn die Gruppe Mahala Rai Banda vereint die Blechbläser-Tradition aus Zece Prăjini mit dem musikalischen Wissen aus dem Dorf Clejani. Südwestlich von Bukarest ist der kreative Nährboden für Geiger, Bassisten, Cymbalon- und Akkordeon-Spieler offensichtlich besonders gut. Das Ergebnis dieser Fusion ist das raffinierte und höchst tanzbare Gypsy-Crossover-Album „Ghetto Blasters“.

Ska und Pop, sogar Rumba und Charleston-Swing sowie Manele, der Turbo-Folk türkischer Herkunft, vereinen sich mit traditionellen orientalischen und osteuropäischen Einflüssen. Teils mehrstimmiger, männlicher und weiblicher Gesang sorgt für zusätzliches Feuer. Und wer da bei Stücken wie „Solo Para Ti“ noch die Füße still hält, ist selbst schuld.

Fanfare Ciocărlia: Best Of Gypsy Brass (Asphalt Tango Records)

Fanfare Ciocărlia: Live (CD) + Gypsy Brass Legends – The Story Of The Band (DVD) (Asphalt Tango Records)

Mahala Rai Banda: Ghetto Blasters (Asphalt Tango Records);

www.asphalt-tango.de

Bewertung: hörenswert