Noiseaux: "Out Now"
Von der Ekstase bis zur Erschöpfung
Das Quintett um die Hamburger Sängerin Noah Sow plädiert mit seinem Afro-Punk für Freiheit – privat, politisch und party-technisch.
Foto: Artist Station
Eine Kiezgöre bricht sich Bahn. Noah Sow ist als Musikerin, Autorin, Moderatorin und politisch Engagierte ohnehin nicht gerade für ihre Passivität bekannt. Jetzt legt sie mit ihrem ihrer neuen Band Noiseaux das Debütalbum „Out Now!“ vor.
Und schon der erste Song „Wartezimmer“ – frei nach einem Gedicht von Ernst Jandl – gibt das hohe Energielevel der Platte vor. Ein geradeaus rockender Sound, der viel vom impulsiven Crossover der 90er-Jahre in sich trägt. Das ist musikalisch ebenso wenig neu wie es Slogans à la „Das Ziel ist im Weg“ sind. Aber bei der 1974 in Bayern geborenen Power-Chanteuse wirkt das lässig statt einstudiert, kraftvoll statt kokett.
„Der Afro-Punk grassiert zur Zeit heftigst in den USA und England und wird wohl auch an den deutschen Grenzen nicht Halt machen. Noiseaux bereiten dafür den Boden, beziehen Stellung, bereit das Land zu infizieren“, heißt es in der Info des Labels. Doch dass da eine schwarze Sängerin zu treibenden Gitarren und knackigen Beats agiert, ist nicht das einzige Charakteristikum des Quintetts. Der Background der Band bewegt sich zwischen Korea, den Philippinen, Deutschland, Mexiko, Frankreich und dem Senegal. Aus dieser multi-ethnischen Perspektive scheint es nur konsequent, dass die elf Songs direkt in zweifacher Ausführung als Doppel-CD erscheinen - einmal auf Englisch und einmal auf Deutsch.
Die inhaltlichen Parameter, die Noah Sow auf „Out Now“ absteckt, bewegen sich zwischen Party, Politik und Privatem. Mit „Stempel“ liefert sie einen famosen Soundtrack für eine Nacht auf St. Pauli – von der Egal-Bar bis zum Elbstrand, von der Ekstase bis zur Erschöpfung. Der Song feiert Orte, die euphorisieren und Trost spenden in Phasen wie diesen: „Meine Seele fühlt sich an wie dritte Liga dann und wann“.
„Keine Kommentare“ kann als vertonte Kurzversion von Noah Sows 2008 erschienenen Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ verstanden werden. Sow lotet darin die Standards von Normalität zwischen Dauerwelle und Afro aus. Und in Stücken wie „Chaos“ und „Endlich Wut“ plädiert sie für persönliche sowie soziale Freiheit. Mitunter wird da die Anarchie recht plakativ eingefordert. Aber zu dieser Platte passt das. Keine Inszenierung von Elfenhaftigkeit oder „sex sells“, sondern ein lautes Statement. (bir)
Noiseaux: Out Now (Artist Station Records/Soulfood), www.noiseaux.com
Bewertung: hörenswert
- Noiseaux feiert die Veröffentlichung von „Out Now“ am 18.9. ab 21 Uhr in der Bar 227, Sternbrücke
- Delta Radio stellt die Platte in “Melles Mixtape” vor: 20.9., 21.40 Uhr




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