Interview
Fast der "fünfte Beatle"
Klaus Voormann war vom Anfang bis Ende der Beatlemania und darüber hinaus Wegbegleiter der Beatles. Nun hat er mit alten Freunden sein erstes Album "A Sideman's Journey" aufgenommen.
Foto: Universal
Lässt man die frühen Beatles-Mitglieder Pete Best und Stuart Sutcliffe einmal außen vor, dann wäre der 1938 gutbürgerlich in Berlin geborene Musiker, Grafiker und Autor Klaus Voormann (71) einst beinahe der „fünfte Beatle“ geworden. Denn im Jahr 1960, Voormann arbeitete als freier Grafiker in Hamburg, hörte er bei einem Kiezbummel Krach aus dem Kaiserkeller, ging ihm nach und traf auf die frühen Beatles. Ein Gespräch in der Pause war der Beginn einer langen und engen Freundschaft. Doch nachdem Voormann Stuart Sutcliffe seinen Bass abkaufte, um ihn bei den Beatles zu ersetzen, übernahm Paul McCartney die vier Saiten.
Dennoch sollte Voormann großen Einfluss auf die Popgeschichte haben. Er entwarf 1966 das berühmte Beatles-Plattencover von „Revolver“ und bekam dafür nicht nur ein Honorar von 50 Pfund, sondern auch als erster Deutscher einen Grammy. Nach der Trennung der Fab Four spielte er Bass für die neuen Bands von John Lennon, Ringo Starr und George Harrison und erhielt als Teil von Harrisons "Concert For Bangla Desh" (1971) einen weiteren Grammy. Während seiner Musiker-Karriere stand er auch vielen weiteren Stars von B.B. King über Lou Reed und Manfred Mann bis Harry Nilsson zu Diensten und produzierte Alben von Westernhagen und Trio.
Heute lebt Voormann mit seiner Familie am Starnberger See, entwirft immer noch Album-Cover und legte nach 30 Jahren wieder Hand an den Bass: Sein Album „A Sideman’s Journey“, aufgenommen mit zahlreichen alten Weggefährten wie Paul McCartney, Ringo Starr und Joe Walsh, ist soeben erschienen. Das Abendblatt traf Voormann zum Gespräch im Hamburger Café Schöne Aussichten:
Hamburger Abendblatt: Herr Voormann, auf Ihrem neuen und ersten Album „A Sideman’s Journey“ sehen und hören wir zahlreiche Stars wie Paul McCartney, Ringo Starr, Joe Walsh, Albert Lee, Dr. John oder Yusuf Islam, auf der CD-Hülle sehen wir Sie aber abseits von den hübsch gruppierten Künstlern einsam am Bass sitzen. Sind Sie tatsächlich nur ein „Sideman“, eine Randfigur?
Klaus Voormann: Ja, schon. Ich war ja eher ein Arbeiter im weitesten Sinne und kein professioneller Musiker. Ich konnte nie Noten lesen, sondern hab mir als Bassist immer nach Gehör einfach etwas ausgedacht, was passen könnte. Ein Bass-Künstler wie Paul war ich nie.
Abendblatt: Sie sind ja kein Newcomer im eigentlichen Sinne – Wie kam es zu Ihrem Album-Projekt?
Voormann: Ich wurde letztes Jahr 70 Jahre alt und meine Frau Christina fand, ich sollte mich mal auf die Socken machen und die Jungs zusammentrommeln. Nicht nur, um ein Album aufzunehmen, sondern um den Erlös auch einem wohltätigen Zweck zugute kommen zu lassen. Christina widmet sich dem „Water Is Life – Lakota Enviroment & Health“-Projekt im Pine Ridge Reservat in South Dakota. Der Stamm der Oglala Lakota ist durch Umwelteinflüsse vom Aussterben bedroht und unser „Lakota Village Fund“ engagiert sich für die Erforschung der Ursachen und der Regenerierung und Verbesserung der Lebensumstände.
Abendblatt: Paul McCartney gab dem Projekt vor zehn Jahren Starthilfe und ist jetzt auch auf dem Album dabei. Nicht jeder hat so einen Freund im Adressbuch stehen.
Voormann: Trotzdem war es zu Beginn sehr schwierig für mich, denn ich hatte zu den meisten der beteiligten Musiker lange keinen Kontakt mehr. Seit ich 1979 wieder nach Deutschland gekommen war, hatte ich zwar noch Trio produziert, aber ansonsten nichts mit Musik am Hut und mich mit Grafik beschäftigt.
Abendblatt: Aber warum haben Sie denn mit der Musik aufgehört? Jeder Musiker würde davon träumen, mit John Lennon beim „Toronto Rock & Roll Revival“ oder mit George Harrison beim „Concert For Bangla Desh“ aufzutreten.
Voormann: Ich hätte noch Musik studieren können, aber wofür? Mit dem, was ich musikalisch zu bieten hatte, hatte ich mein Ziel, mit meinen Idolen Musik zu machen, schon erreicht.
Abendblatt: Sie sind nach Memphis, Los Angeles und London gereist für die Studio-Sessions zu „A Sideman’s Journey“. War das ein Geben und Nehmen mit Ihren Studiogästen oder hatten Sie alles in der Hand?
Voormann: Ich hatte meistens konkrete Vorstellungen, wie die Songs klingen sollten, damit etwa „My Sweet Lord“ mehr ist als eine bloße Kopie und anders klingt als von George Harrison. Mit neuen Ideen machte es uns mehr Spaß. Wenn Du einen Jim Keltner, einen Van Dyke Parks im Studio hast, dann passiert was! Ich bin einfach mit meiner externen Festplatte von Studio zu Studio gezogen und habe hier Paul, da Ringo ihre Sachen einspielen lassen.
Abendblatt: Entstanden sind dabei zahlreiche neu interpretierte Klassiker von Fats Domino, Carl Lee Perkins oder Bob Dylan, aber mancher wird John Lennons „Imagine“ vermissen, schließlich waren Sie Teil der Entstehungsgeschichte dieses Songs, wie man in Ihrem Buch „Warum spielst du Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John?“ lesen kann.
Voormann: Ja dann frage ich mal zurück: Wer soll „Imagine“ singen?
Abendblatt: John Lennon.
Voormann: Fände ich auch, das wäre ganz nett.
Abendblatt: Was natürlich schwierig ist, solange John Lennon tot ist.
Voormann: Das war bei vielen Liedern der Fall. John Lennon ist tot, George Harrison ist tot, Billy Preston ist tot, Jesse Davis ist tot. Die Reihen lichten sich, wenn man 70 Jahre alt geworden ist. Und eine Performance wie „Imagine“ oder „Without You“ von Harry Nilsson – der ist auch tot – kann man nicht toppen.
Abendblatt: Werden Sie auch wieder live auftreten, hier in Hamburg zum Beispiel?
Voormann: Nö, das habe ich nicht vor. Ich bin auch leider nicht mehr oft in Hamburg, obwohl ich die Stadt sehr gerne mag. Aber der Kiez ist scheiße.
Abendblatt: Na, in den 60ern bekam man auch schnell die Jacke vollgehauen.
Voormann: Ja, aber auf eine andere Art. Straßen-Kriminalität und Halligalli-Kultur war damals… unprofessioneller und nicht so aufdringlich und aggressiv. Für mich ist es immer ein Schock, zu sehen, wie sich das verändert hat.
Abendblatt: Haben Sie noch Kontakt zu Beatles-Fotografin Astrid Kirchherr?
Voormann: Ja. Wir telefonieren öfters. Klasse Frau.
Abendblatt: Und Yoko Ono?
Voormann: Yoko ist eine große Künstlerin und Dichterin. Eine sehr witzige Persönlichkeit, aber manchmal auch a pain in the ass.
Abendblatt: Um von Yoko auf die Beatles zu kommen: Sie hatten ja nach ihrer Trennung 1970 die Freundschaft zu allen erhalten können. Waren Sie ein stiller Postbote zwischen John, George, Paul und Ringo?
Voormann: Ja, ich war eine Art Katalysator zwischen den Persönlichkeiten. Stellen Sie sich das wie in einer zerbrochenen Ehe vor, in der die Partner beide Kontakt zu alten Familienfreunden haben. Aber das war schon sehr zerrüttet. Eigentlich waren sie schon keine Band mehr, nachdem sie 1966 aufhörten zu touren.
Abendblatt: In dieser Zeit haben Sie das „Revolver“-Cover gestaltet. Arbeiten Sie noch für Bands?
Voormann: Ja, gerne. 2003 zum Beispiel habe ich „Scandinavian Leather“ für Turbonegro entworfen oder dieses Jahr mit meinem Sohn Max die Single „Gloria“ für Mando Diao.
Abendblatt: Ist ihre Kunst in Zeiten, in denen Cover nur winzig auf dem iPod erscheinen, denn nicht verschenkt?
Voormann: Überhaupt nicht. „Scandinavian Leather“ erkennt man auch als Briefmarke. Man muss sich darauf einstellen und mit der Zeit gehen. Ich höre auch gerne aktuelle Künstler wie Coldplay und Eminem.
Abendblatt: Wie gefällt Ihnen denn die Hülle des „Weißen Albums“ von den Beatles?
Voormann: Gut, sehr gut! Weiße Mäuse im Schnee, das regt die Fantasie an.




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