Olli Dittrichs Zwischenbilanz: Ein Mann hat viele Gesichter
Der Comedy-Star legt viereinhalb Stunden mit den besten Rollen aus 20 Jahren auf den Gabentisch
Manche kennen ihn nur als "Dittsche", der Sonntag für Sonntag im Bademantel Ingos Imbiss betritt und über Gott und die Welt, vor allem aber über Themen aus der "Bild" philosofaselt. Am Ende noch ein kurzer Dialog mit dem "Krötenmann" ("Halt die Klappe . . ."), und schon hat Olli Dittrich wieder "Feierabend".
Für den unkonventionellen Wochenrückblick aus der Sicht eines Arbeitslosen und notorischen HSV-Fans hat der gebürtige Offenbacher aus Langenhorn ebenso den Grimme-Preis erhalten wie für "Zwei Stühle - Eine Meinung". Die Interviews mit Wigald Boning waren Highlights der Reihe "RTL Samstag Nacht", die in den 90ern Maßstäbe in der TV-Comedy setzte. Schon damals wurde deutlich, was Dittrich jetzt auf eine Doppel-DVD mit seinen besten Rollen gepresst hat: "Ein Mann hat viele Gesichter."
In viereinhalb (!) Stunden ist Dittrichs Wandlungsfähigkeit zu erleben. Natürlich darf Franz Beckenbauer nicht fehlen, dem der gelernte Theatermaler und Musiker schon bei RTL eine spezielle "Aurora" verlieh. Das im Vorjahr neu aufgenommene Gespräch mit Harald Schmidt hat bei gut 20 Minuten Längen, die Rubrik "Beckenbauer Spezial" wie etwa mit "Der Franzose" alias "Tschänperpapän" (Jean-Pierre Papin) jedoch noch immer gelungene Doppelpässe.
Dasselbe gilt für Buttsche Roni. Der (mit Haaren!) 2,02 Meter große Boxer, geboren in der Einflugschneise des Hamburger Flughafens, geht über mehrere Runden als (überforderter) Herausforderer für die WM im "Superfliegenpilzgewicht". Kiezlude Mike Hansen und Star-Coiffeur Jacques Gelee sind weitere Paraderollen Dittrichs, dessen Reihe "Blind Date" (mit Anke Engelke) auch heute noch spontan punktet. Dagegen wirken Raritäten aus den 80ern und frühen 90ern unter der Rubrik "Historisches" eher amateur- als lachhaft.
Und obwohl Dittrich den Abschied von TV-Talkerin Christiansen mit der "Dittsche"-Folge "Tschüs, Sabine" veredelt hat, reicht auch die bildhafte Schilderung, Frau Kager habe die Sendung mit sich als Moderatorin zu Hause nachgestellt, nicht für den ganz großen Wurf. In Gänze sehenswert ist die Doppel-DVD wohl nur für eingefleischte Fans.




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