18.10.12

Konzertkritik

Madsen ruft den "Alarm im Paradies" aus

Zum Tourabschluss in der Sporthalle spritzen sich die Wendland-Rocker von Madsen "Nitro" in die Arme und hauen für 2800 Fans einen raus.

Von Tino Lange
Foto: dpa
Aus dem Saitenbieger Sebastian Madsen wurde durch einen Unfall die 100-Prozent-Rampensau Sebastian Madsen
Aus dem Saitenbieger Sebastian Madsen wurde durch einen Unfall die 100-Prozent-Rampensau Sebastian Madsen

Hamburg. "Vielleicht ist das der Anfang, vielleicht ist das das Ende", singt Sebastian Madsen am Dienstag in der Sporthalle. Der Song "Vielleicht" und sein Text sind aus dem Jahr 2005, und doch treffen sie sehr gut den Reha-Marathon, den der Sänger der aus dem Wendland stammenden Band Madsen von 2010 an durchmachte.

Damals stürzte Sebastian bei einem Videodreh in Berlin aus fünf Metern Höhe auf den Betonboden und seine linke Hand war danach nur noch ein besserer Gummihandschuh: mehrfacher Trümmerbruch. Eine Katastrophe für den singenden Gitarristen.

Aber er hat sich zurückgekämpft. Das Ende als dauerhafter Saitenbieger war der Anfang der 100-Prozent-Rampensau. Und wer am Dienstag sieht, was Sebastian Madsen, seine Brüder Sascha und Johannes an Schlagzeug und Gitarre, Bassist Niko Maurer sowie Gast-Gitarrist Martin "Mücke" Krüssel (von EL*KE) und Keyboarderin Lisa Nicklisch in der Sporthalle entfesseln, der erkennt: Die vergangenen zwei Jahre waren ein einziges Krafttanken. Für das gelungene und bislang erfolgreichste fünfte Album "Wo es beginnt" und die entsprechende in Hamburg furios endende Tournee.

"Könnt ihr springen?", fragt Sebastian nach "Wo es beginnt" bei "Panik", und sie können springen: 2600 Fans hüpfen und bilden bei "Mit dem Moped nach Madrid" auch gleich den ersten "Circle Pit", die wild kreiselnde, sich selbst einholende Polonaise für die ganz Harten. Platz ist ja da, nach Konzerten "in Knust, Molotow, Großer Freiheit 36 und Gruenspan" spielt Madsen auf der zweitgrößten Hamburger Hallenbühne, die mit 2600 Fans nicht einmal halb gefüllt ist. Aber das sind doppelt so viele, wie ins ursprünglich geplante Docks gepasst hätten. Zahlenspiele.

Die Band ist jedenfalls aufgedreht, die Verstärker ebenfalls. "Vielleicht", "Die Perfektion" (mit eingestreutem Alex-Clare-Cover "Too Close") und der vielleicht kommende neue Stadion-Choral "Lass die Musik an" knallen mit Wucht und Donnerdezibeln auf die abgehängten Seitenwände und in die offenen Münder auf der gegenüberliegenden Sitztribüne. Es ist definitiv die bislang "lauteste Madsen-Show", wie auch Niko Maurer feststellt.

Auf der Bühne: Phon-Orkan. Vor der Bühne: Circle-Pit-Tornados. "Alarm im Paradies". Trotzdem hat die Crew die Ruhe weg und spielt hinter dem Schlagzeug entspannt Tischtennis. Die Band wird es schon irgendwie richten bis zum Feierabend.

Die erste Zugabe "Du schreibst Geschichte" ist der Anfang vom Ende des Konzerts, das mit dem besten Song vom neuen Album noch einmal ungeahnte Höhen erreicht: "Baut wieder auf" ist Abrissbirne und Aufbauhymne zugleich, sie knallt an Schädel, die auf Madsen starren. Und dann wird nach 100 Minuten noch einmal kollektives Ausrasten beim traditionellen Finale "Nachtbaden" befohlen. Wo haben Fans und Band diese Energie her? Fusion der Emotionen, das wird es sein.

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