Mit ohne Zähne ist immer schön
Folkpunk Ein Fünf-CD-Boxset mit 110 Songs der Pogues
Was ist das hier alles? Ein Haufen zweifelhafter Pogues-Nummern, die zur Zeit ihrer Entstehung nicht gut genug waren, um veröffentlicht zu werden?", fragt Pogues-Mitglied Philip Chevron im Booklet der Fünf-CD-Box "Just Look Them Straight In The Eye And Say... Pogue Mahone!" und weiß die Antwort doch genau: Eher ist das Gegenteil der Fall. Was umso mehr überrascht, als diese Zusammenstellung nicht einfach die sieben Studioalben der irischen Band aneinanderreiht und mit ein paar Demos aufwertet, sondern unbedingter Pflichtkauf auch für jene Fans ist, die schon alles offizielle Material besitzen.
Im Detail: 110 Songs befinden sich auf "Just Look...", darunter ein Hidden Track ("Goodnight Irene" auf CD 5). 82 davon waren bisher unveröffentlicht und manches nicht einmal Hardcore-Sammlern ein Begriff. Beispielsweise die Bootleg-10-Inch "The Donegal Express/The Travelling People" von der nach Chevrons Recherche weltweit nur noch zwei Exemplare existieren - eines in Deutschland und eines Japan. Auch wenn dies die größte Rarität der Box ist, an seltenem Material herrscht hier kein Mangel: Da gibt's Coverversionen von "Maggie May" (Rod Stewart), "Eve Of Destruction" (Barry McGuire) oder "London Calling" (The Clash) ebenso wie eine Bearbeitung von "Japan", einer Nummer der Free-Jazz-Legende Pharoah Sanders!
Hochinteressant: die drei Demo-Versionen des Pogues-Hits "Fairytale Of New York", an denen sich sehr gut die Entwicklung des Songs nachvollziehen lässt. Kurios: das Instrumental "Lust For Vomit". Mitreißend: die sechs Live-Tracks aus dem Barrowlands-Club in Glasgow. Ungewöhnlich: die zahlreichen Soundtrack-Beiträge für Filme wie "Straight To Hell" oder "Sid & Nancy". Und dann ist da noch "Nicaragua", eine Art Revolutions-Hymne über die Ur-Pogue Spider Stacy sagt: "Ich hatte gehofft, den Song nie wieder hören zu müssen." In der Tat, nicht die größte aller Pogues-Nummern, aber ein unentbehrliches Zeitdokument. Apropos Dokument: Das etwa 60-seitige Begleitbuch ist ein wunderbarer Nostalgie-Trip, inklusive Bandgeschichte, persönlichen Erinnerungen der Beteiligten und zahllosen starken Fotos. Vor allem Sänger und Komatrinker Shane MacGowan mit ohne Zähne ist doch immer wieder schön.
In diesem Sommer sind die Pogues auf einigen Festivals in Irland und Großbritannien zu erleben, im Winter könnte es ein paar Auftritte in London geben. Fans in aller Welt fiebern dem schon jetzt entgegen - wer diese Box hört, weiß warum.




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