Dunkle Lieder auf der Suche nach dem verlorenen Sinn
ELEKTROPOP: Dave Gahan veröffentlicht sein zweites Soloalbum. "Hourglass" hat ein Thema: den Depeche-Mode-Sänger selbst
Dave Gahan hat eine neue Droge: Die Arbeit. Die kräftezehrende "Playing-The Angel"-Tour lag gerade mal hinter ihm, da verkroch er sich schon wieder mit seinen guten Kumpels Martyn LeNoble (Bass), Vincent Jones (Keyboard), Andrew Phillpott (Gitarre) und Christian Eigner (Drums) ins New Yorker Aufnahmestudio. Früher war die Rampensau der erfolgreichsten Synthie-Pop-Band der Welt auf Nachfragen zu eigenen Songs stets höflich ausgewichen. Das könne doch der Martin (Gore) viel besser. Er könne eben singen.
Doch auf den Schwingen seines Erfolgsdebüts "Paper Monsters" von 2003 gewann Gahan, den die Öffentlichkeit eher als zerrissene Beute seiner Dämonen kannte, neues Selbstvertrauen. Schon für "Playing The Angel" steuerte er drei Songs bei, von denen "Suffer Well" als Single veröffentlicht und für einen Grammy nominiert wurde.
Nun steht das Machwerk "Hourglass" in den Läden. Elektronischer und dank mulmig verzerrter Gitarren rauer als der Vorgänger. Eine munkelnde, aber stets modische Poptapete. Der Erfolg wird gleichwohl weit hinter den der Supergroup zurückfallen. Das große Lebensthema des Sängers, bleibt - er selbst. Mit finsterem Bariton lotet er seine krause Psyche und seinen Absturz Mitte der 90er-Jahre ("Down") aus. Gleich in mehreren Songs begibt er sich auf metaphysische Sinnsuche, stellt die Frage nach einem Gott ("Kingdom"). "Es ist eben nicht alles im Lot", bekennt Gahan. Die Dämonen von damals, sie grüßen ihn auch heute noch ab und zu. Aber heute schwört der Sänger auf Schokolade statt Heroin. Auf Arbeit und Familie statt Partys und Exzesse. Wie gut, dass er mit einem praktizierenden Buddhisten über all das reden kann. Und mit seinem Publikum.
>> Dave Gahan: Hourglass (Mute/EMI), im Handel erhältlich;





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