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Literatur

Frankfurter Buchmesse

Algerier Sansal erhält Friedenspreis des Buchhandels

Der Autor nahm die Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche entgegen und rechnete dort gnadenlos mit den Diktatoren der Welt ab.

Freundlicher Herr mit grauhaarigem Zopf: Doch bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche fand der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, der 62-jährige Algerier Boualem Sansal, klare Worte
Foto: AFP

Frankfurt. Etwas verlegen, aber sanft lächelnd nimmt Boualem Sansal in der Frankfurter Paulskirche den für ihn ungewohnten Applaus entgegen. Zuvor hatte der in seinem Heimatland Algerien verbotene Autor in leisen Tönen, aber umso deutlicheren Worten der Gewaltherrschaft weltweit das baldige Ende prophezeit.

"Die Menschen lehnen Diktatoren ab, sie lehnen Extremisten ab, die lehnen das Diktat des Marktes ab, sie lehnen den erstickenden Zugriff der Religion ab“, sagt der promovierte Ökonom in seiner Dankesrede bei der Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am Sonntag.

Der Arabische Frühling, für den der Schriftsteller stellvertretend mit der renommierten Auszeichnung geehrt wird, ist für Sansal so etwas wie ein Signal. Die Jagd "auf bornierte und harthörige Diktatoren“ sei nicht auf den arabischen Raum beschränkt, sagt der aus einem Berberdorf stammende Sansal. Er sieht die Welt vor einer Zeitenwende.

Einen Tag nach seinem 62. Geburtstag will der Autor in der Paulskirche, wo einst die erste freie deutsche Nationalversammlung tagte, ganz offensichtlich ein Zeichen des Optimismus setzen. Noch am Freitag hatte er sich auf der Buchmesse eher pessimistisch über den Weg zur Demokratie in den nordafrikanischen Ländern geäußert. Ohne Unterstützung des Westens werde es – wie einst 1988 nach der großen Revolte in seinem Heimatland – wieder einen Rückfall in die Repression geben.

Der schmächtige Sansal, der sich die grauen Haare zu einem langen Zopf gebunden hat, knöpft sich in seiner Rede auch den "ältesten Konflikt der Welt“ vor: Israelis und Palästinenser dürften nicht weiter "auch nur einen Tag länger als Geiseln ihrer kleinen Diktatoren dahinleben, ihrer bornierten Extremisten, ihrer nicht zu entwöhnenden Nostalgiker, ihrer Erpresser und kleinen Provokateure“.

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Sein ganzes Herzblut gehört jedoch seinem eigenen „unglücklichen und zerrissenen“ Land, das Sansal in seiner großen Rede als „Summe unauflöslicher Paradoxien“ bezeichnet. "In einem Land, das nichts anderes kennengelernt hat als die Diktatur, nämlich die der Waffen und der Religion, besteht die einzige Vorstellung, die man sich vom Frieden machen kann, aus Unterwerfung, Selbstmord oder endgültiger Emigration.“

Als einer der wenigen Intellektuellen hat Sansal Algerien, das vom Windhauch des Arabischen Frühlings nur am Rande erfasst wurde, bisher noch nicht endgültig verlassen. Aber sein Haus im Küstenort Bourmerdès bei Algier ist verbarrikadiert. Und auch für ihn ist Paris - Sansal schreibt auf Französisch – zur zweiten Heimat geworden.

Erst im Alter von 50 Jahren hat er aus Zorn über die Unterdrückung nach dem blutigen Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre mit dem Schreiben begonnen. Seine Stelle im Industrieministerium verlor er deswegen.

Mit dem mächtigen Militär und den Islamisten legt sich der bissig-ironische Sansal, der sich als schüchternen Menschen beschreibt, seit Jahren an. In der Paulskirche spricht er von den "medaillenbehängten Schirmmützen“ und "Turbanen“.

Und er würdigt den „großartigen Widerstand“ der Frauen in seinem Land – neben dem Dank an seine nach Frankfurt mitgekommene Frau Naziha erwähnt er stellvertretend seine Landsfrau Assia Djebar, die im Jahr 2000 den Friedenspreis des Buchhandels erhalten hatte.

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