Internationaler Durchbruch

Drohnen, Falken, Models: Performance-Künstlerin Anne Imhof

Eine Performance von Anne Imhof unter dem Titel "Faust" ist im Deutschen Pavillons zu sehen.

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Eine Performance von Anne Imhof unter dem Titel "Faust" ist im Deutschen Pavillons zu sehen.

Sie ist der neue Star des Kunstbetriebs - die Frankfurter Künstlerin Anne Imhof schafft mit dem Goldenen Löwen in Venedig den internationalen Durchbruch.

Frankfurt/Main. In ihren Performances lässt sie Drohnen und Falken fliegen, Taschendiebe tanzen und Türsteher Geheimcodes austauschen. Ihre Arbeiten erstrecken sich zu unterschiedlichen Zeiten über mehrere Orte.

Es sind Gesamtkunstwerke aus Musik, Aktion, Film, Installationen und bildender Kunst, die sie mit einem großen Team realisiert. Nun betritt die Frankfurter Künstlerin Anne Imhof die ganz große Bühne: Der von ihr gestaltete deutsche Pavillon gewann den Goldenen Löwen bei der Kunst-Biennale in Venedig.

"Eine echte Entdeckung" nannte sie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) schon 2013. "Anne Imhof gehört zu den kommenden Stars des Kunstbetriebs", schrieb die "Zeit" 2016. Für Aufsehen sorgte damals ihr dreiteiliger Zyklus "Angst", den sie selbst eine "Oper" nennt: Teil eins lief in Basel, Teil zwei im Hamburger Bahnhof in Berlin und Teil drei in Montreal.

Nun gestaltete die 39-Jährige den deutschen Pavillon auf der Kunst-Biennale in Venedig. Sie zeigt eine etwa fünf Stunden lange bedrückende Performance. Unter dem Titel "Faust" spielt sie mit den Themen Macht und Ohnmacht, Willkür und Gewalt, Widerstand und Freiheit. Durch das monumentale Gebäude wurden dicke Glasböden gezogen, Hunde stehen in einem Zwinger vor dem Pavillon. Es gehe um das Gefühl, in der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein oder nicht, sagte die Kuratorin Susanne Pfeffer vom Fridericianum in Kassel bei der Eröffnung des Pavillons.

Imhof wurde in Gießen geboren und wuchs in Fulda auf. Sie studierte zuerst an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach und dann an der Städelschule in Frankfurt bei Judith Hopf. Nebenbei jobbte sie als Türsteherin im Offenbacher Techno-Club "Robert Johnson" und sang in einer Band namens "Die Töchter aus gutem Hause".

Ihre Arbeit speist sich aus nahezu allen Kunstgattungen. "Anne Imhof entwickelt neue Techniken, um zu einem erweiterten Performance-Begriff beizutragen", hieß es bei ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland. 2013 war das im Frankfurter Portikus. Auch in New York, Paris und London waren ihre Arbeiten schon zu sehen. 2015 bekam sie den Preis der Nationalgalerie für junge Künstler unter 40.

Zu ihrem Team gehören mehr als 30 Leute. Je nach Art der Arbeit sind es Musiker, Sänger, Tänzer oder Models, Bühnenbildner, Architekten, Fotografen oder Filmemacher. Oder ein Drohnen-Administrator, ein Falkner und eine Seiltänzerin wie für "Angst II" in Berlin. "Mit dieser vielfältigen Arbeitsweise kann ich große Bilder schaffen", so Imhof.

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