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Kultur

Halleluja für die Gangster

Theater: Ulrich Waller und Jérome Savary inszenieren die Persiflage "Happy End". Am 26. Oktober ist Premiere im St.-Pauli-Theater

Ein Happy End ist das, was in amerikanischen Spielfilmen zum Schluss an die Handlung geklebt wird. Damit ein Film sicher in die Kinos gelangt. "Happy End" nannten auch Elisabeth Hauptmann (unter dem Pseudonym Dorothy Lane), Bertolt Brecht und Kurt Weill den Nachfolger ihrer erfolgreichen "Dreigroschenoper", den sie im Auftrag des Berliner Theaters am Schiffbauerdamm entwickelten. Das kreative Trio mixte bewährte Zutaten neu zusammen.

Regie-Veteran Jerome Savary und Ulrich Waller bringen die selten aufgeführte Gangster-Persiflage mit Musik in einer Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen am 26. Oktober im St.-Pauli-Theater heraus. Hausherr Ulrich Waller träumte schon lange von einer Zusammenarbeit mit Savary. "Ich bin für den seriösen Part zuständig, er macht die Musikteile und den Quatsch", erzählt Waller und scherzt: "Im Grunde reißt er alles wieder ein, was ich mache."

Das Stück spielt im Chicago der 20er-Jahre. Unter der Regie von Obergangsterin "Die Fliege" - die Figur teilen sich Angela Winkler und Cornelia Schirmer - treibt eine Gang ihr Unwesen. Bill Cracker, Killer mit Skrupeln und einem weichen Kern, ist einer von ihnen. Eine Rolle wie geschaffen für den Hamburger Filmdarsteller Peter Lohmeyer. Schon bald erobert die junge Lilian Holiday, Leutnant der Heilsarmee, sein Herz. Auch "Hallelujah Lilian" ist allerdings kein Kind von Traurigkeit, ihr Gottesglaube nicht in Stein gemeißelt. "Diese Nähe von Heilsarmee und Gangstertum, Zwangsbeglückung und Raub fasziniert", meint Waller. "Die Bezüge zu den amerikanischen Verhältnissen von heute sind fast visionär." Am Ende werden alle Gangster Heilsarmisten - weil sie so ihre krummen Geschäfte leichter tarnen können.

Die Inszenierung startet besonnen und bricht dann in savarytypisches Chaos aus. Zirkustricks kommen zum Einsatz. Weihnachtsmänner lassen ihr Leben. Es schneit unentwegt. "Savary hat ein Gespür für große Gefühle, um sie dann wieder zu brechen", so Ulrich Waller. "Happy End" hat nicht so viele Schlager wie der Vorgänger aufzuweisen, aber mit der "Ballade vom Surabaya-Johnny" oder dem "Bilbao-Song" auch ein paar feurige Hits.

Die Uraufführung 1929 war ein Skandal. Der ursprünglich vorgesehene Hauptdarsteller warf hin, weil Brecht, frisch verheiratet mit Helene Weigel, die Rolle der "Fliege" kurzfristig für sie in das Stück hineingezwängt und den Part des Gangsterbosses hierfür "ausgeweidet" hatte. Sehr zum Ärger auch von Elisabeth Hauptmann. Weigel sprengte die Uraufführung, indem sie plötzlich eine Passage aus dem kommunistischen Manifest vortrug. Von dem Ruf eines Skandals hat sich das Stück nie mehr ganz erholt. Sehr zu Unrecht, wie Ulrich Waller meint. "Es ist ein böses Märchen."


Happy End Premiere So 26.10., 19.00, Voraufführung 24.10., 20.00, und 25.10., 19.00, St.-Pauli-Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29/30, Karten zu 15,70 bis 59,70 unter T. 47 11 06 66; www.st-pauli-theater.de

 

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