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Kultur

Galerie der Gegenwart

Abgründige Geschichten in Schwarzweiß

Die Kunsthalle zeigt den neuesten Zeichenzyklus des renommierten Niederländers Marcel von Eden - die Bildergeschichte einer Mordtat.

Hamburg. Schön wär’s, hätte der amerikanische Botaniker Karl McKay Wiegand (1873–1942) vielleicht kopfschüttelnd gesagt, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre auf der Berlin Biennale 2006 den Beitrag von Marcel von Eden betrachten zu können. Der Niederländer, der als einer der originellsten Zeichner der internationalen Kunstszene gilt, hatte damals seine 150 Blätter umfassende Serie „K.M. Wiegand Life an work“ ausgestellt und damit einer realen Person eine fiktive Vita angedichtet. In von Edens Bildergeschichte führte der selbst in Fachkreisen kaum bekannte und vermutlich recht kleinbürgerliche Botaniker ein unglaublich aufregendes Leben. Er hat zum Beispiel an einer Boxweltmeisterschaft teilgenommen, 6000er-Gipfel bezwungen und Elizabeth Taylor geheiratet.

Von heute an zeigt die Hamburger Kunsthalle von Edens jüngste Zeichnungsserie „Witness fort he Prosecution“, in der Celia, die Figur aus einem früheren Zyklus, vor Gericht steht, um in einem Mordprozess auszusagen. Das Textmaterial für diese verwickelte Kriminalgeschichte, in der die Protagonisten mehrer älterer Zeichnungs-Zyklen auftauchen, hat von Eden einem amerikanischen Detektivroman der 50er-Jahre entnommen. Als Rohmaterial und Vorlage für die überwiegend in schwarz-weiß mit einem kreidehaltigen Stift gezeichneten Bildern dienen ihm Fotos aus Zeitschriften und Zeitungen sowie Standbilder aus Filmen. Einige wirken nahezu fotografisch exakt, erreichen durch die nuancierten Schwarzweiß-Kontraste eine frappierende Wirkung, sind Teil eines in sechs Kapitel gegliederten Erzählstrangs, können aber auch jedes für sich stehen. „Es ist wie ein verlangsamter Film“, meint Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner, und tatsächlich erinnert die Bilderfolge an Filmsequenzen oder Comicstrips.

In seiner Arbeit hält sich Marcel von Eden ein Grundprinzip: Er beschränkt sich auf Material, das von vor 1950 – seinem Geburtsjahr – stammt. Nach den Gründen dafür befragt, antwortete er einmal in einem Interview: „Als es dich noch nicht gegeben hat, hat das niemand gestört, und wenn du demnächst nicht mehr sein wirst, ist es im Prinzip genauso. Das ist ein befremdlicher Gedanke, und er fasziniert mich.“

Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, 14. Juni bis 27. September, Di–So 10–18, Do bis 21 Uhr. Katalog 14 Euro.

 

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