Die positive Seite des Blues
Der schrullige Songschreiber Mark Oliver Everett und seine Band The Eels kommen am 30. Juni mit brandneuen Songs in den Schlachthof
Es gibt Dinge, die hat man, oder man hat sie nicht. Und so darf es nicht verwundern, dass der liebenswert schrullige US-Songschreiber E alias Mark Oliver Everett schon vor Jahren seine notorische Traurigkeit auf ein Gen zurückführte, das ihn dazu verdammte, "down" zu sein. Auch auf dem neuen Album "Shootenanny!" seiner Band Eels, die sich im Kern auf E selbst und seinen Kumpel Butch am Schlagzeug reduziert, nähert sich der jetzt wieder bartlose Brillenträger dieser Malaise in gewohnt ironischer Manier. "When I was born / the doctor said / there is something wrong inside that baby-head", beginnt E mit dem trockenen Blues "All In A Days Work". Auf nunmehr fünf durchweg vorzüglichen Alben gibt E den unverbesserlichen Melancholiker und ewigen Außenseiter, der das Glück in lieblich verträumten Balladen und mittelschwer rockenden Lebensbetrachtungen an sich vorbeiziehen lässt. Und doch hat sich etwas geändert in der Haltung dieses Pop-Intellektuellen, der sich ein ganzes Interview lang an einer ungestopften Pfeife festhalten kann und die Frage, ob er sie denn auch rauche, lächelnd verneint, weil er "von Tod und Krebs genug" habe. Möglicherweise waren es jene gehäuften Todesfälle im engsten Familien- und Freundeskreis vor einigen Jahren, die ihn die positiven Seiten des Lebens haben entdecken lassen und die er 1998 auf dem Konzeptalbum "Electro-Shock Blues" verarbeitet hat. "Wenn du das Gute fühlen willst, musst du auch das Schlechte fühlen. Das ist ein Teil des Lebens", sagt E. Und gibt zu: "Ich bin optimistischer geworden." Flache Gute-Laune-Songs muss die eingeschworene Eels-Fan-Gemeinde deshalb nicht befürchten. Doch wenn E nun seinen Nachruf auf jenes tolle "Dirty Girl" anstimmt, das jetzt einen anderen Mann beglückt, oder mit "Rock Hard Times" seine Hymne auf alle Verstoßenen zelebriert, dann dürfen alle Einzelgänger und Ungeliebten gemeinsam im Chor mitgrölen. Mit Selbstmitleid hat das nichts zu tun. Eher mit viel Humor und gesundem Fatalismus. Und mit diesen Qualitäten verhält es sich wie mit vielen Dingen im Leben. Man hat sie, oder man hat sie nicht. Eels Mo 30. 6., 21.00, Schlachthof (U Feldstraße), Neuer Kamp 30, Karten zu 20,- in den bek. Vvk.-Stellen; Internet: www.eels.com




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