Musiktheater
Oper am Wannsee: Berlin hat jetzt „Seefestspiele"
Am Wannsee feiern die Berliner „Seefestspiele" Premiere. Das Publikum genießt Mozarts „Zauberflöte" - und dass es nicht regnet.
Das Bühnenbild der "Zauberflöte" bei den Seefestspielen in Berlin.
Foto: Getty Images
Berlin. Es kracht, es donnert, Nebel steigt auf am Berliner Wannsee. Am Himmel erscheint die Königin der Nacht. Majestätisch schwebt die schwarz gekleidete Frau die Bühne entlang. Ein Kranarm hat sie in fast 15 Meter Höhe gehievt. Hinter ihr geht die Sonne über dem See unter. Die Szene gehört zu den eindrucksvollsten am 11.8. bei der Premiere der Seefestspiele . Die Neuinszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ durch Katharina Thalbach hält manche Überraschungen parat.
Der Liebling des Publikums ist zweifellos Papageno. Guntbert Warns in der Rolle des Vogelfängers erheitert das Publikum mit witzigen Sprüchen bis zum letzten Aufzug. Eigentlich habe er mit dem Schlauchboot auf dem Wannsee fahren wollen, sagt er zu Beginn, als er die Bühne mit Sturmfrisur, einem roten Boot und Kescher betritt. „Aber das durfte ich nicht.“ Stattdessen müsse er nun im Trockenen schwimmen.
Papageno spielt damit auf die zunächst für die Aufführung vorgesehene Schwimmbühne an, die aus Lärmschutzgründen jedoch ans Ufer verlagert werden musste. Zuvor waren die Veranstalter bereits mit ihren Plänen, die Oper auf der Potsdamer Halbinsel Hermannswerder zu zeigen, an Naturschützern gescheitert.
Fische, Krebse, Krokodile und Wellen als Bühnenbilder erinnern immer wieder daran, dass der mit etwa 4.000 Personen ausverkaufte Freiluft-Opernsaal in Ufernähe liegt. „Unmittelbar am Wasser, das hätte ich mir schön vorgestellt“, flüstert Antje Steinberger in der mittleren Sitzreihe. Immerhin kann die Braunschweigerin den See rechts und links der Bühne gut erkennen. Im zweiten Teil der mehr als dreistündigen Vorstellung verschwindet er schließlich in der Dunkelheit der Nacht.
Die Blicke der Zuschauer sind ohnehin auf die gigantische Bühne gerichtet. Nach der Idee des Berliner Ausstatters Momme Röhrbein ist eine knapp 17 Meter hohe Felsenlandschaft mit einer 23 Meter breiten und sechs Meter tiefen Pyramide entstanden. Die Bühnenbauer aus Erfurt haben dafür 16 Tonnen Stahl verbaut, 400 Liter Farbe verstrichen und 20 Kubikmeter Holz verarbeitet. Auf der Bühne singen und erzählen Papageno, Prinz Tamino, die schöne Pamina und die anderen Protagonisten die bekannte Handlung.
„Sensationell“, „einfach toll“ und „wunderbar“ ist immer wieder von den Zuschauern zu hören. Unter den Gästen sind viele Prominente wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP). „Ein großartiges Erlebnis“, schwärmt Westerwelle. Es sei eine Oper für die gesamte Familie, „an einem spektakulären Ort“. Es sei eine typische Katharina-Thalbach-Oper, „ein tolles Erlebnis“, sagt die Berlinerin Sabine Trutschel.
Bis zum 28. August sind elf weitere Aufführungen geplant. Zumindest das von Judith Kubitz dirigierte Orchester kann unbeeindruckt von Wind und Wetter spielen: Es sitzt unter einem halbrunden, fußballähnlichen Zelt. Die stimmgewaltigen Arien und die schauspielerischen Leistungen dürften Besucher aber für mögliche Regentropfen entschädigen. Groß wird schließlich die Freude, wenn sich Papagenos Papagena von einer alten, humpelnden Frau in eine hübsche Blondine verwandelt.





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