Dumpfe Schläge vom nahen Gipfel
Drama Faszinierende Bilder zeigen das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen: "Die Reise des chinesischen Trommlers" von Regisseur Kenneth Bi
Foto: Neue Visionen
Diesmal hat Sid (Jaycee Chan) den Bogen überspannt: Der Sohn der Hongkonger Gangster-Legende Kwan (Tony Leung Ka Fai) wurde mit der Geliebten eines mächtigen Unterweltbosses im Bett erwischt, und um seine Ehre wieder herzustellen, verlangt dieser nun nicht etwa Sids Leben, sondern - grausamer noch - dessen Hände. Angesichts der sehr realen Bedrohung lässt Kwan seinen Sohn heimlich nach Taiwan bringen - und das hat weitreichende Folgen.
Nach Wochen der Langeweile hört Sid nämlich eines Tages dumpfe Trommelklänge von einem nahen Berggipfel herüberschallen. Vorsichtig schleicht er durchs Gebüsch und sieht sich plötzlich einem etwa 20-köpfigen Zen-Trommler-Ensemble gegenüber, das ihn völlig gefangen nimmt. Unbedingt möchte der Hobby-Schlagzeuger einer von ihnen werden, doch für Störfeuer sorgt nicht nur die abweisende Hong Dou (Angelica Lee), sondern auch Sids anfängliche Unfähigkeit, das eigene Ego in Schach zu halten. Und so muss der Aspirant erst einmal kanisterweise Trinkwasser in die karge Gruppenbehausung schleppen und bei langen gemeinsamen Wanderungen einen Sack voller Steine tragen, um sich für die erste Begegnung mit einer der großen Trommeln zu läutern. Schließlich geht es hier nicht in erster Linie um musikalische Virtuosität, sondern um "die Kunst des Nicht-Trommelns".
Härter könnte ein Aufeinanderprallen der Kulturen kaum sein: Hier die brodelnde Millionenstadt Hongkong mit all ihren Versuchungen, dort die Abgeschiedenheit einer buddhistischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, für die nur spirituelle Entwicklung zählt. Atemberaubend sind die Bilder, die Regisseur Kenneth Bi gefunden hat, authentisch die Darsteller, zu denen Jackie Chans Sohn Jaycee ebenso gehört wie zahlreiche Mitglieder der taiwanesischen Trommelgruppe U-Theatre. Und dass der mal brachial donnernde, mal fein pulsierende Soundtrack eine Klasse für sich ist, dürfte eh klar sein. Ein faszinierender Film, der nebenbei die Lust weckt, eines dieser großartigen asiatischen Trommel-Ensembles mal wieder live zu erleben.
Wie praktisch, dass mit Tao aus Japan eine der besten Gruppen des Genres im Januar und Februar in den Fliegenden Bauten gastiert.




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