Dienstag, 14. Februar 2012, 01:42

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Kino

Das Scheitern einer brüchigen Idylle

Von einer tragischen Liebe erzählt der chinesische Regisseur Liu Hao in Chen Mo und Meiting. Der Film ist Poesie in realistischen Bildern

Derzeit erzählen wenige Filmemacher so poetische Geschichten wie die Chinesen. Und selten sah man einen scheinbar so nebensächlichen Beginn einer Liebe wie in Liu Haos Erstlingsfilm "Chen Mo und Meiting".

Als der junge Chen Mo (Wang Lingbo) die Friseuse Meiting (Du Huanan) trifft, ist er auf der Flucht quer durch Pekings staubige Straßen - und drückt Meiting einen Strauß mit gestohlenen Blumen in die Hand. Es ist icht gerade der ideale Ort, um eine Romanze anzubahnen, aber Liu Haos Film lebt gerade von diesen Kontrasten.

Chen Mo stiehlt, um das Geld für die dringend erforderliche Augenoperation seines Bruders zusammenzubekommen. Meiting ist ebenfalls auf der Flucht, vor dem bösen Onkel, bei dem sie nach dem Tod der Großeltern aufwachsen musste. Doch sie landet bei einem despotischen Friseur, der ihr sofort die Blumen zerrupft.

Es dauert nicht lange, und Chen Mo und Meiting erkennen im jeweils anderen eine verborgene Sehnsucht nach Liebe und Fürsorge. Fortan hausen sie in Chen Mos winzigem Zimmer und spielen abwechselnd Vater oder Mutter für den anderen.

Doch das selbst inszenierte Familienglück ist brüchig. Meiting hält die Idylle nicht aus. Sie läuft weg und prostituiert sich, geht zurück in Verhältnisse, mit denen sie sich auskennt. Chen Mo verliert sein Geld und wird schwer verletzt.

Diese tragische Liebe schildert Hao vor grauer chinesischer Winterkulisse in realistischen Bildern. Ohne Weichzeichner erzählen sie vom kargen Leben und Überleben der Menschen in der 13-Millionen-Metropole. Von der Sehnsucht nach einem wirklichen Zuhause, der Suche nach dem Mythos der Familie. Der chinesischen Zensur waren die menschlichen Seiten des Werkes wieder einmal zuviel. Nur durch eine beherzte Schmuggelaktion gelangte der Film zur letzten Berlinale - und kam so auf den internationalen Markt. INES DEFOE

Chen Mo und Meiting China/Deutschland 2002, 78 Minuten, ab 12 Jahren, R: Liu Hao, D: Wang Lingbo, Du Huanan, täglich im 3001 (OmU)

 

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