Dienstag, 14. Februar 2012, 11:12

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Kino

Reise in den rauen Norden

Komödie: "Willkommen bei den Sch'tis" ist ein amüsant inszeniertes Spiel um Klischees und Vorurteile - und ein recht skurriler Sprachkursus zudem

Man stelle sich Folgendes vor: Ein wackerer Mann aus Bayern wird beruflich nach Nordfriesland versetzt. Klar, das ist ein herber Schlag für den Guten. Keine Freud' mehr auf der Alm, sondern die steife Brise von Nordwest. Geeler Köm statt Obstler, Pharisäer statt Almdudler. Die ganze Welt der Kontraste. Das kann lustig sein, aber daraus einen Kino-Hit stricken, den sich Millionen Menschen lauthals lachend anschauen? Geht gar nicht.

Trailer: "Willkommen in Sch'tis"


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In Frankreich schon. "Willkommen bei den Sch'tis" heißt dieser Film, der natürlich nichts von Bayern und Friesen erzählt, aber umso mehr von Süd- und Nordfranzosen. Die, so scheint's, mögen sich nämlich nicht besonders. Zumindest haben sie radikal falsche Vorstellungen voneinander.

So wie Philippe (Kad Merad), Südfranzose im Haupt- und Postbeamter im Nebenberuf. Er träumt von einem neuen Arbeitsplatz an der, na klar, Cote d'Azur. Dummerweise werden immer andere dorthin versetzt, und Philippes Versuche, den Platz an der Sonne über einen vorgetäuschten Behindertenstatus zu ergattern, enden im urkomischen Chaos: Philippe wird strafversetzt in die Region Pas-de-Calais in Frankreichs äußerstem Norden. Rau ist es dort und unwirtlich - "Sch'tis" werden jene wegen ihres Dialekts genannt, die dort leben müssen. Im Süden sagen die Leute, dass es "denen, die im Bergwerk arbeiten, besser geht" als den Nordlichtern. Der arme Philippe.

Natürlich kommt alles anders in dieser mit leichter Hand inszenierten Komödie, die wunderbar mit Klischees und Vorurteilen spielt. Philippe lernt nicht nur den Postboten Antoine (gespielt von Regisseur Dany Boon), der noch bei seiner gestrengen Mutter lebt, kennen und schätzen, sondern gleich das ganze Städtchen und seine freundlichen, aber auch recht skurrilen Menschen. Der Mann aus dem Süden beginnt schnell, sich wohlzufühlen. An den Wochenenden in seiner Heimat muss er allerdings den Not leidenden Verbannten geben - seine schönen Gattin Julie (Zoe Felix) pflegt ihn dabei mit Hingabe. Das geht gut, bis Julie sich opfert und ihren Mann in der kalten Fremde besuchen will ...

Boons Film ist ein kurioser, höchst amüsanter Beitrag zu einer Art Völkerverständigung im eigenen Land. Kleiner Wermutstropfen: An die deutsche Version des Dialekts der "Sch'tis" muss man sich ein wenig gewöhnen.

 

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